Stuttgart - Familienförderung sichert Einwohner

Den fortschreitenden Suburbanisierungsprozessen entgegen zu wirken, ist eine der zentralen Herausforderungen der Stadtentwicklung in Zeiten des demographischen Wandels. Damit städtisches Wohnen für Familien wieder attraktiver wird, bietet Stuttgart eine besonders breite Palette von Serviceleistungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Beschäftigte der Stadtverwaltung testeten die Angebote, bevor sie in den Leistungskatalog der Stadt aufgenommen wurden.

Ausgangslage

  • In der baden-württembergischen Landeshauptstadt vollziehen sich die für Kernstädte typischen Umschichtungen in der Bevölkerungsstruktur: Bedingt durch die Abwanderung von deutschen Familien ins Umland wächst der Anteil an alten Menschen, Auszubildenden, Studenten, Alleinerziehenden, Ausländern und sozial schwachen Menschen in der Stadt.
  • Auch ein großes Engagement im Wohnungsbau hat nicht zur Abnahme der Suburbanisierungstendenzen geführt.
  • Darum muss die Stadt andere Anreize schaffen, um die Familien in der Stadt zu halten bzw. Familien zum Zuzug nach Stuttgart zu bewegen.

Ziele

  • Stuttgart will junge Familien in der Stadt halten bzw. neue Familien hinzugewinnen.

Umsetzung

  • Eine systematische Erhebung und Auswertung von personalwirtschaftlichen Daten in der Stadtverwaltung zeigte, dass Mitarbeiterinnen häufiger höhere Fehlzeiten sowie höhere Fluktuationen aufweisen als ihre männlichen Kollegen. Eine Mitarbeiterbefragung bestätigt den Befund der erschwerten Vereinbarkeit von Familie und Beruf und formuliert den Wunsch nach flankierenden Serviceleistungen.
  • Nachdem die Stadt als Arbeitgeber familienpolitische Maßnahmen entwickelt hat, sind auch die kommunalen Dienstleistungen für Familien in Stuttgart überprüft worden (Fragebogenaktion). Dabei wurde deutlich, dass die bestehenden Betreuungsangebote der Stadt Stuttgart kaum auf den gestiegenen Bedarf nach flexibleren Betreuungszeiten eingehen.
  • Der Arbeitgeber Landeshauptstadt Stuttgart hat eine Vielzahl flankierender Serviceleistungen eingeführt, z. B. Notfallplätze im Betriebskindergarten, die Möglichkeit, Kantinenessen mit nach Hause zu nehmen, eine niederschwellige Anlaufstelle für alle Probleme beim familienbedingten Aus- und Wiedereinstieg, Internetauftritt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Elternzeit, Einrichtung eines Stellenpools, d. h. zusätzlicher Personalstellen, deren Anteile flexibel für den raschen Wiedereinstieg genutzt werden können, Gesundheitsvorsorgemaßnahmen bei Doppelbelastung durch angebotene Weiterbildungsmaßnahmen, die insbesondere für Frauen mit Doppelbelastung geeignet sind.
  • Flexiblere Betreuungsangebote sind in Kooperation mit der Musikschule und den Kindertagesstätten geschaffen worden. Ein Förderverein ermöglicht Erzieherinnen, durch einen Minijob im Bedarfsfall abends eine Betreuung im eigenen Kindergarten oder im Krankheitsfall bei dem Kind zu Hause anzubieten. Dieses Angebot entstand aus der Erfahrung, dass Eltern ihre Kinder ungern in Einrichtungen unterbringen, die sie nicht kennen. In konkreter Planung sind ein Kinderhotel und ein „Kinder-statt Damenprogramm" für Managerinnen. Durch die Auspreisung „Innovativer Kitas" werden stadtteilorientierte Konzepte öffentlich gemacht und den Trägern Änderungsbedarfe vermittelt.
  • Mit dem Portal KiTS ist eine gezielte Suche nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten und freien Plätzen eingerichtet worden.
  • Das Kuratorium „Familienfreundliches Stuttgart" arbeitet in 15 interdisziplinären Arbeitsgruppen an konkreten Umsetzungsprojekten. Dazu sind bereits Erfolgs- und Messkriterien entwickelt und verbindlich verabschiedet worden. Ein erstes Ergebnis ist ein Netzwerk von Unternehmen, das anhand einer Checkliste zur familienfreundlichen Personalpolitik konkrete Best-Practice.Module darstellt und Ansprechpartner vermittelt.
  • Die Internetseite Familienfreundlicher Wirtschaftsstandort  ist das Ergebnis der Zusammenarbeit verschiedener überregionaler Netzwerke zum Thema Familienfreundlichkeit unter der Leitung der Stabsstelle für individuelle Chancengleichheit der Landeshauptstadt Stuttgart. Die Seite bietet ein geschlossenes Webforum sowie öffentliche Informationen zu unterschiedlichen familienfreundlichen Handlungsfeldern. Dabei wird auch die Schnittstellenproblematik zwischen den Unternehmen, Kommunen und Verbänden etc. beachtet. Es ist möglich, in einer Datenbank nach verschiedenen Maßnahmen familienfreundlicher Unternehmens- und Kommunalpolitik zu suchen. Als Suchergebnisse tauchen die Kontaktdaten von Expertinnen und Experten zu den Themen auf sowie aufbereitete Inhalte (Präsentationen, Protokolle, Veranstaltungs- und Literaturhinweise etc.) der Netzwerkarbeit. Zielgruppen sind Kommunen, Unternehmen, Verbände, Organisationen und Familien, für die das Thema Familienfreundlichkeit zukunftsweisend ist.

Erfolge

  • Verbesserung des raschen Wiedereinstiegs von Beschäftigten nach Elternzeit unter einem Jahr
  • Jobsharing von Führungskräften in Elternzeit, Führung in Teilzeit
  • Durch die Gründung des Kuratoriums ist Familienfreundlichkeit nicht nur die Aufgabe der Stadtverwaltung geblieben, sondern eine gemeinsame Aufgabe der Stadtgesellschaft.
  • Sensibilisierung und Kooperation zwischen Kommunalpolitik und Wirtschaft: Familienfreundlichkeit als Wirtschafts- und Standortfaktor.
  • Abstimmung von realem Bedarf, kommunaler Bedarfsplanung, und Angeboten an Betreuungsdienstleistungen.
  • Pilotmodelle (flexible Öffnungszeiten, Trägerkooperationen etc.) werden in den Regelbetrieb der Träger übernommen.
  • Einrichtung einer Internetseite für städtische Beschäftigte in Elternzeit mit Informationen zum Wiedereinstieg, zur Kinderbetreuung, zu gesetzlichen Regelungen etc.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Stuttgart Baden-Württemberg

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

612.441

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

7,0

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