Gießen - Eine Schule für alle

Diese Gießener Schule ist für alle. Sie ist inklusiv und integrativ. Hier wird gemeinsam in gegenseitiger Wertschätzung, aber in unterschiedlichem Tempo und Umfang gelernt. Für ihr modernes Schulkonzept wurde die Schule mit dem Jakob-Muth-Preis 2009 ausgezeichnet.

Ausgangslage

  • Eltern von Kindern mit Behinderung in verschiedenen integrativen Kindertagesstätten der Lebenshilfe gaben den Anstoß zur Gründung einer integrativen Schule. Die Lebenshilfe Gießen e.V. gründete danach 1998 die Sophie-Scholl-Schule, an der Behinderung als eine „Spielart des Verschieden-Seins" betrachtet wird – keine Behinderung wird ausgeschlossen.

Ziele

  • Alle Kinder sollen in einer Schule länger und gemeinsam lernen.
  • Die Sophie-Scholl-Schule will jedem Kind selbständiges Lernen in größtmöglicher Freiheit eröffnen und schafft dafür einen gemeinschaftlichen Rahmen, in dem die Verschiedenheit aller Kinder Voraussetzung jeden Handelns ist.

Umsetzung

  • Alle Schüler/innen werden zieldifferenziert von einem multiprofessionellen Team bestehend aus Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen und Schulformen, Erzieher/innen oder Sozialpädagog/inn/en betreut. Zusätzlich unterstützen junge Menschen im Sozialen Jahr die Betreuung der Schüler/innen (Jahrgang 1-6). Bei Bedarf erhalten Schüler/innen mit schweren Behinderungen eine personenbezogene Schulassistenz, die ebenfalls Teil des Lerngruppenteams wird.
  • Die Schule ist eine Ganztagsschule, in der sich Lernzeiten rhythmisiert über den ganzen Schultag spannen. Die Kinder arbeiten in definierten Zeiten gemeinsam an Übungsaufgaben, dadurch entfallen – bis auf wenige Ausnahmen – die Hausaufgaben. Alle Schüler/innen können Therapieangebote während der Unterrichtszeit wahrnehmen.
  • Die Sophie-Scholl-Schule entwickelte auf der Grundlage tradierter reformpädagogischer Modelle ein lebendiges, modernes Schulkonzept, in dem Integration/Inklusion, Jahrgangsmischung und der Ganztag grundlegend sind.

Integration/Inklusion:

  • In allen Lerngruppen der Sophie-Scholl-Schule lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam.
  • Inklusion umfasst dabei die Vision, alle gesellschaftlichen Teilbereiche langfristig so zu verändern, dass sie tatsächlich barrierefrei für alle Menschen zugänglich und inhaltlich zuträglich sind, kurz: dass sie tatsächlich für alle (!) da sind.
  • Für den Bereich der Schule bedeutet ein solches Denken, nicht nur behinderte Kinder zum Regelunterricht hinzuzunehmen und diese innerhalb der ansonsten unveränderten Situation bestmöglich zu fördern, sondern darüber hinaus die Strukturen so zu verändern, dass prinzipiell eine individuelle Förderung jeden Kindes in einer für alle offenen Institution erfolgen kann - ohne Be-Sonderung und Etikettierung.
  • Beim Arbeiten mit dem Wochen- oder Tagesplan arbeiten alle Schüler einer Lerngruppe z. B. in der gemeinsamen Rahmung. Jedes Kind erhält während dieser Arbeitsphasen individualisierte Arbeitsaufträge gemäß dem persönlichen Lern- und Entwicklungsstand.
  • Am gemeinsamen Thema lernen alle Schüler/innen in wechselnden Kleingruppenzusammensetzungen.
  • Daneben gibt es spezielle Förder- und Therapiearrangements ebenso wie vielfältige Formen freier Arbeit. Besondere Rituale zur Verständigung und zur Orientierung im Tagesverlauf sind für die Schaffung inklusiver Strukturen von großer Bedeutung.

Jahrgangsmischung:

  • Die Sophie-Scholl-Schule ist als jahrgangsgemischte Stufenschule aufgebaut. In jeder Lerngruppe arbeiten zwei benachbarte Jahrgänge gemeinsam. Dadurch können die Kinder einerseits durch ein vorhandenes Bildungsgefälle in der Gruppe stärker von- und miteinander lernen, so wie sie es aus natürlichen, außerschulischen Zusammenhängen bereits kennen, andererseits unterstützt das jahrgangsübergreifende Arbeiten die Kultur des gegenseitigen Helfens und schafft besondere Gelegenheiten des sozialen Lernens.
  • Alle jahrgangsgemischten Gruppen einer Stufe orientieren sich in ihrer Arbeit an gemeinsamen Stufenzielen. Diese Stufenziele beziehen sich auf das fachliche Lernangebot in den Gruppen, und zusätzlich auf überfachliche Entwicklungsziele, die etwa methodische Kenntnisse oder Stufen der Selbstorganisation betreffen.

Ganztag:

  • Die Sophie-Scholl-Schule bietet ein spannendes Ganztagskonzept mit einer Rhythmisierung, die den Lern-, Bewegungs- und Spielbedürfnissen von Kindern und Jugendlichen entgegen kommt.
  • Gemeinsame Mahlzeiten gehören zum Gruppenleben und sind Teil der eigenen Kulturentwicklung. Hausaufgaben bleiben überwiegend Schul-Aufgaben und werden vollständig oder größtenteils in Übungszeiten erledigt.
  • Kinder, deren Lernentwicklung dies erforderlich macht, erhalten individuelle Förderpläne. Für alle gelten die gleichen Arbeitsformen, die gleichen Regeln und Rituale.
  • Der persönliche Lernfortschritt wird in Beziehung zum individuellen Leistungsvermögen gesetzt. Kinder und Eltern erhalten dazu regelmäßig Rückmeldungen der Lehrkräfte. Ausführliche Lernentwicklungsberichte dokumentieren die Leistungsentwicklung jedes Kindes und ersetzen ein Notenzeugnis.
  • Die Schule kooperiert mit einer benachbarten therapeutischen Praxis, so dass therapeutische Maßnahmen im Einklang mit dem Schulleben möglich sind.

Erfolge

  • Weiterführende Schulen attestieren den Schülerinnen und Schülern besondere Selbstständigkeit im Lernprozess und eine herausragende soziale Kompetenz.
  • Kollegen aus anderen Schulen (regional, überregional, europäisches Ausland) lassen sich in der Sophie-Scholl-Schule erläutern, wie inklusives Lernen funktionieren kann.
  • Die Schule ist im gesellschaftlichen Umfeld sehr gut vernetzt.
  • 2009 erhielt die Schule den Jakob Muth-Preis.

Kontakt

Invield Helmer-Leemhuis

Primarstufe
Sophie-Scholl-Schule Gießen
Rooseveltstr. 7 – 9
35394 Gießen
Telefon: 0641 - 94 43 00

Michael Plappert

Sekundarstufe
Sophie-Scholl-Schule Gießen
Grünberger Str. 222
35394 Gießen

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Gießen (GI) Hessen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

83.280

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

3,6

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