Nürnberg - „Chefsache Integration": Einsatz des Oberbürgermeisters für die interkulturelle Öffnung der Stadtgesellschaft

Die „Leitlinien zur Integrationspolitik" der Stadt Nürnberg definieren das Thema Integration und interkulturelle Öffnung als Querschnittsthema. Der Oberbürgermeister sieht darin eine Chefsache. Die Strukturen bilden eine gemeinsame Zuständigkeit aller Verwaltungsbereiche und eine intensive Kommunikation zwischen Politik, Verwaltung, der Vertretung der Zugewanderten und der vielfältigen Stadtgesellschaft insgesamt ab.

Ausgangslage

  • In Nürnberg haben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Menschen aus der ganzen Welt eine neue Heimat gefunden: Unmittelbar nach dem Krieg Heimatvertriebene und danach Aussiedler/-innen, seit Mitte der 50er-Jahre die angeworbenen ausländischen Arbeitnehmer/-innen aus Süd- und Südosteuropa, seit den 60er-Jahren Flüchtlinge aus allen Weltregionen und ab Ende der 80er-Jahre die sogenannten Spätaussiedler/-innen – deutschstämmige Familien aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Nach einem deutlichen Rückgang der Zuwanderung nimmt diese in den letzten Jahren wieder zu, insbesondere kommen Menschen aus den EU-Krisenstaaten, aus den neuen EU-Ländern sowie wieder vermehrt Flüchtlinge und Asylbewerber/-innen.
  • Mit dem 1973 erstmals gewählten Ausländerbeirat (seit 2010: Integrationsrat) hat Nürnberg eines der ältesten Interessenvertretungsorgane von Zugewanderten auf der kommunalen Ebene.
  • Neben beachtlichen Erfolgen bei der Integration gibt es weiterhin auch Probleme. Noch immer schneiden Zuwanderer/-innen der zweiten und dritten Generation im Bildungssystem schlechter ab, und es gelingt ihnen im Durchschnitt weniger gut, in Ausbildung und Beruf Fuß zu fassen.
  • Zunehmend im Blick ist die interkulturelle Öffnung aller gesellschaftlichen Bereiche.
  • Die Strukturen von Politik, Verwaltung und öffentlichen Dienstleistungen stehen in der ständigen Herausforderung, sich mit dieser vielfältigen Lebenswirklichkeit weiterzuentwickeln.
  • Um diesem Prozess die entsprechende Bedeutung zu verleihen, hat Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly nach seiner Wahl 2002 die Integrationspolitik zur Chefsache erklärt.

Ziele

  • Bereits erreicht ist die Erstellung eines Integrationsprogramms und strukturelle Verankerung von Integration als Querschnittsaufgabe in Politik und Verwaltung, jedoch bleibt das Ziel der stetigen Sensibilisierung aller Beteiligten und die laufende Weiterentwicklung des Integrationsprogramms, um den sich verändernden Gegebenheiten Rechnung zu tragen.
  • Oberstes Ziel ist die gleichberechtigte politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe aller Bürger/-innen unabhängig von ihrer Herkunft.
  • Dies betrifft insbesondere die Verantwortung für das Aufwachsen in Nürnberg, damit alle Kinder und Jugendlichen ihre Potenziale entfalten und Bildungschancen nutzen können.

Umsetzung

  • 2002: Nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister erklärte OB Dr. Ulrich Maly Integration zur Chefsache. Die Kommission für Integration, das Kuratorium für Integration und die verwaltungsinterne Koordinierungsgruppe Integration werden eingerichtet. Die Koordinierungsgruppe übernimmt kollektiv die Aufgaben eines oder einer singulären Integrationsbeauftragten, um die gemeinsame Verantwortung aller Verwaltungsbereiche abzubilden. Die Integrationspolitik wird eng mit den Aktivitäten Nürnbergs als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte" verzahnt.
  • Dezember 2004: Beschluss der Leitlinien zur städtischen Integrationspolitik.
  • März 2010: erstmals gemeinsame Urwahl des neuen Rats für Integration und Zuwanderung (Integrationsrat). Dieser löst die bisherigen Gremien Ausländerbeirat und Aussiedlerbeirat ab. Ihm gehören Ausländer/-innen, Spätaussiedler/-innen sowie Eingebürgerte an.
  • 2010: Einsetzen eines Beauftragten für Diskriminierungsfragen.
  • Mai 2011: Die erste Nürnberger Integrationskonferenz „Vielfalt schätzen, Teilhabe stärken, Zukunft gestalten" bringt – seither jährlich – Akteur/-innen in Nürnberg zusammen.
  • Regelmäßige Fortschreibung von Kapiteln des Integrationsprogramms.
  • Aktivierung von Potenzialen der Menschen mit Migrationshintergrund in allen Bereichen, zum Beispiel Elternarbeit, Ehrenamt, Sport, Kultur, ...
  • Einbinden der Gesamtgesellschaft, Aufsetzen zweier Kommunikationsprojekte für Vielfalt (ab 2014).

Erfolge

  • Zu den Erfolgen der Nürnberger Integrationspolitik zählt der politische Konsens. Dadurch konnte die Neuorganisation der Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe, die Zusammenführung der Ausländer- und Aussiedlerarbeit und die Verabschiedung der Leitlinien zur kommunalen Integrationspolitik im Konsens zwischen den Parteien entschieden werden.
  • Gleichzeitig wurde durch neue Partizipations- und Dialogformen der direkte Austausch zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern verbessert.
  • Die interkulturelle Öffnung ist in vielen Bereichen bereits weit vorangeschritten, und die Wertschätzung für die Ressourcen und Potenziale von Zuwanderern, beispielsweise am Arbeitsmarkt, ist spürbar gewachsen.

Kontakt

Elisabeth Ries

Stadt Nürnberg
Rathausplatz 2
90403 Nürnberg
Telefon: 0911 - 23 17 503

Sandra Bröring

Koordination Integrationsprogramm
Stadt Nürnberg
Gewerbemuseumsplatz 1
90403 Nürnberg
Telefon: 0911 - 23 14 674

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Nürnberg Bayern

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

501.072

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

5,9

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