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Klixbüll – Das Dörpsmobil

Elektromobiles Carsharing im ländlichen Raum: Das Dörpsmobil in Klixbüll ergänzt Mobilitätslücken und fährt mit ‚hausgemachtem‘ Strom. Nach dem Klixbüller Vorbild gibt es nun einen Leitfaden zur systematischen Einführung eines eigenen Dörpsmobils in anderen Orten.

Ausgangslage

  • Die Gemeinde Klixbüll im Kreis Nordfriesland ist ein ländlich gelegenes, langgezogenes Straßendorf mit rund 1000 Einwohnern.
  • Die Bevölkerung im ländlichen Raum Schleswig-Holsteins altert und wird somit immer weniger mobil.
  • Die Wege zu Ärzten, Geschäften und anderen Dienstleistern werden weiter, da diese sich mehr auf große Orte konzentrieren.
  • Die Angebotsqualität des ÖPNV wird zukünftig immer schwerer zu halten sein.
  • Der in Nordfriesland produzierte Strom übersteigt den Verbrauch vor Ort wesentlich.
  • Klixbüll ist die erste deutsche Gemeinde, die eine eigene Resolution für die Erfüllung der Agenda 2030 verabschiedet hat.

Ziele

  • Lückenschluss im ländlichen Mobilitätsgefüge für mehr Teilhabe der ländlichen Bevölkerung
  • Steigerung der regionalen Wertschöpfung: Strom gebrauchen, ehe er abgeregelt oder abtransportiert wird („Sektorenkopplung“)
  • Stärkung des Tourismus, der eine wichtige wirtschaftliche Säule für Nordfriesland ist
  • Übergeordnete Zielsetzung ist es, die Idee der Elektromobilität weiter zu befördern.

Umsetzung

  • Die Gemeinde Klixbül schaffte einen Elektro-Leasingwagen an, den Bewohner und Touristen stunden- oder tageweise mieten können: das Dörpsmobil (Plattdeutsch Dörp = Dorf).
  • Das Fahrzeug wird mit Strom aus dem gemeindeeigenen Windpark geladen. Dafür installierte die Gemeinde ein differenziertes Ladeleistungssystem: 9 Ladesäulen mit unterschiedlicher Ladeleistung zwischen 3,7 und 22 Kilowatt je nach erwartetem Bedarf stehen im Gemeindegebiet.
  • So konnten die Ladesäulen vergleichsweise günstig installiert werden: 9 Ladesäulen für 25.000 Euro. Hierfür wurden Fördermittel der AktivRegion Nordfriesland Nord eingeworben.
  • Das Dörpsmobil steht für alle Mitglieder zugänglich auf dem Grundstück des Bürgermeisters der Gemeinde Klixbüll. (Das zweite nun zentral im Dorf – hierdurch erhöhten sich auch die Nutzerzahlen.)
  • Die stundenweise Reservierung des Dörpsmobils erfolgt über ein Onlineportal. Auch Mitfahrgelegenheiten können hier in Anspruch genommen und angeboten werden.
  • Träger des Projektes ist der „Dörpscampus Klixbüll e.V.“: An den be­stehenden Verein wurde die Sparte „Dörpsmobil“ angegliedert. Wer den Wagen nutzen möchte, muss – zumindest vorübergehend – Mitglied im Verein sein. Denn die Dörpsmobil-Nutzer sind über den Verein versichert.
  • Touristen können kurzfristig und vorübergehend für die Dauer ihres Aufenthalts in den Verein aufgenommen werden.
  • Die Vereinsmitglieder zahlen einen monatlichen Grundbeitrag von 5 Euro und eine Fahrzeugmiete von 3,50 Euro pro Stunde. Urlaubs- und Ganztagstarife sind auch möglich. Zu diesen Bedingungen schreibt das Dörpsmobil in Klixbüllbereitsbei 90 Stunden Auslastung pro Monat eine schwarze Null.
  • Mitglieder ohne eigenen Führerschein können das Dörpsmobil ebenfalls mieten. Dafür gibt es einen ehrenamtlichen Fahrdienst, der ebenfalls über den Verein organisiert ist.

Erfolge

  • Das Fahrzeug trägt sich alleine aus den Mitgliedsbeiträgen und Nutzungsgebühren.
  • 27 Personen nutzen derzeit das Dörpsmobil.
  • Klixbüll besitzt inzwischen ein zwei­tes Dörpsmobil. Das neue Fahrzeug mit einem 41-KWh-Akku ermöglicht nun auch Fahrten ohne Zwischenladen nach Kiel und zurück (ca. 240 km). Es steht zentral im Dorf, wodurch die Nutzerzahlen noch einmal deutlich stiegen.
  • Der Bürgermeister der Gemeinde verkaufte sein fossil betriebenes Kfz. Seine Dienstfahrten erledigt er seitdem mit dem elektrisch betriebenen Dörpsmobil.
  • Viele der Vereinsmitglieder haben sich in Klixbüll als ehrenamtliche FahrerInnen eintragen lassen.
  • 10 weitere Dörpsmobile in anderen Orten sind bereits entstanden.
  • Die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e.V., das Landes-Innenministerium und das Landes-Umweltministerium unterstützen die Verbreitung des Projekts aktiv. Als landesweites Kooperationsprojekt aller 22 AktivRegionen (LEADER-Ansatz) wurde ein Leitfaden zur Implementierung des Dörpsmobils in anderen Kommunen entwickelt und im Januar 2018 veröffentlicht. Dafür gab Klixbüll den Namen „Dörpsmobil“ als Dachmarke für die Dörpsmobile Schleswig-Holstein ab.
  • Es herrscht bundesweit großes Interesse am Dörpsmobil und weiteren Aktivitäten der Gemeinde Klixbüll.
  • Das Dörpsmobil wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter einThemenpreis bei der schleswig-holsteinischen Energieolympiade (2017) und der Tassilo-Tröscher Preis der Agrarsozialen Gesellschaft e.V.
  • Der Tourismus-Aspekt soll weiter gestärkt werden nach dem Motto: Zuganreise und dann umsteigen auf das Dörpsmobil. Außerdem soll eine einheitliche Buchungs-, Abrechnungs- und Zugangsstruktur für die Dörpsmobile Schleswig-Holstein realisiert werden.

Kontakt

Werner Schweizer

Bürgermeister
Gemeinde Klixbüll (Kreis Nordfriesland)
25899 Klixbüll

Weitere Informationen

Dörpsmobil Klixbüll

Gemeinde Klixbüll

 Praxis-Leitfaden „Dörpsmobil SH – Wir bewegen das Dorf des AktivRegionen-Netzwerkes Schleswig Holstein (Hrsg.) (pdf) 

Gedruckte Exemplare können über die Geschäftsstelle der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e.V. bestellt werden:

Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e.V.

Ansprechpartner: Torsten Sommer

Hamburger Chaussee 25

24220 Flintbek

      Email: info@alr-sh.de

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Demographieprofil

KlixbüllSchleswig-Holstein

Bevölkerung 2015

961

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