Freiburg - Die Bildungsregion Freiburg

Um optimale Bildungsmöglichkeiten zu schaffen wurde in Freiburg ein Projekt zur Vernetzung der Freiburger Bildungseinrichtungen initiiert. In das Projekt sind alle wesentlichen Akteure eingebunden und arbeiten in den neu eingeführten Gremien zusammen. Grundlage und Startpunkt war das Selbstevaluationsinstrument in Schulen(SEIS), welches einen Überblick über alle wichtigen Bereiche schulischer Qualität gibt.

Ausgangslage

  • In Freiburg, einer Stadt mit traditionell geringer klassischer Großindustrie, zeigen sich Beschäftigungsschwerpunkte insbesondere im Bildungs- und Dienstleistungsbereich. Von daher ergeben sich ein bildungsfreundliches Klima in der Stadt und ein besonderes Problembewusstsein für Fragen der Bildung.
  • Schätzungsweise 80.000 Menschen der Stadt haben direkt oder zumindest indirekt mit Bildung zu tun. Immer wieder gab es Einzelaktivitäten der Stadt, des Staatlichen Schulamts oder von Schulentwicklungsberatern, Innovation in Freiburger Schulen systematisch in Zusammenarbeit der Beteiligten zu unterstützen. Auf der Grundlage einzelner innovativer Aktivitäten ergaben sich zahlreiche Diskussionszusammenhänge und eine förderliche Basis, um aus den guten Potenzialen ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Entscheidend waren hierbei aber auch einzelne Personen, die bereits vor Projektbeginn vertrauensvoll kooperiert hatten.
  • Inspiriert nicht zuletzt durch Informationen aus dem Projekt „Schule & Co." im Kreis Herford bekam die Diskussion in Freiburg einen neuen Ziel- und Orientierungsrahmen.
  • Sehr schnell wurde dabei klar, dass es bei der Gestaltung einer Bildungslandschaft nicht um federführende Aktivitäten eines Akteurs mit entsprechendem „sich mit Federn schmücken" gehen kann. Notwendig zum erfolgreichen Aufbau einer staatlich-kommunalen Verantwortungsgemeinschaft ist vielmehr das authentische Leben gemeinsamer Verantwortung.
  • In den Jahren 2006-2008 wurde das „Projekt Bildungsregion Freiburg" in Trägerschaft der Stadt Freiburg und des Landes Baden-Württemberg und mit Unterstützung der Bertelsmann Stiftung realisiert.
  • Das Resultat aus der Projektphase war sehr positiv, so dass seit dem 01.01.2009 die „Bildungsregion Freiburg" als feste Einrichtung besteht. Ermöglicht wurde dies aufgrund eines Beschlusses des Freiburger Gemeinderats und durch die Förderung seitens des Kultusministeriums Baden-Württemberg im Rahmen der „Qualitätsoffensive Bildung".
    Das Netzwerk der Bildungsregion Freiburg umfasst heute 70 öffentliche und private Freiburger Schulen aller Schularten. Die Beteiligung ist an eine Vereinbarung zwischen Schulträger und staatlicher Schulaufsicht (Oberbürgermeister, Schulpräsident beim Regierungspräsidium) einer- und den Schulen andererseits gebunden.
  • Im September 2009 startete mit der Initiative „LEIF - Lernen erleben in Freiburg" ein Projekt des BMBF-Förderprogramms „Lernen vor Ort" zum Aufbau eines umfassenden kommunalen Bildungsmanagements. Geschickte Steuerung beider komplementärer Prozesse ermöglicht Synergieeffekte und eröffnet Chancen für inhaltliche Kooperation und Verzahnung.

Ziele

Übergeordnetes Ziel
  • Bestmögliche Bildungschancen und damit bestmögliche Lebenschancen für alle Kinder und Jugendlichen in Freiburg
Schwerpunktziele sind:
  • Systematische Qualitätsentwicklung der Schulen
  • Begleitung und Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Bildungsrisiken
  • Erhöhung der Ausbildungsfähigkeit
  • Entwicklung eines regional abgestimmten Bildungssystems
  • Entwicklung einer Verantwortungsgemeinschaft Schulträger – Land
  • Daraus abgeleitet sind Teilziele auf den Ebenen Kinder und Jugendliche, Schulen und Bildungsregion. Zusätzlich werden bestimmte Ziele als Jahresziele fokussiert.

Umsetzung

Die Organisationsstruktur der Bildungsregion:
  • Die Regionale Steuerungsgruppe ist das Entscheidungs- und Steuerungsgremium der Bildungsregion Freiburg. Die Zahl ihrer Mitglieder – je drei VertreterInnen der Stadt Freiburg und der staatlichen Schulaufsicht – wurde mit dem Übergang von der Projektphase in den Regelbetrieb Anfang 2009 von vier auf sechs erhöht. Die Steuerungsgruppe verantwortet die datenbasierten Bedarfserhebungen an Schulen (auf der Grundlage regelmäßiger Selbstevaluation der Schulen mit dem Instrument SEIS – Selbstevaluation in Schulen) und die entsprechende Unterstützung der Schulentwicklungsprozesse. Sie gibt den in zweijährigem Rhythmus erscheinenden Bildungsbericht der Stadt Freiburg heraus.
  • Das Regionale Bildungsbüro ist der „operative Arm" der Regionalen Steuerungsgruppe und die Serviceagentur der Bildungsregion Freiburg. Es ist als Stabsstelle beim Amt für Schule und Bildung der Stadt Freiburg angesiedelt. Zu seinen Aufgaben zählt die Vorbereitung, Moderation und Beratung der Sitzungen der Regionalen Steuerungsgruppe. Es ist federführend – ggf. in Abstimmung mit allen staatlichen, kommunalen und sonstigen Partnern – für die Durchführung aller Maßnahmen und Aktivitäten der Bildungsregion Freiburg zuständig (Bedarfsermittlung für Unterstützungsmaßnahmen an Schulen, Koordination von Qualifizierungsmaßnahmen, Initiierung und Begleitung thematischer Netzwerke, Förderung des Erfahrungsaustauschs zwischen Schulen untereinander und mit außerschulischen Partnern, Koordination von Beratungsleistungen, Unterstützung der Schulen bei der Durchführung der Selbstevaluation, Erstellung des Freiburger Bildungsberichts u.v.m.).
  • In der Freiburger Bildungskonferenz (die als gemeinsames beratendes Gremium der Bildungsregion Freiburg und der Initiative „LEIF – Lernen erleben in Freiburg" im September 2009 den regionalen Bildungsbeirat abgelöst hat) werden Maßnahmen und Vorhaben im Rahmen der Bildungslandschaft kommuniziert, diskutiert und zwischen verschiedenen Akteuren abgestimmt. Durch die Bildungskonferenz erhält die Steuerungsgruppe der Bildungsregion fachliche Begleitung, Beratung und Unterstützung.
  • In der mit Schulträger und staatlicher Schulaufsicht geschlossenen Vereinbarung erkennen die Schulen als von ihnen zu erbringenden Beitrag für ein hilfreiches Schulnetzwerk an:
    • Teilnahme an der Selbstevaluation der Freiburger Schulgruppe mit dem Instrument SEIS – Selbstevaluation ca. alle 2,5 Jahre,
    • Teilnahme am jährlichen Praxisforum als zentralem schulartübergreifendem Austausch der Freiburger Schulen
    • einmal pro Jahr Kurzbericht zur Schulentwicklung (stichpunktartige Dokumentation der Schulentwicklungsschwerpunkte und Mitteilung des voraussichtlichen Unterstützungsbedarfs).
  • Im Gegenzug werden den Schulen folgende Leistungen durch die Bildungsregion zugesichert:
    • Möglichkeit, Leistungen aus dem Innovationsfonds der Bildungsregion zu beziehen,
    • Teilnahme an Qualifizierungen,
    • Teilnahme an thematischen Workshops, Foren, Tagungen,
    • Beteiligung an thematischen Netzwerken der Bildungsregion,
    • Unterstützung bei der schulischen Qualitätsentwicklung durch das Regionale Bildungsbüro, insbesondere bei der Schulgruppenerhebung mit SEIS,
    • Sonstige Beratungs- und Serviceleistungen des Bildungsbüros im Rahmen der Aktivitäten der Bildungsregion.
  • Maßstab für jegliches Handeln auf Steuerungs- wie operativer Ebene der Bildungsregion Freiburg ist das Bemühen um gelingende individuelle Bildungsbiographien. Methodisch arbeitet die Bildungsregion auf der Basis von Datenmaterial (Erhebungsinstrumente sind: SEIS – Selbstevaluation in Schulen, standardisierte Kurzberichte zur Schulentwicklung, Freiburger Bildungsbericht), dessen Validierung erfolgt in systematischen Kommunikationsprozessen.
Handlungsfelder und Dienstleistungen
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    Ziele der Bildungsregion Freiburg wurden in einem Leitbildprozess entwickelt und mit Schulen und allen an Bildung beteiligten Akteuren vor Ort abgestimmt.
  • Die Schulen erhalten Unterstützung bei der Erhebung und Interpretation von Daten zur Qualität ihrer Arbeit. Bislang wurden drei Schulgruppenerhebungen zur Selbstevaluation mit dem Evaluationsinstrument SEIS – Selbstevaluation in Schulen durchgeführt, an denen jeweils ca. 11.000 Befragte teilnahmen (Rücklaufquote von jeweils ca. 80%).
  • Mit jährlich 75.000 Euro aus dem Regionalen Innovationsfonds wurden seit 2007 29 Projekte von jeweils kleineren Schulnetzwerken (mindestens drei Schulen, i.d.R. außerschulische Partner) in Themenfeldern wie Kulturelle Bildung, Berufliche Orientierung, Elternarbeit/Elternbildung, Sprachförderung, Migration/Integration, Soziales Lernen, Persönlichkeitsbildung, Erlebnispädagogik, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Jungenarbeit u.a. durchgeführt.
  • Laufend werden Qualifizierungen für die beteiligten Schulen angeboten und durchgeführt in Organisationsentwicklung (Zielgruppe: Schulleitungen, Steuerungsgruppen) und Unterrichtsentwicklung (Konzept „Freiburger Neue Lernkultur": Umgang mit Heterogenität, Kooperatives Lernen, Klassenführung, Neue Formen der Leistungsbeurteilung, Kollegiale Unterrichtshospitation; Zielgruppe: Lehrkräfte).
  • Durchführung des jährlichen Praxisforums für das gesamte Netzwerk der Freiburger Schulen als Plattform für Information und Austausch zu aktuellen Themen aus Pädagogik, Schulentwicklung und kommunaler Netzwerkarbeit.
  • Schulen der Bildungsregion Freiburg sind Partner themenorientierter Netzwerke mit schulischen und außerschulischen Akteuren: „Berufliche Orientierung" (mit dem Programm „Erfolgreich in Ausbildung" zur vertieften beruflichen Orientierung), „Kulturelle Bildung" und „Bildung und Migration".
  • Die Bildungsregion Freiburg unterstützt Schulen bei der Gestaltung passgenauer Übergänge zwischen den Schularten.
  • Im Sinne der Ziele der Bildungsregion und der Ausrichtung an gelingenden Bildungsbiographien gehört die systematische Optimierung der Schnittstellen zwischen allen für Bildungsprozesse Verantwortlichen zu den ständigen Aufgaben in der Bildungsregion.
  • Die Regionale Steuerungsgruppe ist gemeinsam mit der Stadt Freiburg Herausgeberin des in zweijährigem Rhythmus erscheinenden Freiburger Bildungsberichts. Bei der Erstellung werden das Regionale Bildungsbüro und die Initiative „LEIF – Lernen erleben in Freiburg" wissenschaftlich beraten von Prof. Dr. Hans Döbert, Berlin, und Prof. Dr. Susan Seeber, Göttingen.
Meilensteine der „Bildungsregion Freiburg" 2005-2010
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    2005: Konstituierung der Steuerungsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Freiburg und des Landes Baden Württemberg
  • 2006: Erstes Praxisforum der Freiburger Projektschulen mit ca. 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Austausch über Stärken und Entwicklungsfelder der Freiburger Schulen)
  • 2007: Qualifizierungsreihe für Schulleitungen und Steuerungsgruppen zum Thema Schul- und Organisationsentwicklung; Fachtagung zur Unterrichtsentwicklung, Beginn des Programms „Erfolgreich in Ausbildung", Zweites Praxisforum (u.a. Vorstellung der mit dem Deutschen Schulpreis 2006 ausgezeichneten Grundschule Kleine Kielstraße, Dortmund)
  • 2008: Qualifizierungsreihe zur Unterrichtsentwicklung („Neue Freiburger Lernkultur"), Drittes Praxisforum (u.a. Vorstellung der mit dem Deutschen Schulpreis 2007 ausgezeichneten Robert-Bosch-Gesamtschule, Hildesheim), Kongress „Bildungsregionen gemeinsam gestalten" als Auftakt zum Transfer des Konzepts in Baden Württemberg, Erscheinen des 1. Freiburger Bildungsberichts
  • 2009: Übergang vom „Projekt Bildungsregion Freiburg" zur „Bildungsregion Freiburg" als regelmäßiger Einrichtung der Stadt Freiburg und des Landes Baden-Württemberg und Erweiterung der Regionalen Steuerungsgruppe auf insgesamt je drei VertreterInnen der Stadt Freiburg und des Landes, Neuauflage der Qualifizierungsreihe Schul- und Organisationsentwicklung, Online-Schaltung der Internetplattform www.kulturelle-bildung-freiburg.de, Start der Initiative „LEIF - Lernen erleben in Freiburg" als Projekt des BMBF-Förderprogramms „Lernen vor Ort" zum Aufbau eines umfassenden kommunalen Bildungsmanagements in enger inhaltlicher Kooperation und Verzahnung mit der Bildungsregion Freiburg, Viertes Praxisforum (u.a. Vortrag zum „Umgang mit Heterogenität")
  • 2010: Neuauflage der Qualifizierungsreihe zur Unterrichtsentwicklung („Freiburger Neue Lernkultur"), Neuauflage der Qualifizierungsreihe Schul- und Organisationsentwicklung, Fünftes Praxisforum (u.a. Vorstellung des Schulversuchs, „Erweiterte Kooperation" ERKO an der Geschwister-Scholl-Schule, Tübingen), Erscheinen des 2. Freiburger Bildungsberichts

     

Erfolge

  • Abstimmung von Leitzielen und Jahreszielen zwischen Kommune und Land
  • Entwicklung eines systematischen regionalisierten Schulentwicklungsprozesses mit gemeinsamer Selbstevaluation als Qualitätsstandard
  • Deutliche Erhöhung der Vernetzung der Freiburger Schulen untereinander und mit außerschulischen Partnern (Zufriedenheit der Schulen in diesem Bereich lt. Projektevaluation Ende 2008 bei 98%)
  • Herausgabe des Ersten und Zweiten Freiburger Bildungsberichts als Orientierung aller Akteure im Bildungsbereich für künftige Schwerpunktsetzungen
  • Hohe Zufriedenheitswerte bei Freiburger Eltern mit der Schule ihres Kindes (über 80% der mit dem Instrument SEIS – Selbstevaluation in Schulen befragten Freiburger Eltern würden die Schule, die ihr Kind besucht, weiterempfehlen)
  • Ausweitung des Konzepts Bildungsregion auf das Land Baden Württemberg im Rahmen des „Impulsprogramms Bildungsregionen" auf Basis der Qualitätsoffensive Bildung des Landes
  • Steigerung der Übergangsquote Hauptschule – duale Berufsausbildung von 10% auf 17% innerhalb von 2 Jahren
  • Deutliche Reduzierung der Wiederholerquoten an Schulen; deutliche Reduzierung der Zahl von Schülerinnen und Schülern ohne Schulabschluss; deutliche Erhöhung der Übergänge ausländischer Schülerinnen und Schüler auf das Gymnasium
  • Mitwirkung von über 2500 Menschen – Lehrerinnen und Lehrern, Schulleitungen, Eltern, Ehrenamtlichen, Vertreterinnen und Vertretern von Wirtschaft, Vereinen, Sozialeinrichtungen und Bildungsträgern sowie nicht zuletzt Schülerinnen und Schülern – in 29 kleineren Schulnetzwerken, in denen zwischen 2007 und 2010 Verbundprojekte des Innovationsfonds der Bildungsregion Freiburg realisiert worden sind

Kontakt

Rolf Wiedenbauer

Leitung
Regionales Bildungsbüro Freiburg
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg
Telefon: 0761 - 20 12 372

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Freiburg im Breisgau Baden-Württemberg

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

222.203

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

11,9

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