Hameln – Eine dorfähnliche Wohnanlage speziell für Menschen mit Demenz

Immer mehr Menschen erkranken an Demenz. Die dorfähnliche Wohnanlage „Tönebön am See" ist speziell auf die Bedürfnisse demenzkranker Senioren ausgerichtet und bietet ihnen in einem geschützten Rahmen viele Freiheiten und einen möglichst normalen Alltag.

Ausgangslage

  • Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft erwartet einen Anstieg der Demenzerkrankungen von aktuell 1,4 Millionen auf ca. 3 Millionen Menschen im Jahr 2050.
  • Demenzerkrankte finden sich häufig in ihrem gewohnten Lebensumfeld nicht mehr zurecht und benötigen einen geschützten Rahmen, um sich frei bewegen zu können.

Ziele

  • In der geschützten Wohnanlage „Tönebön am See" sollen Demenzkranke ihren Alltag so normal wie möglich leben können. Dabei sollen die individuellen Bedürfnisse der Bewohner im Mittelpunkt stehen.
  • Die geschützte Anlage soll es den Erkrankten ermöglichen, so frei und selbstständig zu leben, wie es möglich ist.
  • Die Tage sollen mit angenehmen Aktivitäten gefüllt sein, um den Bewohnern einen schönen Lebensabend zu ermöglichen.
  • Die Angehörigen sollen von der oftmals zeit- und kraftraubenden Pflege und Betreuung entlastet werden.

Umsetzung

  • Das Haus „Tönebön am See" bietet Wohn- und Lebensraum für 52 pflegebedürftige Menschen mit Demenz bzw. eingeschränkter Alltagskompetenz und einem hohen Pflege- und/oder Betreuungsbedarf.
  • Das bekannte niederländische Demenzdorf „De Hogeweyk" in der Nähe von Amsterdam dient als Vorbild.
  • Die Wohnanlage bietet eine überschaubare Lebenswelt, die auf die spezifischen Bedürfnisse Demenzkranker ausgerichtet ist.
  • Es gibt vier ebenerdige Häuser, die sich um einen Garten gruppieren.
  • Jede Hausgemeinschaft verfügt über einen großen Wohn- und Küchenbereich und 13 Einzelzimmer.
  • Die privaten Zimmer können individuell möbliert und gestaltet werden. Lediglich das Pflegebett gehört zur obligatorischen Grundausstattung. Einige Zimmer sind mit einer Verbindungstür versehen und deshalb sehr gut für Paare geeignet.
  • In familienähnlichen überschaubaren Gruppen können die Erkrankten ein Leben führen, dass sich am „normalen" Alltag orientiert.
  • Um gut auf die Bedürfnisse der Bewohner eingehen zu können, sind die Abläufe bewohnerorientiert.
  • Im Rahmen der Biografiearbeit werden persönliche Ressourcen und Wünsche ans Tageslicht befördert.
  • Bei der Gestaltung von Wohnanlage und Tagesstruktur wurde darauf geachtet, sowohl Rücksicht auf den Wunsch nach Privatsphäre und Rückzug als auch auf das Bedürfnis nach Gemeinschaft und Nähe zu nehmen.
  • Die Mahlzeiten werden täglich individuell in den Wohnküchen zubereitet.
  • Die Bewohner und Bewohnerinnen helfen bei Haushalt, Einkauf und Gartenpflege, sofern sie dies möchten und ihre Fähigkeiten es zulassen. Hier gilt der Grundsatz: „Wer kann und mag, der darf und soll."
  • Ein Café, ein Laden und Frisör helfen bei einer möglichst alltagsnahen Lebensführung.
  • In „Töneböns Minimarkt" steht ein bedürfnisorientiertes Grundsortiment zur Verfügung. Außerdem finden die Erkrankten dort die Zutaten für die gemeinsamen Mahlzeiten vor, die zuvor beim Kooperationspartner bestellt wurden. Sie können gemeinsam mit Alltagsbegleitern „eingekauft" werden.
  • Ein Dorfplatz mit Sitzbänken unterstützt geselliges Beisammensein und der Sinnesgarten ermöglicht neue Erfahrungen.
  • Die Wege sind so angelegt, dass es keine Sackgassen gibt. So können sich die Bewohner nicht verlaufen.
  • Sie können sich in der Anlage frei bewegen und jederzeit z. B. den Garten aufsuchen. Möglich ist dies dadurch, dass sie von einem Zaun umgeben ist, der orientierungslose Menschen daran hindert, wegzulaufen. Ohne ihn könnten viele Demenzkranke nicht selbstständig aus dem Haus gehen. Das Gelände kann lediglich über die Rezeption im Haupthaus verlassen werden. In diesem geschützten Rahmen können viele Bewohner eine Freiheit erleben, die außerhalb der Anlage nicht mehr möglich ist.
  • Es werden Besichtigungsmöglichkeiten für Schulklassen (Auszubildende in der Pflege, Investoren u.s.w.) angeboten.
  • Die pflegerische Versorgung ist selbstverständlich zusätzlich über 24 Std. in der Einrichtung über unseren sogenannten Pflegepool geregelt.
  • Das Konzept wurde im Rahmen des Sozialen Betreuungskonzeptes durch Tiergestützte Projekte (Hunde- und Pferdeprojekt) erweitert.

Erfolge

  • Es leben aktuell 52 dementiell veränderte Bewohner in Tönebön am See (je 13 pro Villa bzw. Hausgemeinschaft)
  • Viele Heimplatzanfragen aus ganz Deutschland: Es wird eine Warteliste geführt.
  • Die Einrichtung wird derzeit erweitert: um 2 Villen mit insgesamt 24 zusätzlichen Heimplätzen. Die Einzüge sind für März 2018 geplant.
  • Ähnliche Konzepte sind nach Information von Investoren in verschiedenen Regionen Deutschlands geplant.
  • Die Medien zeigen immer noch großes Interesse an Tönebön.

Kontakt

Haus Tönebön am See

Tönebönweg 11
317879 Hameln
Telefon: 05151 / 78 104-0

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

HamelnNiedersachsen

Demographietyp

Stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck

Bevölkerung 2015

56.529

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-6,7

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