Heidelberg - Stadtentwicklungsplan für den demographischen Wandel

Gegenläufige demographische Entwicklungen erfordern in Heidelberg einen besonders differenzierten Umgang mit dem demographischen Wandel. Mit dem Stadtentwicklungsplan „Heidelberg 2015, die Chancen des Demographischen Wandels nutzen“ wurde der Plan von 1997 teilfortgeschrieben. Ziele sind u.a.: „Mobilität für alle Altersgruppen“ oder auch "Heidelberg als familienfreundliche Stadt".

Ausgangslage

  • Die Universitätsstadt Heidelberg gehört zu den wenigen Großstädten in der Bundesrepublik, die aufgrund ihrer Standortgunst in den nächsten Jahren deutlich Einwohner hinzugewinnen wird, vorausgesetzt es gelingt, das entsprechende Wohnungsangebot bereit zu stellen.
  • Aus den vorliegenden Prognosen und Umfrageergebnissen lassen sich für Heidelberg folgende Zukunftstrends ableiten: Heidelberg steht als Wissenschaftsstadt im Gegensatz zu vielen anderen Städten bis 2020 vor einer Zunahme der Bevölkerung.
  • Die Bevölkerungsvorausschätzung des Statistischen Landesamtes, die auch für die Universitätsstadt bis 2025 einen Rückgang der Einwohner voraussagt, teilt Heidelberg nicht. Ein Zuwachs wird allerdings nur aufgrund von Wanderungen eintreten.
  • Der Anteil der Kinder und Jugendlichen wird sinken. Die Zahl der Älteren stark zunehmen, darunter vor allem die der über 80-Jährigen.
  • In der Dekade nach 2020 ist von einer Stagnation, ab 2030 von einer erheblichen Einwohnerabnahme auszugehen. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund wird sich auf rund 20 Prozent erhöhen.
  • Die demografische Alterung ist zwar gegenüber der Migrationsproblematik nicht nachrangig, sie hat aber für Heidelberg auch in nächster Zukunft nicht denselben Stellenwert wie in schrumpfenden Städten. Verglichen mit der entsprechenden Landesentwicklung ist sie moderat. Es werden nicht zu viele Alte, sondern zu wenig Junge (Aufwachsende) sein.
  • Es ist auch für Heidelberg zu befürchten, dass die Schere zwischen Arm und Reich, Bildungsgewinnern und -verlierern sich weiter öffnen wird. Vor allem Migranten, Alleinerziehende und ältere „Verlierer" werden davon betroffen sein. Es muss gegengesteuert werden.

Ziele

  • Unter dem Titel „Mit dem Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2015 die Chancen des Demographischen Wandels nutzen" wurde am 2. August 2006 eine Teilfortschreibung des 1997 beschlossenen Stadtentwicklungsplans vom Rat verabschiedet, der folgende Leitlinien und Ziele formuliert und ausführt:
    • Heidelberg als familienfreundliche Stadt
    • Heidelberg als Wohnstandort stärken
    • Lebenslanges Lernen
    • Stadt der Fairness
    • In einer jungen Stadt alt werden - Kultur des Alterns ermöglichen
    • Integration ist die Aufgabe aller
    • Mit Kultur Brücken bauen
    • Neue Partnerschaft zwischen Bürger/innen und Stadt
    • Aktives und solidarisches Stadtteilleben ermöglichen
    • Heidelberg als starker Partner in der Region
    • Stadtverwaltung als vorbildliche Arbeitgeberin und innovative Dienstleisterin
    • Mobilität für alle Altersgruppen
    • Der öffentliche Raum als Ort der Begegnung
    • Flexibel bauen
    • Bahnstadt als Schlüsselprojekt für die Stadtentwicklung

Umsetzung

Bevölkerungsprognose 2003-2020/2009-2030
  • Die Abschätzung der demographischen Entwicklung für Heidelberg und seine Stadtteile wurde durch das Amt für Stadtentwicklung und Statistik mit der Bevölkerungsprognose 2003-2020 vorgelegt.
  • Die Bevölkerungsprognose wurde auf Basis des Jahres 2009 auf einen Horizont bis 2030 aktualisiert.
Bewertung der Ämter
  • 2004 haben die Ämter der Stadtverwaltung ihre Einschätzung hinsichtlich der Konsequenzen und Auswirkungen des Demographischen Wandels für ihren jeweiligen Aufgabenbereich beschrieben.
Erstellung einer Synopse und Bildung von Handlungsfeldern
  • Anfang 2005 wurden die Beiträge der Ämter in einer Synopse zusammengefasst und in fünf Handlungsfelder eingeteilt. Sie lauten:
    • Investitionen in Bildung, Qualifizierung und Arbeitsmarkt
    • Stärkung der Familien mit Kindern, der Humandienstleistungen und Anpassung der Infrastrukturen
    • Wohnungspolitik, Stadtstruktur, Regional- und Flächenentwicklung
    • Neue Weichen in der Integrationspolitik
    • Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der Generationenbeziehungen
Bildung von Arbeitsgruppen
  • Im März 2005 wurde für die verwaltungsinterne Weiterbehandlung für jedes dieser Handlungsfelder eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe eingerichtet. Ziel der Arbeitsgruppen war die Erarbeitung von mittel – bis langfristigen Handlungskonzepten und Maßnahmenprogrammen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Gestaltung des demographischen Wandels in Heidelberg.
Verwaltungsinterne Abstimmung
  • Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen umfassten 250 Maßnahmen. In einer verwaltungsinternen Abstimmung wurde daraus der Entwurf des Handlungskonzepts entwickelt, der im April 2006 in die gemeinderätlichen Gremien einschließlich des Jugendgemeinderates eingebracht wurde. Dabei wurden die Ergebnisse in 50 Vorschlägen thematisch zusammengefasst und die Handlungsfelder in folgende Themenbereiche aufgelöst:
    • Familie, Kinderbetreuung, Bildung
    • Arbeit und Wirtschaft
    • Altersgerechtigkeit und Generationsbeziehungen
    • Kooperative Planung und Bürgerbeteiligung
    • Wohnen
    • Integration
    • Bürgerschaftliches Engagement
    • Soziale Lage
  • Die Themen Geschlechtergerechtigkeit, Integration und Bürgerschaftliches Engagement tauchen als Querschnittsaufgabe in allen Themenbereichen auf.
Handlungskonzept
  • Am 2. August 2006 hat der Gemeinderat das Handlungskonzept zum demographischen Wandel ohne Gegenstimme beschlossen.
Teilfortschreibung des Stadtentwicklungsplans
  • Mit dem "Stadtentwicklungsplan Heidelberg 2010" aus 1997 hat die Stadt Heidelberg ihre kommunalpolitischen Leitlinien und Ziele definiert. Er ist damit zugleich Heidelbergs Lokale Agenda, die zum Ziel hat, eine nachhaltige Entwicklung vor Ort zu fördern. Die Stadt Heidelberg hat durch einen einstimmigen Gemeinderatsbeschluss ebenfalls vom 2. August 2006 diesen Stadtentwicklungsplan unter dem Aspekt des demographischen Wandels fortgeschrieben. Die Leitlinien und Ziele des fortgeschriebenen Stadtentwicklungsplans werden durch das beschriebene Handlungskonzept konkretisiert. Bei der Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans ging es nicht um eine grundlegende Revision aller Ziele, sondern um eine Ergänzung, die auf Grundlage der zu erwartenden demographischen Veränderungen die entsprechenden Gewichtungen bei seiner künftigen Umsetzung erlaubt. Die Teilfortschreibung stellt für den gesonderten Zielbereich „Demographischer Wandel" die Punkte zusammen, auf die es in Zukunft ganz besonders ankommt, ergänzt die Präambel entsprechend und verlängert die Laufzeit um fünf Jahre.
  • Die Maßnahmen des Handlungskonzepts wurden seit 2007 in den Haushalten berücksichtigt. Die Fachämter sind beauftragt, die in ihren Aufgabenbereich fallenden Maßnahmen vorzubereiten und umzusetzen.

Erfolge

Bahnstadt
  • Die erwartete Bevölkerungszunahme wird ohne forcierten Wohnungsbau nicht erreicht werden können. Deshalb hat der Gemeinderat als eine der wichtigsten stadtentwicklungspolitischen Maßnahmen beschlossen, auf einem ehemaligen citynahen Bahnareal mit rund 116 ha einen neuen urbanen, ökologischen und familienfreundlichen Stadtteil (Bahnstadt) mit rund 2.500 Wohnungen für rund 5.500 Menschen zu bauen. Durch ein preislich differenziertes Wohnungsangebot sollen vor allem junge Familien in der Stadt gehalten werden.
Weitere eingeleitete und umgesetzte Maßnahmen:
  • Bildung eines Dezernats (Neuer Dezernatszuschnitt) für „Integration, Chancengleichheit und Bürgerdienste"
  • Einrichten einer Stabsstelle für Migration beim Bürgeramt
  • Einrichtung einer Fachstelle für barrierefreies Bauen und Wohnen unter der Bezeichnung „Wohnberatung" beim Technischen Bürgeramt,
  • Förderung von barrierefreiem Wohneigentum und Wohneigentumsförderung für junge Familien (Schwellenhaushalte) durch Zinszuschuss oder Eigenkapitalzuschuss
  • Förderung barrierefreier Mietwohnungen im Rahmen des Wohnungsentwicklungsprogramms
  • Förderung von Neubaumietwohnungen ab 4 Zimmer für kinderreiche Familien
  • Förderung gemeinschaftlicher (Mehrgenerationen-) Wohnprojekte.
  • Verbesserung des Betreuungsangebotes für Kinder unter 3 Jahren. Schaffung von zusätzlich 600 neuen Krippenplätzen in den Jahren 2007 und 2008; Beitritt zur bundesweiten Initiative „Bündnis für Familien"; Ein Fortbildungsangebot, das sich direkt an die über fünfzigjährigen Mitarbeiter/innen in der Stadtverwaltung wendet.
  • Verbesserung der Nahversorgung im Stadtteil Emmertsgrund im Hinblick auf den erwarteten demographischen Wandel durch Ankauf einer Immobilie zur Vermietung als Ladengeschäft.
  • Erarbeitung eines Berichtes zur „Sozialen Lage in Heidelberg".
  • Heidelberger Migrantenstudie 2008, Ergebnisse einer Umfrage zur Lebenssituation von Menschen mit Migrationshintergrund in Heidelberg, März 2009.
  • Statistische Kurzmitteilung Nr. 44, Roland Berger Kreativitätsindex 2008 - Deutschlands lebendigste Städte, Mai 2009.
  • Statistische Kurzmitteilung Nr. 45, Deutschlands coolste Städte und wie Heidelberg dazu gehören kann - Studie durchgeführt von Roland Berger Strategy Consultans im Auftrag der Stadt Heidelberg, August 2009.
  • Familienoffensive Heidelberg. Vielfältige Aktivitäten einschließlich einer Open Space Veranstaltung für alle städtischen Mitarbeiter/-innen.
  • Stadtteilmanagement Emmertsgrund.

Kontakt

Stadt Heidelberg

Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Kornmarkt 1
69117 Heidelberg

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Heidelberg Baden-Württemberg

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

154.715

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

5,2

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!