Wien - Von der Integrations- zur Diversitätspolitik

Die Stadt Wien betont durch ihren Ansatz der Diversitätspolitik ihr verändertes Verständnis als Stadt in Bezug auf ihre demographische, ethnische und kulturelle Vielfalt – und passt ihre Strukturen diesen Veränderungen an. Unterschiede werden als Entwicklungschancen für die Zukunft gesehen.

Ausgangslage

  • Wien ist – wie jede Metropole – von Zuwanderung geprägt. Ca. die Hälfte der gesamten Wiener Bevölkerung hat – unabhängig von ihrer tatsächlichen Staatsbürgerschaft – einen so genannten Migrationshintergrund.
  • Daher verfolgt die Stadt seit Jahren eine umfassende diversitätsorientierte Integrationspolitik (Politik der Inklusion). Organisatorisch ist für die Entwicklung und Implementierung dieser Politik die Magistratsabteilung 17 (Integration- und Diversität) verantwortlich.

Ziele

  • Als Politik der Inklusion soll die Wiener Integrations- und Diversitätspolitik eine gleich­berechtigte Teilhabe und Teilnahme aller Wiener BürgerInnen, einheimisch und zugewandert, am öffentlichen Leben ermöglichen.
  • Das Ziel dieser Politik ist ein verändertes Bewusstsein der Stadt in Bezug auf die eigene demografische, ethnische und kulturelle Vielfalt.
  • Eine diversitätsorientierte Politik der Inklusion fragt, was getan werden soll, damit in einer sich durch die Migration ständig verändernden Stadt die Verwaltung und die lokale Politik den Bedürfnissen einer kulturell vielfältigen Bürgerschaft entsprechen. Der Umgang mit der Vielfalt bedarf einer bewussten organisatorischen Unterstützung, weshalb vom Diversitätsmanagement gesprochen wird.

Umsetzung

  • Wien versteht das Diversitätsmanagement als Querschnittsmaterie, mit der sich die gesamte Stadtverwaltung beschäftigt. Die MA 17 – Integration und Diversität fungiert als eine Art „Verbindungsfachabteilung" zwischen Partnerorganisationen und NGOs einerseits und dem Magistrat andererseits. Sie stellt in erster Linie das interkulturelle Know-how zur Verfügung.
  • Diversität im Sinne von soziokultureller, sprachlicher und ethnischer Vielfalt bedeutet daher für die MA 17:
    • Unterstützung von MigtantInnen, insbesondere von Neuzugewanderten, bei der Inklusion, damit sie gleichberechtigt und mit gleichen Chancen am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben teilnehmen können.
    • Unterstützung des Magistrats als interner Dienstleister bei Diversität, damit diese als Teil von Qualitätsmanagement in allen Bereichen umgesetzt werden kann.

Die Schwerpunkte der Arbeit der MA 17 sind

  1. Förderungen für Projekte und Bildungsmaßnahmen, die die Inklusion der (Neu-)Zugewanderten und die Sensibilisierung der Gesellschaft für die Fragen des Zusammenlebens ermöglichen sowie Entwicklung eigener Projekte und Produkte.
  • StartWien: Im Bereich der Unterstützung von NeuzwanderInnen bei der Inklusion hat die MA 17 2008 das Projekt „StartWien", ein Willkommensprogramm für Neuzugewanderte aus Drittstaaten (seit 2011 auch aus der EU/dem EWR) entwickelt, das national und international große Beachtung findet.
  • Inklusion durch Bildung: Im Rahmen der Initiative Erwachsenenbildung werden Kurse für verschiedene Zielgruppen gefördert, die nicht nur Deutschkenntnisse, sondern auch Basisbildung und Grundkompetenzen vermitteln. Ebenso werden Vereine und Communities ermutigt und geschult, solche Maßnahmen selbst anzubieten, wofür sie professionelle und finanzielle Unterstützung von der MA 17 bekommen.
  • Kommunikation: Die Quartalzeitschrift „Welt & Stadt", die speziell auf die Bedürfnisse der zugewanderten Bevölkerung zugeschnitten ist, informiert in Deutsch, Englisch, Türkisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch über wichtige Themen. Ebenso kann man in den oben genannten Sprachen die Inhalte der MA-17-Website sowie auf dem Internetportal der Stadt Wien (wien.at) Informationen der Verwaltung abrufen.
  • Die MA 17 hat auch das Projekt „Wiener Sprachen App" entwickelt: eine Micro-Seite mit der App-Funktion, die in vorläufig 8 Sprachen der Wiener Bevölkerung Grundlegendes für Alltagskommunikation und Ausdrücke aus den Bereichen Recht, Administration usw. zum Hören und zum Lernen bietet.
  • Weitere Beispiele der konkreten Arbeit der MA 17 sind im Bereich Mehrsprachigkeit das »Glossar „Amtsdeutsch" und das „Wiener Wahlwörterbuch", die in mehreren Sprachen vorhanden sind.
  1. Zusammenleben: Regionale Arbeit in den Bezirken (Kommunikation, Information, Modellprojekte, Vernetzung), BügerInnenbeteiligungsprojekte
  • Die mehrsprachigen MitarbeiterInnen der Regionalstellen der MA 17 sind in den Bezirken Wiens unterwegs, wo sie Kontakte zu Communities der ZuwanderInnen und den Einrichtungen der jeweiligen Bezirke pflegen.
  • Die MA 17 entwickelt auch eigene Projekte, die das Zusammenleben fördern:
    • „Sei dabei" – Mikroprojekte zum besseren Kennenlernen der NachbarInnen, bei deren Organisation und Realisierung die InitiatorInnen von MitarbeiterInnen in den Bezirken unterstützt werden.
    • „Wiener Charta" – mehrfach ausgezeichnetes Projekt der BürgerInnenbeteiligung: Im März 2012 hat die Stadt den Dialog- und Beteiligungsprozess der Wiener Charta gestartet.
  1. Diversitätsmanagement als Unterstützung für den Wiener Magistrat  und Wiener Integrations- und Diversitätsmonitoring
  • Im Rahmen des Diversitätsmanagements leistet die MA 17 Informations- und Unterstützungsarbeit für die anderen Magistratsdienststellen.
  • Durch die Entwicklung des „Diversity Checks" wurde den Abteilungen des Magistrates ein Tool in die Hand gegeben, das auf die Bedürfnisse der einzelnen Stellen angepasst werden kann und dadurch allgemein verwendbar ist.
  • Seit 2008 führt die Stadt Wien ein Integrations- und Diversitätsmonitoring durch.

Erfolge

  • Das Projekt „StartWien" wurde bereits dreimal mit nationalen bzw. internationalen Auszeichnungen prämiert.
  • Seit Projektstart im Oktober 2008 haben über 13.000 Drittstaatsangehörige und seit 2011 auch über 2.000 EWR-BürgerInnen  einen Bildungspass erhalten, über 35.000 TeilnehmerInnen haben die Info-Module besucht und ca. 6.000 Personen (seit 2009 schrittweise aufgebaut) haben bisher Second-Level-Startcoaching in Anspruch genommen. Die MA 17 selbst hat seit Projektstart 1.300 Module organisiert; durchschnittlich nehmen an einem Modultag (einmal im Monat) 500 Personen teil.
  • Das Projekt „Wiener Charta" wurde als einzigartiges BürgerInnenbeteiligungs­projekt schon zweimal international ausgezeichnet.

Kontakt

Goran Novakovic

Stadt Wien
Friedrich-Schmidt-Platz 3
1080 Wien
Österreich

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