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Lübeck - Lübecker Bildungsfonds

Flexibel, diskret, unbürokratisch: So ermöglicht die Hansestadt Lübeck Kindern den Zugang zu Bildung. Kommune, Stiftungen, das Land haben den bundesweit einzigartigen Bildungsfonds gegründet. In ihn fließen auch die Zuschüsse des Bundes aus dem Bildungs- und Teilhabepaket.

Ausgangslage

  • Zu Projektbeginn dokumentierte der „Armuts- und Sozialbericht der Hansestadt" für Lübecker Kinder und Jugendliche eine Armutsquote von über 30 Prozent.
  • Unter den rund 200.000 Einwohnern befanden sich etwa 32.000 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren.
  • Strukturelles Haushaltsdefizit: 125 Millionen Euro
  • Vor dem Hintergrund des ökonomischen und gesellschaftlichen Strukturwandels entstand die Überlegung: Wie konnte man in Lübeck Kräfte bündeln, um Kindern und Jugendlichen möglichst optimale Bildungsmöglichkeiten eröffnen?
  • Im Konsens mit den Stiftungen entstand erstmals die Idee eines Unterstützungsmodells, das gezielt, unbürokratisch und schnell dazu beitragen sollte, Bildungsarmut von Kindern und Jugendlichen und damit mangelnde gesellschaftliche Teilhabe mit all seinen Konsequenzen zu bekämpfen. Das war die Geburtsstunde des bundesweit einzigartigen „Bildungsfonds".

Ziele

  • Allen Kindern wird ungeachtet ihrer sozialen Herkunft der bestmögliche Zugang zu Bildung ermöglicht.
  • Vermeidung von Diskriminierung und Stigmatisierung: Der Gang zum „Amt" ist nicht erforderlich. Die pädagogischen Fachkräfte sind Ansprechpartner der Eltern. Sie wissen am besten, was die Kinder brauchen und wie das Elternhaus mit eingebunden werden kann. Sie können in Einzelfällen auch ohne die Eltern aktiv werden
  • Bündelung der Kräfte und Finanzen
  • Stärkung der Steuerungs- und Entscheidungskompetenzen von Kindertagesstätten und Schulen
  • enge Kooperation von Land, Kommune, Stiftungen und Jobcenter

Umsetzung

  • In den Bildungsfonds fließen jährlich ca. zwei Millionen Euro von Stiftungen (53 Prozent), Kommune, Land und Einzelspendern sowie rund 700.000 Euro aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung
  • Alle Kindertagesstätten und Schulen erhalten einen Vorschuss, der bei Bedarf aufgestockt werden kann, und entscheiden eigenverantwortlich, ob und wie Kinder, bzw. deren Eltern Unterstützungsbedarf haben.
  • Unterstützung beantragen können Familien, die Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe beziehen, ein ermäßigtes Betreuungsentgelt in Kitas bezahlen, Wohngeld erhalten oder ihren Kindern wichtige Bildungsangebote finanziell nicht ermöglichen können.
  • Bezuschusst werden u. a. Sprachförderung, Mittagessen, Klassenausflüge, Schulbeiträge, Arbeitsmaterialien, Musik- und Sportangebote, zusätzliche Bildungsangebote, Nachhilfe, Schulnetzwerke und der Ausbau der Ganztagsangebote an Schulen.
  • Unterstützungsberechtigte können den einseitigen Antrag, der für alle möglichen Leistungen eines Jahres gilt, in der Kita oder Schule stellen.
  • Kita und Schule rechnen halbjährlich mit der Stadtverwaltung ab.
  • Nicht verbrauchte Mittel können ins nächste Jahr übertragen werden.
  • Die Hansestadt übernimmt die Verwaltung, Abrechnung und die stichprobenartige Kontrolle der Anträge.
  • Der Beirat des Lübecker Bildungsfonds überprüft die sachgerechte Verwendung der Mittel und entscheidet jährlich über die konzeptionelle Fortschreibung des Fonds. Dem Beirat gehören Vertreterinnen und Vertreter der Stiftungen, der Hansestadt, des Jobcenters und die Schulräte an
  • Die Mittel des BuT, die in den Fonds einfließen, werden zwischen der Verwaltung der Hansestadt und dem Jobcenter auf direktem Weg geprüft und abgerechnet
  • Eine Besonderheit des Fonds: Kinder aus Familien, die „offiziell" keinen Anspruch auf Leistungen haben, können, wenn sie plötzlich und vorübergehend in eine Notsituation geraten, ebenfalls gefördert werden.
  • Eine weitere Besonderheit: Wenn Eltern von sich aus keine Initiative ergreifen möchten, um Unterstützung zu erhalten, können Erzieher/innen und Pädagogen/Pädagoginnen auch von sich aus aktiv werden.

Erfolge

  • Bildung einer Verantwortungsgemeinschaft zwischen Kommune und Stiftungen, in der Einzelinteressen einem übergeordneten gemeinsamen Interesse untergeordnet werden
  • Entwicklung einer neuen, auf Offenheit und Vertrauen basierenden Entscheidungs- und Kommunikationsstrategie
  • allseitige Bereitschaft, Verantwortung und damit auch Macht abzugeben, aber auch zu übernehmen
  • Große Bereitschaft aller Handelnden, speziell auch in Kindertagesstätten und Schulen, den Verwaltungsmehraufwand im Interesse der Kinder und Familien zu übernehmen. Die Erkenntnis setzte sich durch, dass diejenigen, die am nächsten dran sind, am besten entscheiden können, ob und welcher Förderbedarf besteht.
  • Abbau und Verhinderung von Parallelstrukturen. Ganz wesentlich: die Bereitschaft des Jobcenters, die Unterstützung durch Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket über den Bildungsfonds abwickeln zu können
  • Die Kommune schlägt dem Beirat des Bildungsfonds in enger Abstimmung mit der kommunalen Bildungsplanung weitere Förderschwerpunkte vor. Der Bildungsfonds entwickelt sich so schrittweise zu einem wichtigen Instrument der gemeinsamen Gestaltung von Inhalten und struktureller Bildungsgerechtigkeit.

Kontakt

Friedrich Thorn

Kronsforder Allee 2-6
23539 Lübeck

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