Landkreis Potsdam-Mittelmark - Hier möchte ich alt werden! Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis

Ziel dieses Projektes unter dem Motto „Hier möchte ich alt werden“ ist die verstärkte Einbeziehung der älteren Generation in die Regionalentwicklung des Kreises. Der spezifische Ansatz dabei ist, dass die Betroffenen nicht Objekte gut gemeinter Vorschläge von Fachleuten sind, sondern sich als Aktive einbringen. Sie artikulieren ihre Bedürfnisse, stellen einen Ist-Soll-Vergleich an und werden zu Partnern der Umsetzung ihrer Visionen.

Ausgangslage

  • Im Kreis Potsdam-Mittelmark vollziehen sich, bedingt durch seine besondere Lage am Rande von Berlin, sehr differenzierte demographische Entwicklungen in den berlinnahen und in den berlinfernen Regionen. Die Bevölkerungszahl wird in den nächsten Jahren noch gering zunehmen, dann aber absinken. Dies geht einher mit einer geringen Geburtenzahl und einer Erhöhung der Zahl der älteren Menschen. Die hauptstadtnahen Räume sind noch stark durch Wachstum geprägt, insbesondere auch durch einen hohen Anteil älterer Menschen. Die Herausforderung besteht darin, auf der Basis der differenzierten Entwicklungen in den Kommunen Strategien und neue Partnerschaften zur Gestaltung des demographischen Wandels zu schaffen.
  • Politiker und Verwaltung des Landkreises sind seit langem für die demographische Entwicklung sensibilisiert. Das Projekt „Hier möchte ich alt werden! Potsdam-Mittelmark auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis" entstand 2005 auf der Basis des proklamierten Ziels des Landrates, den Kreis Potsdam-Mittelmark zum seniorenfreundlichsten Kreis des Landes Brandenburg zu gestalten. Gemeinsam mit der im Kreis seit langem tätigen Akademie „2. Lebenshälfte" wurde das Projekt „Auf dem Weg zum seniorenfreundlichen Landkreis" ins Leben gerufen.

Ziele

  • Ziel dieses Projektes unter dem Motto „Hier möchte ich alt werden" ist die verstärkte Einbeziehung der älteren Generation in die Regionalentwicklung des Kreises. Der spezifische Ansatz dabei ist, dass die Betroffenen nicht Objekte gut gemeinter Vorschläge von Fachleuten sind, sondern sich als Aktive einbringen. Sie artikulieren ihre Bedürfnisse, stellen einen Ist-Soll-Vergleich an und werden zu Partnern der Umsetzung ihrer Visionen.
  • Mit dem Projekt werden einerseits die Potenziale der älteren Menschen im Landkreis aktiviert und verbesserte Möglichkeiten der Partizipation geschaffen. Andererseits werden die Kommunen und andere Partner für die Probleme und Chancen des demographischen Wandels und die Möglichkeiten des engagierten Mitwirkens der Älteren vor Ort sensibilisiert.
  • Diese Zielsetzung entspricht dem Leitbild des Fördervereins Akademie 2. Lebens-hälfte im Land Brandenburg e. V., der sich dafür einsetzt, dass die Kompetenzen Älterer stärker wahrgenommen, genutzt und weiterentwickelt werden. Sie entspricht auch dem Anliegen des Kreises, eine hohe Beteiligung seiner Bürger an den kreislichen Entwicklungen zu ermöglichen.

Umsetzung

  • Die Akademie „2. Lebenshälfte" ist seit vielen Jahren im Kreis als Anlaufstelle für ältere Menschen tätig, die Möglichkeiten der Bildung, Betätigung, des Engagements und der Selbsthilfe suchen. Jährlich beteiligen sich ca. 4.000 Bürger, davon die meisten über 55 Jahre alt, an den vielfältigen Veranstaltungen und Aktivitäten der Akademie, die zwei Kontaktstellen im Kreis hat. Das war der Ausgangspunkt für das gewählte Herangehen:
    • Ausgehend von Auftaktveranstaltungen zu den konkreten demographischen Entwicklungen in den einzelnen Planregionen des Kreises werden interessierte ältere Menschen aktiviert, die sich zu den ihnen wichtigen Themen verständigen. In Zukunftskonferenzen und thematischen Arbeitsgruppen formulieren die Akteure ihre Problemsicht zu der Fragestellung „Was bestimmt die Lebensqualität der Senioren in der Kommune?" Auf dieser Basis werden mögliche Lösungsansätze für die Herausforderungen in ihrem konkreten Lebensumfeld entwickelt. Wegen der strukturellen Verschiedenheit und der Großflächigkeit des Landkreises sind die Arbeitsgruppen auf die vier Planregionen des Kreises bezogen. Die Akademie „2. Lebenshälfte" kooperiert dabei mit örtlichen Partnern, die in der jeweiligen Planregion verankert sind. Die Arbeitsgruppen analysieren die selbst gewählten Handlungsfelder wie „Wohnen und Bauen"; „Mobilität", „Miteinander der Generationen" u. a. Sie erarbeiten eigene Positionen, treffen sich mit Experten wie Kommunalvertretern, Wohnungsgesellschaften und anderen Initiativen vor Ort und beziehen die Betroffenen in ihre Analysen ein.
    • So arbeiteten in der ersten Phase 15 Senioren in drei Arbeitsgruppen sehr intensiv an der Problemanalyse. Sie entwickelten Fragebögen und konnten in ihren Orten über 300 Senioren und 300 Schülern für diese Aktion gewinnen. Die Ergebnisse flossen in ihre Erarbeitung direkt ein.
    • Diese Modellphase des Projektes konnte 2006 in einer Planregion mit großem Erfolg abgeschlossen werden. Die von den Akteuren auf einer Abschlussveranstaltung präsentierte Analyse hat viele Impulse für die weiteren Aktivitäten des Landrates und seiner Mitarbeiter ausgelöst. Das Ergebnis wurde 2007 publiziert.
    • In den anderen drei Planregionen wird gegenwärtig im Rahmen verschiedener Arbeitsgruppen an dem Projekt gearbeitet. Die Ergebnisse sind im Sommer 2008 zu erwarten.
    • Als Folgeschritte sind ein Abgleich der erarbeiteten Positionen mit den Interessen von Jugend und Familien sowie die Erarbeitung kreisinterner seniorenpolitischer Leitlinien geplant.

Erfolge

  • Bereits die Modellphase hat viele Reaktionen ausgelöst. Sowohl die Qualität der Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses der Senioren als auch deren engagierte Präsentation hat die Kommunalpolitiker „überrascht" und beeindruckt.
  • In der Folge wurde an vielen Vorschlägen der Akteure in den kreislichen Gremien weiter gearbeitet. Ein konkretes Ergebnis war der im Folgejahr ausgelobte Wettbewerb zu Initiativen für das Miteinander der Generationen im Kreis, der auf einen Vorschlag der Arbeitsgruppen zurückging. In der Analyse hatten die Senioren festgestellt, dass es zwar viele interessante „Jung–Alt"-Projekte in der Region gibt, aber oft entstehen sie zufällig und keiner weiß von den anderen. Durch den Wettbewerb wurden viele Aktivitäten öffentlich und einige konnten durch die ausgelobten Preise besonders gewürdigt werden. Dieser Wettbewerb wird gegenwärtig mit einer Ausstellung der guten Beispiele fortgesetzt. Auch die Ideen zum Thema „Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" und Verbesserung der Wohnbedingungen für ältere Bürger wurden ausgewertet und flossen in kreisliche Strategien ein.
  • Ein anderes Resultat ist die Bildung eines Seniorenbeirates in Nuthetal, eine der beteiligten Kommunen, durch einen Senior, der durch seine Mitwirkung die Notwendigkeit eines solchen Gremiums erkannte und sich dafür stark engagiert hat.
  • Die Ergebnisse und die Resonanz dieses Herangehens bestärkten die Verantwortlichen im Kreis, so dass die Publikation der Ergebnisse, die Weiterführung des Prozesses in den anderen Planregionen sowie die Ausbildung von Seniortrainern in die Finanzplanung des Kreises übernommen wurden.
  • Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass durch dieses Projekt die Öffentlichkeit für die spezifischen Bedürfnisse und für die Mitwirkungsmöglichkeiten älterer Menschen innerhalb des Landkreises sensibilisiert wurde. Für die Senioren selbst ist ein Kristallisationspunkt für ihr Engagement entstanden. Damit sind gute Ausgangsbedingungen für eine stärkere Partizipation älterer Bürger an der Entwicklung ihrer Region gegeben.
  • Ende 2009 hat sich ein Team gebildet, um die Einkaufssituation in der Gemeinde Seddiner See zu verbessern und gleichzeitig ein Kommunikations- und Beratungszentrum zu schaffen. Ein ehemaliger REWE-Supermarkt soll die ortsnahe Rundumversorgung wieder sichern. Diese Initiative wurde durch Informationsveranstaltungen die Akademie 2. Lebenshälfte unter dem Titel „Den Laden ins Dorf holen" ausgelöst. An Hand von bundesweiten Beispielen, wie das DORV-Zentrum im Kreis Düren, wurde gezeigt, dass der „Tante Emma-Laden" auf einem hohen Niveau in der Kleinstadt gebraucht wird.
  • Die sportliche Betätigung (Geist und Körper) der Senioren im Landkreis Potsdam-Mittelmark wird durch das neue Initiative „Der Mittelbrandenburgische Senioren-Fitness-Express" seit August 2010 gefördert. Durch eine Spende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse konnten Laptops, Wii-Konsolen und Nintendo-Spiele angeschafft werden. Mit dieser Hard- und Software gehen geschulte Senioren in Senioreneinrichtungen und stellen Sportspiele, wie Bowling, Tennis oder Golf vor, die nach aktiv bespielt werden. Mit den Laptops wird Gehirnjogging, Internet und andere Wissensspiele geübt. Der Spaßfaktor ist dabei sehr hoch und die kognitiven Fähigkeiten der Senioren werden stark verbessert.

Kontakt

Klaus-Dieter Späthe

Projektkoordinator
Förderverein Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e. V.
Berger Straße 97
16225 Eberswalde
Telefon: 03328 473134

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Potsdam-Mittelmark, LK Brandenburg

Bevölkerung 2014

207.498

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

4,9

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