Landkreis Haßberge - Seniorenpolitisches Gesamkonzept

Im Landkreis Haßberge wurde ein Seniorenpolitisches Gesamtkonzept erarbeitet, um besser und differenzierter auf die Lebenslagen der älteren Menschen im Landkreis eingehen zu können.

Ausgangslage

  • Haßberge zählt bezogen auf die Einwohner zu den 30 kleinsten Landkreisen in Deutschland (rund 84.000), nur eine der 26 kreisangehörigen Städte und Gemeinden hat mehr als 10.000 Einwohner.
  • Bis 2008 wurde auf Kreisebene vorwiegend die ARGE für öffentliche und freie Wohlfahrtspflege für die Diskussion senioren- und pflegepolitischer Fragestellungen genutzt. Es erfolgte eine rein quantitative Pflegebedarfsplanung durch die Kreisverwaltung ohne explizite Einbindung sonstiger Akteure.
  • In Bayern sind die Landkreise und kreisfreien Städte gemäß Art. 69 des Ende 2006 verabschiedeten Gesetzes zur Ausführung der Sozialgesetze dazu angehalten, integrative regionale senioren-politische Gesamtkonzepte zu entwickeln.

Ziele

  • 2008 beschloss der Kreis auf dieser Basis die Erarbeitung eines partizipativen Seniorenpolitischen Gesamtkonzepts (SPGK). Ziel war es, nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär" noch besser und differenzierter auf die Lebenslagen der älteren Menschen im Landkreis eingehen zu können.

Umsetzung

  • Als Lenkungsgruppe wurde ein AK Senioren gegründet, dem Pflegeanbieter, Vertreter aus Kirche, Kreistag und Kreisverwaltung, Ärzte sowie Seniorenbeauftragte der Gemeinden angehörten.
  • Mit externer Unterstützung eines sozialwissenschaftlichen Instituts wurde von 2010 bis 2011 ein umfassendes und partizipatives Planungskonzept mit folgenden Bestandteilen umgesetzt:
    • Gemeindespezifische Datenanalyse inkl. Bevölkerungsprognose auf der Basis von Fragebogen-erhebungen sowie Aufbereitung vorhandener soziodemografischer Daten
    • Befragungen zur Erhebung von Bedarfen und Angeboten: schriftliche Befragung aller Pflege-anbieter und von 9.000 Senioren, Experteninterviews und Bürgergespräche in 17 Gemeinden
    • Zahlreiche vernetzende Veranstaltungen wie ein Fachtag und ein Zukunftsforum mit offenem Adressatenkreis, aus denen drei Arbeitsgruppen hervorgingen, in denen die Thematiken Wohnen im Alter, Hospiz und Pflege sowie Bürgerschaftliches Engagement vertieft diskutiert wurden.
    • Exkursionen zu guten Beispielen in anderen Kommunen
    • Fortlaufend begleitende Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit in Regionalpresse und mittels eigener umfassender Projekt-Homepage
  • Im Februar 2012 wurde das gemeinsam erarbeitete Abschlusspapier mit Situationsbeschreibung, Zielformulierungen und Maßnahmenvorschlägen für die Themenbereiche "Infrastruktur", "Gesellschaftliche Teilhabe", "Selbstbestimmtes Wohnen", "Pflege und Betreuung", "Palliativ- und Hospizversorgung" sowie "Information, Beratung und Netzwerkarbeit" verabschiedet.

Erfolge

  • Gemeinsame Entwicklung von Leitlinien für die Städte und Gemeinden zur Sicherstellung der örtlichen Pflege- und Betreuungsbedarfe im Alter
  • Aktivierung vieler kreisangehöriger Gemeinden zur Mitarbeit im SPGK; in einigen Gemeinden wurde hierdurch der Auf- und Ausbau von lokalen Besuchs- u. Fahrdiensten gefördert.
  • Aufbau eines kreisweiten ehrenamtlichen Helferkreises für Menschen mit Demenz
  • Initiierung einer ehrenamtlichen Wohnberatung unter Koordination des Pflegestützpunkts (PSP) und Umsetzung des Modellprojektes "Betreutes Wohnen zu Hause"
  • Die Koordination und weitere Umsetzungsbegleitung der im SPGK verankerten Maßnahmen ist dauerhaft beim PSP im Sinne eines Care Management institutionalisiert. Die zentralen Kennzahlen des SPGK zur pflegerischen Versorgung werden durch Anbieterabfragen jährlich aktualisiert.
  • Das Koordinationszentrum Bürgerschaftliches Engagement des Landkreises unterstützt den Aufbau von weiteren ortsnahen Bürgerdiensten.

Kontakt

Tina Lenhart

Pflegestützpunkt
Landratsamt Haßberge
Am Herrenhof 1
97437 Haßfurt
Telefon: 09521 - 27 395

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Haßberge, LK Bayern

Bevölkerung 2014

84.152

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-4,9

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