Neustadt bei Coburg - Seniorenpolitisches Gesamtkonzept

Die Kreisstadt Neustadt bei Coburg hat ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept entwickelt. Aufbauend auf das Konzept wurde bereits eine Vielzahl an erfolgreichen Projekten umgesetzt.

Ausgangslage

  • Um die Lebensqualität der verschiedenen Generationen zu erhalten und das Zusammenleben zukunftsfähig zu gestalten, sind gemeinsame Anstrengungen der verschiedenen Akteure in der Kommune gefordert.
  • In Art. 69 des AGSG (Gesetz zur Ausführung der Sozialgesetze) hat die bayerische Staatsregierung die Verpflichtung zur Erstellung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes der Kommunen festgelegt.
  • Mit Unterstützung eines von der Bertelsmann Stiftung konzipierten Workshops zur Gestaltung einer zukunftsorientierten Seniorenpolitik wurden Grundzüge des Konzeptes für Neustadt bei Coburg erarbeitet. Finanziert wurde der Workshop anteilig vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

Ziele

  • Die fünf übergeordneten Leitziele des seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes sind:
    • Stärkung der Generationenverbindung
    • Förderung der Kultur der Anerkennung und Achtung für das Alter
    • Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe der älteren Menschen
    • Unterstützung von Selbsthilfepotenzialen und Prävention
    • Schaffung von Versorgungssicherheit
  • Das seniorenpolitische Gesamtkonzept, das im Juni 2010 fertig gestellt wurde, beinhaltet folgende konkrete Ziele:
    • Schaffung einer seniorengerechten Infrastruktur und bedarfsgerechten Mobilität
    • Erhaltung des selbstständigen Wohnens so lange wie möglich
    • Informationsverbesserung über und Schaffung alternativer Wohnformen
    • Bedarfsgerechte Information und Beratung für verschiedene Lebens- und Bedarfslagen
    • Stärkung des ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagements mit und für ältere Menschen (Idee vom Aufbau einer Seniorengenossenschaft)
    • Gestaltung eines bedarfsgerechten Bildungs- und Kulturangebotes
    • Anregung geben zum Mitmachen
    • Verstärkung der Kultursensibilität
    • Förderung der Prävention
    • Bestehende Planungen und Konzepte im Hospiz- und Palliativbereich umsetzen und qualifizieren
    • Versorgungssicherheit schaffen und Übergänge gestalten in der pflegerischen Versorgung

Umsetzung

  • Bereits im Jahr 2009 wurden eine Bürgerbefragung und eine erste Bestandserhebung der vorhandenen Angebote der Seniorenarbeit in Neustadt b. Coburg durchgeführt.
  • Nach einem Vorgespräch wurden in einem dreitägigen Workshop Ziele und Handlungsschritte für eine zukunftsorientierte Seniorenpolitik - unter der Beteiligung von einer Vielzahl an Akteuren aus Politik, Kommunalverwaltung etc. - erarbeitet.
  • Die Beteiligung der Planungsbeauftragten des Kreises Coburg ermöglichte eine Abstimmung des Planungsprozesses zwischen dem Gesamtkonzept des Kreises und dem der Stadt Neustadt.
  • Im Rahmen des Workshops wurde das Familienzentrum als "Drehscheibe" entwickelt, das in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Netzwerkpartnern für die Umsetzung der geplanten Schritte verantwortlich ist.
  • Mit der Federführung wurden der Seniorenbeauftragte und die Leiterin des Familienzentrums in Kooperation mit dem Seniorenbeirat beauftragt.
  • Es wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der einzelne Maßnahmen priorisiert wurden, insbesondere im Bereich Informationsverbesserung, Bürgerschaftliches Engagement, Vernetzung und Wohnen.
  • Außerdem hat die Stadt in der Verwaltung auch eine Stabsstelle Demographie geschaffen, die einen weiteren Schub für die Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen erbringen soll.
  • Weiterhin wurde eine Umfrage bei Veranstaltungen für Senioren durchgeführt. Es ist geplant, diese Informationen gezielt für Senioren im Internet zu veröffentlichen. Derzeit wird durch das Familienzentrum die Seniorenbroschüre überarbeitet.
  • Außerdem sind weitere Projekte seitens des Seniorenbeauftragten in Kooperation mit dem Seniorenbeirat in Planung:
    • Eine Erneuerung der Zertifizierung "Seniorenfreundliches Einkaufen". Hierdurch wurde bereits 2009 der Einzelhandel angeregt, die Bedürfnisse der Senioren in Sachen Sicherheit, Sitzmöglichkeiten, Warensortiment, etc. zu berücksichtigen.
    • Neue Befragung der Senioren, um deren Bedürfnisse und Meinungen abzufragen.
    • Besuch und persönliche Befragung speziell von Hochbetagten, um hier mehr Informationen zu erhalten, um darauf aufbauend eine bessere Versorgung zu erreichen.

Erfolge

  • Zur Stärkung des Austausches zwischen den unterschiedlichen Generationen wurden zwei schulische Projekte durchgeführt:
    • Das Arnold-Gymnasium hat im Rahmen einer Projektarbeit Jugendstile von heute mit früheren Generationen verglichen. Hierzu wurden Zeitzeugen befragt und eine Ausstellung erarbeitet.
    • Das Familienzentrum führt bereits im zweiten Jahr in Kooperation mit der Staatlichen Realschule ein Zeitzeugenprojekt durch. Hierbei finden monatliche Treffen mit Schülern der 9. und 10. Klasse mit Zeitzeugen statt. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts werden insbesondere die Nachkriegszeit und die Zeit der Wende im örtlichen Kontext diskutiert. Hierzu ist eine Ausstellung in Planung.
  • Zur Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Teilhabe der älteren Menschen ist die gute Zusammenarbeit des Seniorenbeirats mit dem Seniorenbeauftragten sowie dem Familienzentrum zu nennen. Das Gremium begleitet die Kommune in wichtigen Entscheidungen wie bspw. zur Nahversorgung von Senioren oder dem öffentlichen Nahverkehr.
  • Über die Ehrenamtsbörse konnte das Familienzentrum im Rahmen von "Alt hilft Jung" Senioren an das Projekt "Lesementoren" vermitteln. Zudem bieten Senioren in der Bücherei Lesenachmittage für Vorschulkinder an.
  • Es wurden Themenwochen (z.B. Demenz; Sterben) sowie Seniorenmessen mit anderen Kooperationspartnern durchgeführt. Ziel hierbei war durch eine bessere Vernetzung die Informationen sowohl auf Trägerebene als auch für die Bürger zu verbessern.
  • Sehr gut hat sich die Vortragsreihe etabliert, die in Kooperation von Seniorenbeauftragten Dr. Beyer und dem Familienzentrum durchgeführt wird.
  • Ebenso wird das Plaudercafé als Plattform genutzt, um in geselliger Runde mit dem Seniorenbeauftragten Belange der Senioren zu diskutieren.
  • Eine Reihe von Gesundheitskursen hat sich fest vor Ort etabliert. Als Seniorenbeauftragter begleitet bzw. führt Herr Dr. Beyer mit verschiedenen Kooperationspartnern verschiedene Kurse durch - wie der Kurs Fit fürs Alter, Kurse zum Gedächtnistraining sowie Kurse zur Sturzprävention. Bei letzt genanntem handelt es sich um eine Kooperation von Kommune, Krankenkasse, AWO sowie BRK. Hier kann ein kostenloser Fahrdienst angeboten werden. Damit wird es den Senioren erleichtert, an den Kursen teilzunehmen. Neben der Gesundheitsprävention sind diese Kurse somit auch Orte der Geselligkeit und des sozialen Kontaktes.
  • Das Projekt einer Seniorengenossenschaft nimmt konkrete Form an. Unter Federführung des ASB und in Zusammenarbeit mit dem Quartiersbüro Soziale Stadt Haarbrücken wird derzeit zunächst für den Ortsteil Haarbrücken eine Seniorengemeinschaft gegründet. Hier haben sich bereits etwa 25 Personen zur Gemeinschaftsgründung gefunden.
  • Das Pilotprojekt "Garten der Erinnerung " nimmt Gestalt an. In beispielhafter Weise konnte durch die Zusammenarbeit vieler Partner der Grundstein für den Garten gelegt werden. Vorrangig dient dieser Garten den an Demenz Erkrankten. Ziel ist hierbei jedoch nach wie vor, die Bevölkerung im Umgang mit Demenz zu sensibilisieren.
  • In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt ist es der Stadt Neustadt b. Coburg gelungen, eine Außensprechstunde des Pflegestützpunktes im Familienzentrum zu gewährleisten. Dies ist ein wichtiger Bestandteil zur besseren Versorgungssicherheit der Senioren.

Kontakt

Dr. Gerhard Beyer

Seniorenbeauftragter
Stadt Neustadt bei Coburg
Georg-Langbein-Straße 1
96465 Neustadt bei Coburg

Ines Förster

Stadt Neustadt bei Coburg
Georg-Langbein-Straße 1
96465 Neustadt bei Coburg

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Neustadt bei Coburg Bayern

Demographietyp

Stark alternde Kommunen

Bevölkerung 2014

15.258

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-13,5

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