Landkreis Uckermark - Effizienter ÖPNV in ländlichen Regionen

Im Projekt „KombiBus" wird der Güter- und Personentransport kombiniert, um den öffentlichen Busverkehr wirtschaftlicher werden zu lassen und dadurch Kürzungen von Linien und Fahrten vorzubeugen.

Ausgangslage

  • Der demographische Wandel vollzieht sich auf der Ebene des Landkreises Uckermark genauso wie auf gesamtdeutscher Ebene – und zwar mit den beiden Haupttrends
    a) einer Abnahme der absoluten Bevölkerungszahl sowie
    b) einer Alterung der Bevölkerung.
  • Die Uckermark ist davon allerdings in verschärftem Maße betroffen. Der Landkreis Uckermark hat im Vergleich zu anderen Landkreisen in Brandenburg überdurchschnittlich viele Einwohner verloren.
  • Dies hat Auswirkungen auf alle Bereiche der ländlichen Versorgung, wie z. B. die Gesundheits- und Lebensmittelversorgung. Zudem steigt die Entfernung zu Versorgungseinrichtungen durch deren Konzentration in den Städten.
  • Aus diesen Veränderungen resultiert ein erhöhter Handlungsbedarf hinsichtlich der Anpassung von Infrastruktur und Mobilitätsangeboten. Dies ist ganz besonders dringend in ländlichen, dünn besiedelten und strukturschwachen Räumen.
  • Besonders zwei Bevölkerungsgruppen sind betroffen:
    • Kinder und Jugendliche durch fehlenden Führerschein- und Autobesitz bei gleichzeitigem Bedürfnis nach Unabhängigkeit.
    • Alte und Hochbetagte durch körperliche Einschränkungen, wachsende Immobilität sowie sinkende Einkommen.
  • Im Rahmen des Modellvorhabens „Daseinsvorsorge 2030 – innovativ und modern – eine Antwort auf den demographischen Wandel" (initiiert vom Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer) wurde das Projekt „KombiBus" entwickelt. Es befindet sich aktuell in der Erprobungsphase.

Ziele

  • Die Projektziele gliedern sich in die Zielkomplexe der drei Hauptinteressenten des Projekts:
    • Das ist einerseits die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft mbH (UVG), die als Projektträger und Antragssteller auftritt und damit federführend einen Ansatz zu langfristigen Verbesserungen der Wirtschaftlichkeit des ländlichen ÖPNV entwickeln und Arbeitsplätze sichern und ausgestalten möchte.
    • Der zweite Interessent ist der Landkreis Uckermark, dem Hauptgesellschafter der UVG und gleichzeitig Aufgabenträger für die Daseinsvorsorge, der damit Erkenntnisgewinn zur nachhaltigen Optimierung ländlicher Infrastrukturen generieren will.
    • Drittens steht ein Erfolg des KombiBus-Projekts auch im Interesse des Bundeslandes Brandenburg, das damit seine Strategie zur Bewältigung des demographischen Wandels um eine Schlüsselkomponente erweitern und gleichzeitig weitergehenden Handlungsbedarf mit langfristigen Auswirkungen (etwa Änderung von Landesgesetzen) identifizieren will.
  • Vor allem anderen steht jedoch der Modellcharakter des Projekts, der eine größtmögliche Übertragbarkeit der Projektergebnisse auf andere Gebietskulissen sichern soll.
  • Übergeordnetes Ziel ist es, die öffentliche Mobilität effizienter und kostengünstiger zu gestalten und dadurch als Schlüsselaufgabe der Daseinsvorsorge nachhaltig zu sichern.

Umsetzung

  • Das BMI-Modellvorhaben hat im Oktober 2010 im Rahmen einer Konzeptionsphase mit der Konstitution des Lenkungskreises als kommunikatives und strategisch steuerndes Gremium begonnen. Abgeschlossen wurde diese im August 2011 mit einem Bericht über die Konzeptionsphase inklusive Vorlage eines umsetzungsfähigen Betriebs- und Finanzierungsplans. Ab Januar 2012 begann die eigentliche Umsetzungsphase.
  • In der ersten Phase des Modellprojekts (Oktober 2010 bis August 2011) galt es, bekannte Beispiele aus Nachbarländern zu analysieren und auf den Landkreis Uckermark zu übertragen. Zudem mussten Rechtsfragen geklärt, Anforderungen vonseiten möglicher Dienstleistungspartner ermittelt, Betriebs- und Finanzierungskonzepte erarbeitet, Fahrpläne entwickelt und die lokalen Akteure beteiligt und sensibilisiert werden.
  • Die Umsetzungsphase ab Januar 2012 umfasst:
    • die schrittweise Einführung des Integralen Taktfahrplans im Gebiet der Uckermärkischen Verkehrsgesellschaft (UVG)
    • den Betriebsbeginn der kombinierten Transporte im Rahmen von Piloten (später Übergang in den Regelbetrieb)
    • die Installation einer leistungsfähigen Disposition
    • die abschließende gutachterliche Klärung rechtlicher Fragen
    • die Weiterbildung des Fahrpersonals
    • eine umfangreiche Marketingkampagne
  • Erfolge und Hindernisse bei der Einführung werden sorgfältig beobachtet und sollen in einer Evaluation münden, die prüft, ob der KombiBus
    a) zur Lösung des demographischen Wandels im Land Brandenburg beiträgt
    b) auch in anderen Regionen Deutschlands zuverlässig funktionieren kann.

Erfolge

  • Die Idee des KombiBusses wurde erfolgreich kommuniziert und führte zu konkreten Verhandlungsgesprächen mit potenziellen Wirtschaftspartnern, die jedoch erst in der Umsetzungsphase, die ab Januar 2012 begann, in einen Vertragsabschluss münden werden.
  • Zudem verzeichnet das Projekt eine hohe Aufmerksamkeit bei politischen Entscheidungsträgern auf Landes- und Bundesebene.
  • Das Projekt „KombiBus" wurde 2011 im Rahmen "Markt der Möglichkeiten - Demographieprojekte des Landes Brandenburg" zum Demographiebeitrag des Monats August von Ministerpräsident Matthias Platzeck gekürt.

Sichtbarkeit der Erfolge für die Bürger:

  • Voraussichtlich überarbeitetes Fahrplanangebot: Der „KombiBus" wird für Bürger sichtbar, wenn verschiedenste unbegleitete Güter im Fahrzeugraum, Kofferraum oder im Anhänger durch den Landkreis befördert werden können – ob Koffer, Fahrräder, Lebensmittel oder Pakete. Dies wird über eine umfangreiche Marketingkampagne kommuniziert, in der insbesondere regionale Multiplikatoren (Pflegedienste, Wohlfahrtsverbände, touristische Leistungsträger) zur erfolgreichen Nachfrage und Nutzung beitragen werden.
  • Ziel ist es darüber hinaus, z. B. die Lebensmittelversorgungen im ländlichen Raum zu verbessern – demnach könnte der sog. „Dorfladen" durch das neue Logistikkonzept und durch die umfangreiche Bündelung verschiedenster Dienstleistungen unter einem Dach eine neue Chance erhalten:
    a) Steigerung der Wirtschaftlichkeit
    b) bürgernaher Kommunikations- und Begegnungsort.

Kontakt

Britt Stordeur

Landkreis Uckermark
Karl-Marx-Str. 1
17291 Prenzlau
Telefon: 03984 - 70 11 80

Lars Boehme

Geschäftsführer
Uckermärkische Verkehrsgesellschaft mbH
Steinstraße 5
16303 Schwedt
Telefon: 03332 - 44 27 10

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Uckermark, LK Brandenburg

Bevölkerung 2014

120.829

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-14,3

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