Bayreuth - Konzept der Vorschulischen Förderung – die „Schulhüpfer“

Vorschulkinder mit Migrationshintergrund zeigen neben Sprachdefiziten oftmals weitere Defizite, z. B. in den Bereichen Wahrnehmung, Konzentration und soziale Entwicklung. Um diese Kinder besser zu unterstützen, wird eine neue angepasste Förderung durchgeführt und damit eine Lücke in den bisherigen Angeboten der vorschulischen Bildung geschlossen.

Ausgangslage

  • Die bisher durchgeführten ganzjährigen Vorkurse durch die Kindergärten reichen zur vorschulischen Förderung nicht mehr aus.
  • Bei der Schuluntersuchung durch das Gesundheitsamt werden zahlreiche Defizite bei den Kindern diagnostiziert.
  • Außer der sprachlichen Problematik zeichnen sich große Defizite in den Bereichen Wahrnehmung, Motorik, Konzentration, Zahl- und Mengenerfassung, räumliches Denken und soziale Entwicklung ab.
  • Nicht alle Kinder mit Defiziten weisen jedoch gleichzeitig sonderpädagogischen Förderbedarf auf, was durch den K-ABC-Test (Test zur differenzierten Intelligenz- und Fähigkeitsdiagnostik) eindeutig nachgewiesen wurde.
  • Viele der vorgestellten schulpflichtigen Kinder sind nur eingeschränkt schulfähig.
  • Rückstellungen mit anschließendem Besuch eines normalen Kindergartens gewährleisten keine ausreichende Förderung.

Die Jean-Paul-Schule Bayreuth und der beteiligte Kindergarten „Grashüpfer"

  • Im Einzugsgebiet der Grundschule leben zahlreiche Familien mit Migrationshintergrund. Die Kinder bringen ihre Muttersprache als Ressource mit, verfügen darin aber häufig nur über einen sehr beschränkten Wortschatz.
  • In der Zweitsprache Deutsch sind individuell unterschiedliche Kompetenzen vorhanden. In den Elternhäusern wird in aller Regel die Muttersprache gesprochen, der Erwerb der Zweitsprache geschieht lediglich im Kindergarten.

Ziele

  • Gezielte individuelle Förderung in den Bereichen Sprache, Muttersprache, Zahlen, basale Fähigkeiten und soziales Lernen unter Einbeziehung aller Sinne und kontinuierliche Elternarbeit sollen helfen,
    • frühzeitige Stigmatisierung zu vermeiden
    • den Übergang vom Kindergarten in die Schule fließend zu gestalten
    • Zugänge zur Bildung zu erleichtern
    • präventive Maßnahmen gegen Gewalt, Ausgrenzung, psychische Gefährdung, Schulversagen, Schulverweigerung durchzuführen
    • personale Kompetenzen der zukünftigen Schüler zu stärken
    • Erziehungs- und Förderkompetenzen der Eltern auszubauen
    • Integration zu fördern

Umsetzung

  • Das Projekt „Vorschulische Förderung" läuft seit September 2008.

Rahmenbedingungen

  • An der Schule gibt es Elterngespräche in verschiedenen Sprachen
  • Sowohl Erzieher als auch Lehrkräfte für muttersprachlichen Unterricht in Russisch und Türkisch stehen zur Verfügung.
  • Das Kitapersonal nimmt seit Jahren regelmäßig an den in der Schule stattfindenden Vorkursen teil und gestaltet diese auch aktiv mit. So ist eine Vertiefung der Arbeit im Kindergarten sehr effizient gewährleistet.
  • Alle Eltern stimmten nachweislich zu, dass Schule und Kindergarten über ihre Kinder Gespräche führen dürfen. Somit kann von einer äußerst engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit ausgegangen werden. Gemeinsame Veranstaltungen unterstützen die gegenseitige Offenheit.

Zielgruppen

  • Kinder, die vom Schulbesuch wegen Entwicklungsverzögerungen zurückgestellt werden müssen
  • Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, aber ohne sonderpädagogischen Förderbedarf
  • Eltern der betroffenen Kinder die im Folgejahr schulpflichtig werden,

Arbeitsinhalte

  • Durch vorschulische Förderung sollen die Kinder Entwicklungsrückstände gezielt aufholen. Für jedes Kind werden individuelle Förderpläne entwickelt.

Aufnahmebedingungen

  • Der Aufnahme geht in jedem Fall ein Beratungsgespräch voraus. Evtl. werden von den Eltern Schweigepflichtsentbindungen zwischen Schule und Ärzten oder Fördereinrichtungen erbeten.
  • Die Aufnahme erfolgt mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten mit gleichzeitiger Verpflichtung zur regelmäßigen Teilnahme und Mitarbeit der Eltern an den stattfindenden Elternstunden.
  • Es gelten für die Kinder die Fehlzeitenregelungen der Bayrischen Schulordnung.
  • Der Nachweis der Defizite und Förderbedürftigkeit erfolgt durch Testverfahren (Beratungslehrer, MSH) und Empfehlung des Kindergartens.
  • Alle Eltern erklären sich mit dem Konzept in einer Vereinbarung einverstanden.

Erfolge

  • Die Eltern erweisen sich als ausgesprochen kooperativ, besuchen die Elternstunden und versuchen aktiv mitzuwirken, soweit ihre Möglichkeiten dies erlauben.
  • Bei etwa zwei Dritteln der betreuten Kinder sind deutliche Lern- und Verhaltensfortschritte auszumachen, die eine problemlose Einschulung im kommenden Schuljahr erwarten lassen.
  • Der Rest der Kinder zeigt bereits gute Teamfähigkeit, sprachliche Defizite konnten noch nicht ausreichend behoben werden. In diesen Fällen wird gemeinsam mit den Eltern eine weitere Fördermöglichkeit gesucht (z. B. durch das Projekt „KÜKI – Kümmerer für Kinder").
  • Andere Schulen zeigen Interesse am Konzept. Für Interessierte werden Fortbildungen angeboten.

Kontakt

Ursula Merkel / Heidrun Weber

Jean-Paul-Grundschule
Königsallee 19
95448 Bayreuth
Telefon: 0921 - 79 98 911

Bedia Yusu

Kindertagesstätte Grashüpfer
Graserstraße 7
95448 Bayreuth
Telefon: 0921 - 92 238

Weitere Informationen

Unter den angegebenen Kontakten können das Curriculum sowie Beobachtungsbogen und Förderpläne angefordert werden. „Projekt Schulhüpfer"

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Bayreuth Bayern

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

71.601

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-4,2

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