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Görlitz - Probewohnen Görlitz-Altstadt

Wie lebt es sich in einer historischen Innenstadt wie der Altstadt von Görlitz? Antworten auf diese Frage liefert das „Probewohnen Görlitz-Altstadt". Das Projekt bot Interessierten die Möglichkeit, eine Woche lang testweise in der Stadt an der Neiße zu wohnen und in das Flair der historischen Gemäuer einzutauchen. Ziel war es, Görlitz als attraktiven Wohnort bekannter zu machen. Teilnehmende gaben mit ihren Wohnerfahrungen vor Ort Hinweise, wie die historische Innenstadt noch attraktiver gestaltet werden kann.

Ausgangslage

  • Viele historische Innenstadtbereiche ostdeutscher Klein- und Mittelstädte wurden seit dem politischen Umbruch Ende der 1980er Jahre umfassend saniert. Auch in der historischen Altstadt von Görlitz fanden ab 1994 umfangreiche Sanierungsarbeiten statt – finanziert unter anderem durch verschiedene Bund-Länder-Programme für die Städtebauförderung.
  • Aus städtebaulicher Sicht gilt der Stadtteil „Historische Altstadt" in Görlitz als besonders qualitätsvoll. Er ist geprägt durch einen sehr dichten Bestand an Kultur- und Baudenkmalen aus verschiedenen Bauepochen. Der Stadtteil bietet mit seinen Wohngebäuden, der Grün- und Freiraumstruktur sowie Infrastruktur viele Potenziale als attraktiver Wohn- und Arbeitsort, die über die Funktion als Tourismusmagnet hinausgehen.
  • Trotz dieser positiven Entwicklung ist der Wohnungsleerstand in der historischen Altstadt im gesamtstädtischen Vergleich nach wie vor überdurchschnittlich hoch.
  • Hier setzt das Projekt „Probewohnen Görlitz-Altstadt" an. Es möchte den Stadtteil als attraktiven Wohnort bekannter machen und außerdem weiteres Wissen über Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse potenzieller Innenstadtbewohner/-innen zusammentragen.
  • Das „Probewohnen Görlitz-Altstadt" knüpft an die erfolgreichen Aktivitäten in den Jahren 2008 bis 2010 an. Das bundesweit erste Probewohnen in den Jahren 2008/2009, damals im Gründerzeit-Quartier von Görlitz, wurde als Modellvorhaben der Nationalen Stadtentwicklungspolitik durch das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung gefördert.

Ziele

  • Das „Probewohnen Görlitz-Altstadt" hatte zum Ziel, Auswärtige für einen Umzug nach Görlitz zu begeistern und die Stadt als attraktiven Wohnstandort bekannt zu machen.
  • Es lieferte außerdem Hinweise darauf, ob und wie sich individuelle Wohnwünsche mit dem Wohnen in einer historischen Innenstadt vereinbaren lassen und durch welche Maßnahmen das Wohnen in Görlitz und generell in historischen Innenstadtbereichen kleinerer Städte attraktiver gestaltet werden kann.

Umsetzung

  • Projektpartner: Das Projekt „Probewohnen Görlitz‐Altstadt" wurde federführend von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft KommWohnen Görlitz GmbH durchgeführt, unterstützt durch die Stadt Görlitz. Das Interdisziplinäre Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS) in Görlitz, eine gemeinsame Einrichtung des Leibniz‐Instituts für ökologische Raumentwicklung (IÖR) und der Technischen Universität Dresden, hat das Projekt wissenschaftlich begleitet.
  • Interessierte konnten eine Woche lang mietfrei in der Görlitzer Altstadt zur Probe wohnen, lediglich eine Betriebskostenpauschale war zu zahlen. Für das Projekt standen im Zeitraum September 2015 bis Oktober 2016 bis zu drei möblierte Wohnungen zur Verfügung.
  • Wissenschaftliche Befragungen der Altstadtbewohner/-innen auf Probe sollten unter anderem Erkenntnisse dazu liefern, wie die Stadt und das kommunale Wohnungsunternehmen noch besser auf Wohnwünsche und Wohnbedürfnisse heutiger und künftiger Bewohner/-innen eingehen können. Dazu wurden die Teilnehmenden im Vorfeld zu ihren Erwartungen an das Wohnen in der Altstadt befragt. Während ihres Aufenthalts in Görlitz erhielten sie einen weiteren Fragebogen mit Fragen zu ihren Erfahrungen während der Zeit des Probewohnens.

Erfolge

  • Mehr als 300 Bewerbungen aus ganz Deutschland und Ländern wie den Niederlanden, den USA, Kroatien oder Polen sind für das „Probewohnen Görlitz-Altstadt" eingegangen.
  • Insgesamt haben mehr als 200 Menschen verteilt auf 115 Haushalte in der Görlitzer Altstadt zur Probe gewohnt – darunter 58 Paare, 20 Familien mit zusammen 28 Kindern und 31 Einzelpersonen.
  • Rund die Hälfte der Probebewohner kam aus Großstädten wie Berlin, Dresden, Frankfurt/M. oder Hamburg. Besonders viele der „Görlitzer auf Probe" stammten aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen (16 %), Sachsen (15 %) und Baden-Württemberg (12 %).
  • Mehrere Familien und Einzelpersonen sind nach ihrem Probewohnen bereits nach Görlitz umgezogen.
  • Die wissenschaftliche Befragung der Teilnehmenden fiel positiv aus. In vielen Punkten stellten die Befragten der Stadt ein gutes Zeugnis aus. Fast 80 Prozent der Teilnehmenden fanden Görlitz so attraktiv, dass sie sich grundsätzlich vorstellen könnten, in die Stadt an der Neiße zu ziehen. Die Ergebnisse der Befragung machten aber auch deutlich, wo noch Handlungsbedarf besteht.
  • Ausblick: Der Erfolg des „Probewohnens Görlitz-Altstadt" in den Jahren 2015/16 hat die Projektpartner bewogen, weitere Auflagen zu planen. Diese werden andere Fragestellungen in anderen Stadtteilen in den Blick nehmen.

Kontakt

Prof. Dr. Robert Knippschild

Interdisziplinäres Zentrum für ökologischen und revitalisierenden Stadtumbau (IZS)
Gottfried-Kiesow-Platz 1
02826 Görlitz
Telefon: 03581 / 7924790

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Demographieprofil

Görlitz (GR)Sachsen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2015

55.255

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-10,3

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