Berlin - Stadtteilmütter

In Berlin-Neukölln leben viele Familien mit Migrationshintergrund. Um die Bildungschancen der Kinder zu erhöhen und die Integration der Familien zu fördern, werden arbeitslose Migrantinnen mit Kindern zu Stadtteilmüttern ausgebildet. Sie beraten andere Mütter mit dem gleichen ethnischen Hintergrund bei Hausbesuchen in Fragen rund um Bildung, Gesundheit, Erziehung und Sprache.

Ausgangslage

  • Im Berliner Stadtteil Neukölln haben rund 40 % der Einwohner einen Migrationshintergrund.
  • Vor allem im Norden des Stadtteils gibt es zahlreiche soziale Probleme, wie z. B. Armut und hohe Arbeitslosigkeit. Hier leben rund 80 % der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Einwandererfamilien.
  • Viele Mütter haben nur wenige Außenkontakte und daher Probleme, die deutsche Sprache zu lernen.
  • Oftmals kennen sie sich wenig mit dem deutschen Bildungswesen und den Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung aus. Sie wissen häufig nicht, welche Formen von Beratung und sonstiger Unterstützung sie in Anspruch nehmen können. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede stellen weitere Hürden dar.
  • Oftmals scheuen sich die Familien, sich bei Problemen an die deutschen Behörden, wie z. B. das Jugendamt, zu wenden.
  • All dies verschlechtert die Bildungschancen ihrer Kinder. Viele verlassen die Schule ohne Abschluss oder erwerben nur einen Hauptschulabschluss.

Ziele

  • Das Projekt „Stadtteilmütter in Neukölln" soll dabei helfen, Familien mit Migrationshintergrund bei der Integration zu unterstützen.
  • Dabei stehen besonders das Erlernen der deutschen Sprache und die Verbesserung der Bildungschancen der Kinder im Vordergrund.  
  • Außerdem sollen soziale Segregation und Rückzug in die eigene ethnische Gemeinschaft verringert werden.
  • Es sollen vor allem Familien erreicht werden, zu denen deutsche Sozialarbeiter keinen Zugang haben.
  • Sie sollen als „Türöffner" fungieren und die besuchten Familien zu außerhäuslichen Aktivitäten anregen sowie die Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen, Elterncafés und weiteren Einrichtungen fördern.
  • Die Stadtteilmütter sollen durch die Ausbildung und ihre Arbeit an Selbstvertrauen gewinnen und eine Vorbildfunktion für andere Frauen im Stadtteil einnehmen.
  • Bei der gemeinsamen Qualifizierungsmaßnahme kommen Frauen verschiedener Nationalitäten zusammen und sollen dadurch eventuelle Vorurteile abbauen.

Umsetzung

  • Seit 2007 werden arbeitslose Mütter mit Migrationshintergrund zu Stadtteilmüttern ausgebildet – vor allem Frauen türkischer und arabischer Herkunft, doch auch Migrantinnen anderer Herkunft. So gibt es auch Stadtteilmütter mit südosteuropäischen Wurzeln.
  • Sie werden ein halbes Jahr lang zwei- bis dreimal pro Woche zu Themen wie Erziehung, Bildung, Gesundheit und Sprache weitergebildet.
  • Die Stadtteilmütter sind im Rahmen einer Beschäftigungsmaßnahme tätig oder auf geringfügiger Basis beschäftigt.
  • Sie geben ihr Wissen bei jeweils 10 Hausbesuchen an Familien mit Kindern im Alter von bis zu 12 Jahren weiter. Ursprünglich gehörten nur Familien mit Kindern bis zum Alter von maximal 6 Jahren zur Zielgruppe, aber dann wurden die Stadtteilmütter zum Thema Grundschule weiterqualifiziert.
  • Die Frauen kooperieren eng mit Erziehern und Lehrern.
  • Der Träger des Projektes ist das Diakoniewerk Simeon gGmbH. Kooperationspartner sind das Bezirksamt Neukölln von Berlin, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen und das JobCenter Neukölln.

Erfolge

  • Seit 2007 wurden 360 Stadtteilmütter ausgebildet, davon sind aktuell 109 tätig.
  • Insgesamt wurden bereits rund 8.000 Familien erreicht.
  • Dadurch, dass es sich bei den Stadtteilmüttern um Menschen aus der eigenen Community handelt, fällt es ihnen leichter, Kontakt zu den Familien herzustellen und kulturelle Besonderheiten zu berücksichtigen.
  • Viele der besuchten Frauen nehmen nun an einem Deutschkurs teil und schicken ihre Kinder in eine Kindertagesstätte.
  • Eine Evaluation hat viele positive Effekte ergeben, wie z. B. eine gute Erreichung der Zielgruppe und die Nachhaltigkeit der Hausbesuche.  
  • Das Projekt wurde vielfach ausgezeichnet.
  • Das Stadtteilmütterprojekt wurde deutschlandweit in dieser Form erstmalig in Neukölln durchgeführt, aber inzwischen gibt es Stadtteilmütter in vielen weiteren Städten. 

Kontakt

Anna Hermanns

Projektkoordinatorin
Bezirksamt Neukölln von Berlin
Karl-Marx-Straße 83
12043 Berlin

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Berlin

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

3.469.849

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

10,3

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!