Bremerhaven - Strukturwandel durch Tourismus und Wissenschaft

Durch die abnehmende Bedeutung von Hochseefischerei und Schiffsbau verlor Bremerhaven viele Arbeitsplätze und Einwohner. Durch eine stärkere Konzentration auf Seehandel, maritimen Tourismus, Wissenschaft und Offshore-Windenergie versucht die Stadt, den Strukturwandel zu bewältigen.

Ausgangslage

  • Mitte der 1970er Jahre war Bremerhaven geprägt durch den größten Fischereihafen in Europa mit Frischfischanlandungen, einer eigenen Hochseeflotte sowie Frischfischverarbeitung. Ein weiteres wirtschaftsstrukturelles Standbein waren der Schiffbau und die Schiffsreparatur.
  • Die Anlandungen an Frischfisch gingen in Folge der Begrenzung der Fanggebiete (200-Seemeilen-Zone) stark zurück, infolgedessen auch sehr schnell die in Bremerhaven ansässige Hochseefischereiflotte. Zeitlich parallel begann ein ruinöser Wettbewerb im Bereich des Schiffbaus mit den südostasiatischen Staaten Japan, Südkorea und China, den westeuropäische Werften nicht bestehen konnten. Im Bereich der Werften sind in Bremerhaven über 10.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, rund 5.000 Menschen verloren im Bereich der Fischerei und Fischverarbeitung ihre Arbeit. 1996 hat dann die US-Army einen Militärstützpunkt in Bremerhaven in Folge der Beendigung des Kalten Krieges geschlossen, wodurch wiederum rund 2.000 Zivilangestellte ihre Arbeit verloren.
  • Bremerhaven hatte in der Spitze rund 149.000 Einwohner, im Jahr 2000 waren es nur noch 120.330.

Ziele

  • Schaffung von Arbeitsplätzen und Verhinderung eines weiteren Rückgangs der Einwohnerzahlen
  • Übergeordnete Zielsetzungen waren dabei, die weltweiten und nachhaltigen Trends des Klimawandels, der weltweiten Arbeitsteilung/Globalisierung sowie die demografische Entwicklung aufzugreifen, um mit neuen Wirtschaftsstrukturen dauerhaft bestehen zu können.

Umsetzung

Es wurden verschiedene Branchenstrategien entwickelt:

  • Hafen- und Logistik-Wirtschaft
    • Infolge der Globalisierung steigen die weltweiten Warenströme enorm an. Die Seeverkehrstransporte haben dabei den allergrößten Anteil. Infolgedessen haben Bremerhaven und das Land Bremen intensiv in den Ausbau der Container-Terminals sowie der Automobil-Terminals investiert. Inzwischen ist Bremerhaven der größte Automobilumschlagshafen in Europa, im Containerbereich liegt Bremerhaven europaweit auf Platz 4.
  • maritimer Tourismus
    • Direkt vorgelagert vor der Innenstadt befindet sich in Bremerhaven das Areal des Alten und Neuen Hafens, die Keimzelle der Stadt Bremerhaven. Die dortige Hafennutzung wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren komplett aufgegeben, sodass städtebaulich eine Umstrukturierung und Reattraktivierung dieses Gebietes erforderlich war und sich gleichzeitig die Chance bot, touristische Angebote, wie z. B. das Klimahaus 8 Grad Ost, in Bremerhaven zu etablieren. Hierbei wurde der maritime Charakter der größten Stadt an der deutschen Nordseeküste weiter entwickelt. Gleichzeitig wird die Lage am Nationalpark Wattenmeer genutzt, der Natururlauber anzieht.
  • Wissenschaftslandschaft
    • Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung ist es zunehmend wichtig, als Standort den agierenden Unternehmen ausreichend und gut qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anbieten zu können. Daher hat die akademische Ausbildung eine zunehmende Bedeutung. Zur Nutzung des Technologietransfers sind anwendungsorientierte Forschungs- und Entwicklungsinstitute an die Hochschule anzubinden.
    • Die Hochschule Bremerhaven hat sich auf einen Wachstumskurs gemacht, innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Studierenden mehr als verdoppelt worden und es sind weitere ambitionierte Ausbauziele definiert. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung wächst räumlich und bezogen auf die Mitarbeiterzahl. Mit dem IWES Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik konnte 2009 ein weiteres Institut in Bremerhaven angesiedelt werden, welches mittlerweile deutlich über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat.
  • Offshore-Windenergie
    • Die Offshore-Windenergie ist in Bremerhaven von den Wurzeln dieser Technologieentwicklung bis zur Realisierung von Produktionsstätten und Offshore-Windparks vielfältig verzahnt.

Erfolge

  • Die Anzahl der Übernachtungen in Bremerhaven hat deutlich zugenommen.
  • Das Engagement Bremerhavens im Bereich der Offshore-Windenergie wurde unter anderem durch die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsförderungspreises im Jahr 2009 gewürdigt.
  • Der Marketingclub Bremen hat Bremerhaven für ein exzellentes Standortmarketing im Bereich der Offshore-Windenergie ebenfalls mit einem Preis geehrt.
  • Rund 8 % der Beschäftigten in Bremerhaven arbeiten mittlerweile im Segment Offshore-Windenergie.
  • Die Arbeitslosenquote verringert sich seit 2006 und der Anteil sozialversicherungspflichtig Beschäftigter steigt.

Kontakt

Nils Schnorrenberger

BIS Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH
Am Alten Hafen 118
27568 Bremerhaven

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Bremerhaven Bremen, BL

Demographietyp

Stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck

Bevölkerung 2014

110.121

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-1,3

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