Hamburg - Hamburger Hauptschulmodell

Hamburger Unternehmen engagieren sich seit 1999 gemeinsam mit der Agentur für Arbeit sowie den Schulen für die Berufsorientierung und Ausbildungsplatzvermittlung von Hauptschülern. Das erfolgreiche Modell wurde in weitere Regionen übernommen.

Ausgangslage

  • Weniger als 10 % der Schüler mit Hauptschulabschluss fanden 1999 (vor Projektbeginn) in Hamburg einen ungeförderten betrieblichen Ausbildungsplatz. Gestiegene Anforderungen im dualen System, v.a. auch in den Kammerprüfungen sowie gesteigertes Interesse von Jugendlichen mit Abitur oder Realschulabschluss führten zu einer schleichenden Verdrängung der Jugendlichen mit Hauptschulabschluss. Obwohl ca. 35 % der Jugendlichen in Hamburg mit einem Hauptschulabschluss die Schule verlassen, sahen die Öffentlichkeit und die Betriebe die Schulform „Hauptschule" nur noch als „Restschule" an.
  • Erhebliche Unklarheit über das tatsächliche Übergangsgeschehen durch mangelnde Daten, bzw. eine schlechte Datenlage.
  • Benachteiligung von Migranten durch diskriminierende Besetzungsverfahren, Tests und Ausschreibungen.
  • System ohne Rückmeldeschleifen zwischen Schulen und Betrieben (z.B. nicht gut auf betriebliche Bedarfe abgestimmter Unterricht auf der einen Seite, nicht gut auf die Jugendlichen und ihre Kompetenzen abgestimmte Einstellungstests auf der anderen Seite).
  • Hohe Zahl nicht an die Agentur für Arbeit gemeldeter, „versteckter" offener Stellen, (häufig wegen hohen Aufwands nicht gemeldete Ausbildungsstellen, die sich recht zügig akquirieren lassen, wenn eine passgenaue Besetzung garantiert werden kann).

Ziele

  • Eine deutliche Erhöhung der Übergänge von Hauptschulabsolventen in die ungeförderte betriebliche Ausbildung
  • Stärkere Einbindung der Betriebe in die Übergangsphase.
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Potenziale von Hauptschülern
  • Service für Betriebe bei der Auswahl von Auszubildenden

Umsetzung

  • Das Netzwerk, an dem mittlerweile 75  Hamburger Unternehmen aktiv mitwirken, ist im Jahr 2000 auf private Initiative entstanden.
  • Nach der erfolgreichen Pilotphase wurde dieses Modell sukzessive auf alle Hamburger Schulen mit Hauptschulzweigen ausgeweitet. Bei der Arbeitsstiftung Hamburg wurde deshalb zum September 2001 eine Koordinierungsstelle Ausbildung eingerichtet, die mittlerweile durch die Freie und Hansestadt Hamburg sowie durch die Arbeitsagentur Hamburg gefördert wird.
  • Inzwischen wird in Hamburg flächendeckend an allen allgemein bildenden Schulen, an denen Jugendliche den Hauptschulabschluss machen, gearbeitet. (zukünftige Zielgruppe des Modells: Schüler und Schülerinnen mit dem 1. Bildungsabschluss)
Konzept und Arbeitsweise
  • Das Hamburger Hauptschulmodell basiert auf dem 3-Pfeiler-Konzept, in dem Lehrer, Berufsberater der Arbeitsagentur und Personalfachleute aus Betrieben bei der Berufsorientierung der Schulabgänger im Abschlussjahr zusammenwirken.
  • Das 3-Pfeiler-Konzept
    • Schule: Einschätzung der Stärken und Interessen durch die Schüler selbst, sowie ihre Lehrer und Mitschüler
    • Arbeitsagentur: Berufsberatung und Vermittlung durch die Berufsberater des Arbeitsamtes
    • Partnerunternehmen: Personalreferenten aus Hamburger Großunternehmen überprüfen den Stand der Berufsorientierung auf Stimmigkeit, beraten und bieten Vermittlungsunterstützung
  • Die Steuerung des Prozesses erfolgt durch die Koordinierungsstelle Ausbildung (angesiedelt bei der Arbeitsstiftung Hamburg)
Die Kernaufgaben der Projektpartner Kernaufgaben der Schulen:
  • Erstellung eines Kompetenzprofils für jeden Jugendlichen
  • Erstellung von Bewerbungsmappen
  • Datenerhebung und Übersendung der Profile an die Koordinierungsstelle Ausbildung
  • Information im Kollegium
  • Ermutigung der Schülerinnen und Schüler, einen Ausbildungsplatz zu suchen, schulische Berufsorientierung
Kernaufgaben der Berufsberatung:
  • Übersendung ihrer schülerbezogenen Daten an die Koordinierungsstelle Ausbildung (zentrale Datenbank)
  • Einzelberatung und Vermittlung
Kernaufgaben der Unternehmen:
  • Simulierte Bewerbungsgespräche mit den Jugendlichen, individuelles Feedback an die Jugendlichen, individuelle Beratung, Tipps für die weitere Ausbildungsplatzsuche,
  • Festhalten der Gesprächsergebnisse und Übersendung an die Koordinierungsstelle Ausbildung
Kernaufgaben der Koordinierungsstelle Ausbildung:
  • Workshopangebote für Lehrkräfte, Berufsberaterinnen und -berater sowie Unternehmensvertreterinnen und –vertreter, Erstellung und Weitergabe von Informationen (jede Lehrkraft erhält eine CD mit allen wichtigen Projekt-Informationen)
  • Projektplanung
  • Erstellung von Instrumenten zur Erfassung der individuellen Profile der Jugendlichen
  • Laufende Prozessunterstützung: Einzelberatung der Jugendlichen, Hilfe bei Bewerbungsschreiben, beim Suchen und Finden von Ausbildungsplätzen, beim Vorbereiten auf Vorstellungsgespräche, beim Erstellen einer Nächste-Schritte-Liste („Was ist als nächstes von wem zu tun?"), Koordination von Gesprächen, Terminen, Informationsaustausch
  • Ausbildungsplatzakquise
Ablauf
  • Datenbankaufbau und –pflege, regelmäßige Auswertung der Daten und Meldung der Ergebnisse an alle beteiligten Institutionen (Schulen, Schulaufsicht, Steuerungsgruppe, Bundesagentur für Arbeit, Senatsverwaltung, Beirat)
  • Unterstützungsangebot an Schülerinnen und Schüler
  • Akquise freier Ausbildungsplätze
  • Vorschläge an die Jugendlichen, zu welchen Betrieben sie mit ihrem Profil passen

Erfolge

  • Die Übergangsquote in eine ungeförderte betriebliche Ausbildung konnte deutlich gesteigert werden (Schuljahr 2008/2009: 19,12 %).
  • 75 Partnerunternehmen unterstützen das Hamburger Hauptschulmodell.
  • Das Hamburger Hauptschulmodell wurde in viele Regionen (u.a. Berlin, Nürnberg, Basel, Ostwestfalen-Lippe) transferiert.
  • Die Lufthansa Technical Training sowie die Phoenix Compounding Technology GmbH führen seit einigen Jahren Kurse zur Berufsorientierten Ausbildungsvorbereitung durch (jeweils 12 Jugendliche pro Jahr), die Vorauswahl der Jugendlichen findet durch die Koordinierungsstelle Ausbildung statt. Die Quote der Jugendlichen, die im Anschluss einen Ausbildungsplatz erhalten, liegt bei über 90 %.

Kontakt

Michael Goedeke

Arbeitsstiftung Hamburg GmbH
Adenauer Allee 2
20097 Hamburg

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Hamburg

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

1.762.791

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

7,5

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!