München – Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge

In München bekommen junge Flüchtlinge in der SchlaU-Schule (SchlaU = schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge) durch schulanalogen Unterricht und individuelle Betreuung die Möglichkeit, ihr Recht auf Bildung wahrzunehmen und bald ins reguläre Schul- und Ausbildungssystem zu wechseln.

Ausgangslage

  • In München leben derzeit ca. 2.000 jugendliche Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren. Seit 2011 unterliegen auch Flüchtlinge der Berufsschulpflicht.  
  • Viele davon sind traumatisiert und leiden unter Zukunftsängsten.
  • Sie befinden sich in einem Alter, in dem wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Ziele

  • Der Besuch der SchlaU-Schule soll jungen Flüchtlingen im Alter von 16 bis 21 Jahren (in Ausnahmefällen bis 25 Jahren) ermöglichen, den Einstieg ins deutsche Regelschul- oder Ausbildungssystem zu schaffen.
  • Sie sollen ihr Menschenrecht auf Bildung wahrnehmen und an der Gesellschaft teilhaben können.

Umsetzung

  • Bei der SchlaU-Schule handelt es sich um eine staatlich anerkannte Schule, die vom Trägerkreis Junge Flüchtlinge e. V. getragen wird.
  • Sie richtet sich an junge Menschen, die sich gerade im Asylverfahren befinden oder bereits als Flüchtling anerkannt oder ohne Aufenthaltsstatus geduldet sind.
  • Finanziert wird die Schule aus öffentlichen Mitteln, Stiftungsmitteln und Spenden.
  • Im Februar 2000 fanden die ersten Kurse statt, seit 2001 erfolgt eine Förderung durch die Stadt München. 2004 wurde die Schule vom Bayrischen Kultusministerium anerkannt. Im Jahr 2005 konnten die ersten Flüchtlinge einen Schulabschluss erwerben.
  • Die Schule ist im Laufe der Jahre deutlich gewachsen und mehrfach umgezogen.
  • Inzwischen werden ca. 220 junge Flüchtlinge in bis zu 15 Klassen unterrichtet.
  • Der Unterricht erfolgt gemäß dem Kernfächerkanon der bayrischen Haupt- und Mittelschulen und orientiert sich an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler. Außerdem wird Wissen über die deutsche Gesellschaft vermittelt.
  • Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen der deutschen Sprache. Alphabetisierungskurse, die sich an Flüchtlinge richten, die auch in ihrer Muttersprache noch nicht alphabetisiert sind, werden inzwischen vor allem von der Tochterschule ISUS angeboten (siehe unten).
  • Zusätzlich zum Schulunterricht bekommen die jungen Menschen eine intensive individuelle Förderung in einem geschützten Rahmen.
  • Im Gegensatz zur Regelschule gibt es in der SchlaU-Schule ein durchlässiges Klassenstufensystem und kleine Klassen mit durchschnittlich 16 Schülern und Schülerinnen pro Klasse, da die Flüchtlinge über sehr unterschiedliche Lernbiografien verfügen.
  • Die Klasseneinteilung erfolgt aufgrund eines Einstufungstests.
  • Der Mathematikunterricht wurde inzwischen aus dem Klassenverband ausgegliedert, da sich die Kenntnisse hier oft stark von den sprachlichen Fähigkeiten unterscheiden.
  • Durch den flexiblen Wechsel in andere Klassenstufen werden Unter- und Überforderung vermieden und die Motivation erhöht.
  • Wie in einer Regelschule gibt es zweimal im Jahr Zeugnisse. Ein Sitzenbleiben ist jedoch nicht möglich, da es individuelle Schuljahreslernziele gibt.
  • Die Schulabschlüsse werden an einer Kooperationsschule abgelegt.
  • Durchschnittlich bleiben die Schüler und Schülerinnen zwei bis drei Jahre an der SchlaU-Schule.
  • Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die den Übergang ins Berufsleben erleichtern sollen, wie z. B. Bewerbungstraining, Betriebsbesichtigungen und Praktika.   
  • Seit 2011 gibt es das berufsbegleitende Programm „SchlaUzubi". Es umfasst zwei halbe Stellen aus dem Lehrendenteam und eine halbe Stelle aus dem Team der Sozialpädagogik sowie Ehrenamtliche. In den Räumen der SchlaU-Schule wird Nachbetreuung in den einzelnen Berufssparten angeboten. Außerdem steht weiterhin sozialpädagogische Betreuung zur Verfügung, z. B. bei Mobbing oder rassistischen Übergriffen. Auch bei ausländerrechtlichen Fragen, familiären Belastungssituationen und anderen Problemen bekommen die jungen Flüchtlinge weiterhin Unterstützung.
  • Die Abteilung „Schulentwicklung und Qualitätsmanagement" sorgt für eine stetige Verbesserung der Schule.
  • Seit 2012 wurde die Tochterschule ISuS (Integration durch Sofortbeschulung und Stabilisierung) gegründet. Dort erhalten junge Flüchtlinge direkt nach ihrer Ankunft in München Beschulung und sozialpädagogische Betreuung. Im Schuljahr 2014/2015 stehen dort 74 Schulplätze zur Verfügung.

Erfolge

  • Jedes Jahr erwerben ca. 60 Schüler und Schülerinnen einen Schulabschluss.
  • Fast alle Schülerinnen und Schüler können an weiterführende Schulen oder in eine Ausbildung vermittelt werden.
  • Insgesamt wurden bereits über 1.500 Flüchtlinge betreut.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

München Bayern

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

1.429.584

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

14,1

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