Nürnberg - Lebendige Stadtteilarbeit in Kulturläden

Die Kulturläden sind traditionell wichtige Orte interkultureller Arbeit in den Stadtteilen. Sie bieten Kurs- und Gruppenangebote für verschiedene Zielgruppen, dienen Vereinen und Gruppen als Treffpunkt, Übungs- und Auftrittsmöglichkeit. Hier begegnen sich Menschen unterschiedlichster Herkunft ganz selbstverständlich. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich nicht zuletzt auch in einem profilierten Angebot von Kulturveranstaltungen.

Ausgangslage

  • In Nürnberg haben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs viele Menschen aus der ganzen Welt eine neue Heimat gefunden: unmittelbar nach dem Krieg Heimatvertriebene und danach Aussiedler/-innen, seit Mitte der 50er Jahre die angeworbenen ausländischen Arbeitnehmer/-innen aus Süd- und Südosteuropa, seit den 60er-Jahren Flüchtlinge aus allen Weltregionen und ab Ende der 80er-Jahre die sogenannten Spätaussiedler/-innen (deutschstämmige Familien aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks). Nach einem deutlichen Rückgang der Zuwanderung nimmt diese in den letzten Jahren wieder zu, insbesondere kommen Menschen aus den EU-Krisenstaaten, aus den neuen EU-Ländern sowie wieder vermehrt Flüchtlinge und Asylbewerber.
  • Die Stadt Nürnberg betreibt Integration und interkulturelle Öffnung als „Chefsache" und Querschnittsaufgabe (siehe Nürnberg – „Chefsache Integration").
  • Die kulturelle Dimension der Integration stand – neben den mit den Lebenslagen der Zugewanderten einhergehenden Themen Sprache, Bildung, Arbeit und Soziales – bereits früh im Fokus der Nürnberger Stadtpolitik, die dadurch den Blick bewusst auf Potenziale und Ressourcen lenkte.
  • Der Auftrag „Kultur für alle" wird seit den 70er-Jahren vom Amt für Kultur und Freizeit durch stadtteilnahe, vielfältige Angebote umgesetzt.

Ziele

  • Aktive Beteiligung und Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements in den Stadtteilen durch Kultur- und Bildungsaktivitäten.
  • Widerspiegeln der kulturellen Vielfalt Nürnbergs und seiner Bevölkerung in der Kunst- und Kulturlandschaft einer modernen Großstadt.

Umsetzung

  • Die heute elf Nürnberger „Kulturläden" in städtischer Trägerschaft arbeiten als Zentren stadtteilorientiert und altersübergreifend. Der breitgefächerten Arbeit dieser Einrichtungen ist ein weiter Bildungs- und Kulturbegriff zu Grunde gelegt.
  • Die Angebote orientieren sich an den Bedürfnissen der Stadtteilbevölkerung und erreichen somit auch besser bildungsferne Stadtteilbewohner/-innen.
  • Basis der Arbeit der Kulturläden als Teil der Integrationspolitik der Stadt Nürnberg ist die interkulturelle Kulturarbeit. Sie schaffen Begegnungsmöglichkeiten und Formen der Bürgerbeteiligung. Dadurch tragen sie dazu bei, dass Einwander/-innen sich in Nürnberg „heimisch" fühlen und ermöglichen der bereits deutschen Bevölkerung das Kennenlernen anderer Kulturen.
  • Hinter der Arbeit der Kulturläden steht eine soziokulturelle Sichtweise, die Menschen nicht auf soziale Defizite und Bedürfnisse reduziert, sondern ihre Kompetenzen wahrnimmt und zum Einsatz bringt.
  • Neben diesen Gruppen- und Kursangeboten dienen die Kulturläden auch als Treffmöglichkeiten für Vereine, als Übungs- und Auftrittsmöglichkeiten für künstlerisch Aktive bis hin zu einem profilierten Kulturveranstaltungsangebot in den größeren Einrichtungen. Das Angebot ist ein ausgewogenes Zusammenspiel verschiedener Elemente in jeweils stadtteilspezifischer Ausprägung. Das Programm passt sich den sich jeweils ändernden Bevölkerungsstrukturen an.
  • Konkrete Beispiele:
    • Der Kulturladen Röthenbach arbeitet eng mit dem Russisch-Deutschen Kulturzentrum e. V. zusammen, fördert gezielt die Integration russischsprachiger Einwander/-innen in Nürnberg. Im Vordergrund steht neben der gezielten Förderung von Kindern und Jugendlichen der Kontaktaufbau zu alteingesessenen Nürnberger/-innen.
    • Zwei Kulturläden waren intensiv am Modellprojekt „Spielend lernen in Familie und Stadtteil" beteiligt. Durch dieses wurde eine bessere Vernetzung und Verkettung von Maßnahmen zur Förderung von Familien mit Kindern ermöglicht.
  • Das Inter-Kultur-Büro, ebenfalls im Amt für Kultur und Freizeit, setzt darüber hinaus mit kulturellen Schwerpunktprojekten und Kooperationen nachhaltige Programmakzente. Mit seinen mehrsprachigen Publikationen sorgt es für Überblick und Vernetzung. Migrantenvereine erhalten Beratung und Unterstützung.

Erfolge

  • Die lockeren Treffpunkte und offenen Angebote der Kulturläden bieten einen einfachen Zugang, über den viele Stadtteilbewohner und besonders -bewohnerinnen für längerfristige und verbindliche Angebote gewonnen werden. Der persönliche Kontakt und die räumliche Nähe (niedrigschwelliges Angebot) verringern die Angst, professionelle Hilfe oder Qualifizierungsangebote wie Sprachkurse in Anspruch zu nehmen. Besonders Frauen und Mütter aus Familien mit Migrationshintergrund werden auf diese Art besser erreicht. Viele Frauen finden durch ein Angebot der Kulturläden Zugang zu den regulären Bildungs- und Kulturangeboten der Stadt.
  • Die Kulturläden haben sich als etablierte Zentren des Stadtteillebens in Nürnberg etabliert und bewährt.

Kontakt

Jürgen Markwirth

Stadt Nürnberg
Gewerbemuseumspl. 1
90403 Nürnberg
Telefon: 0911 - 23 13 325

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Nürnberg Bayern

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

501.072

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

5,9

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