Dokumentplatzhalter

Leipziger Kinderbüro – Kinder planen ihre Stadt

Damit die Orte, wo Kinder spielen und Jugendliche sich treffen, auch den Bedürfnissen junger Menschen entsprechen: Das Leipziger Kinderbüro e. V. bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich selbst aktiv in die Gestaltung ihres Wohnumfeldes einzubringen.

Ausgangslage

  • Die Lebensbereiche für Kinder werden in den meisten Fällen von Erwachsenen geplant. Dabei werden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen häufig nicht erkannt bzw. bewusst ignoriert.
  • Zum Aufwachsen in einer demokratischen Gesellschaft gehört jedoch die frühe Beteiligung an der Gestaltung der für Kinder und Jugendlichen wichtigen Lebensbereiche (vgl. KJHG § 8, Abs. 1). Das betrifft beispielsweise Mitentscheiden:
    • bei der Stadt- und Verkehrsplanung
    • bei der Wohn- und Spielraumgestaltung
    • im Freizeit- und Umweltbereich
    • im weiteren Sinne in der Kinder- und Jugendpolitik
  • Die Ausgangsbedingungen in Leipzig sind günstig:
    • Es gibt eine Dienstanweisung des Oberbürgermeisters, in der die Kinderbeteiligung als Regelaufgabe festgelegt ist.
    • Ein zweijähriger städtischer Modellversuch wurde durch das Leipziger Kinderbüro durchgeführt, in dem Jugendbeiräte in zwei Stadtbezirksbeiräte der Stadt implementiert wurden.
    • Die Stadtverwaltung unterstützt außerdem Partizipationsprojekte in Gebieten der Sozialen Stadt.

Ziele

  • Erhöhung der fachlichen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen durch unmittelbare Beteiligung an der Stadterneuerung in Richtung kinderfreundliche Stadt
  • Erhöhung der sozialen Kompetenz durch projektbezogene kommunikative Strukturen
  • Förderung von Engagementbereitschaft und des Vertrauens in demokratische Institutionen
  • Erhöhung der Identifikation der jüngeren Bewohner mit ihrem Stadtteil
  • Belebung des Gemeinwesens durch Möglichkeiten des generationsübergreifenden Dialogs mit Stadtteilbewohnern
  • Verbesserung der sozialen Situation der Stadtteilbewohner durch gezielte Projektarbeit

Umsetzung

  • Das Leipziger Kinderbüro ging aus einem Bund-Länder-Modellversuch mit dem Titel „Kinder planen ihren Stadtteil" hervor. Es wurde ein eingetragener Verein gegründet, der den kinderzentrierten Partizipationsansatz übergreifend und nachhaltig fortführt.
  • Das Kinderbüro arbeitet als anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe mit Kindern und Jugendlichen von 6 – 18 Jahren in Stadtvierteln mit erhöhtem Erneuerungsbedarf.
  • Wichtige Aufgaben des Leipziger Kinderbüros sind:
    • Beratung von Kindereinrichtungen und Schulen zum Thema 'Partizipation'
    • Informationsarbeit für Eltern
    • Vermittlung zwischen verschiedenen Ämtern der Stadt Leipzig, kommunalen Einrichtungen, Organisationen und Initiativen, die für Kinder und Jugendbelange tätig sind
    • Organisation von Kinderratssitzungen und Kinderanhörungen
    • breite Öffentlichkeitsarbeit
  • Bearbeiterteams, die aus interessierten Kindern und Jugendlichen sowie Mitarbeitern des Kinderbüros bestehen, ermitteln gemeinsam relevante Themen, die in die Projektarbeit einfließen.
  • Dabei handelt es sich vor allem um umsetzungsorientierte und kurzfristig realisierbare Projekte, an denen nicht nur Kinder und Jugendliche und deren Eltern, sondern auch andere Bewohner des Stadtteils teilnehmen können.
  • Alle Projekte gehen konsequent vom Kinderwillen aus. Das Leipziger Kinderbüro übernimmt hauptsächlich eine Moderatorenfunktion. Es vermittelt, verstärkt und stellt Kontakte zwischen den Kindern und den Entscheidungsträgern her.
  • Das Leipziger Kinderbüro realisiert u.a. folgende Projekte (vgl. Konzeption 2010 des Leipziger Kinderbüros):
    • Spielplatzplanungen und Schulhofumgestaltungen und Spielraumkonzept Innenstadt Leipzig
    • Aufspüren von Verkehrsproblemen für Kinder und Analyse von Stadtplätzen, Hinterhöfen und des Stadtgrüns
    • Drehen von Videofilmen/Schreibprojekte über das Leben von Kindern in den Stadtvierteln
    • Gestaltung von Hausfassaden (Graffiti, Begrünung)
    • kinderfreundliche Verwaltungen und Hausordnungen

Erfolge

  • Die Projekte des Leipziger Kinderbüros fördern grundsätzlich das Verständnis zwischen Alt und Jung.
  • Kinder und Jugendliche erfahren eine positive Wahrnehmung auf ihr Engagement im Stadtteil und werden dadurch motiviert, sich weiter für ihr Lebensumfeld einzusetzen.
  • Bei Stadtangestellten erhöht sich das Verantwortlichkeitsgefühl bei kinderrelevanten Projekten.
  • Bei den Eltern beteiligter Kinder und Jugendlicher entwickeln sich Zuversicht in die Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz ihrer Kinder.
  • Die Lehrpersonen setzen bei Schulprojekten stärker auf Partizipation.

Kontakt

Samira Winkler/Susann Pruchnik

Leipziger Kinderbüro e. V.
Rietschelstraße 2
04177 Leipzig

Weitere Informationen

Das Leipziger Kinderbüro

 

Literatur des Leipziger Kinderbüros (herausgegeben von Gerhard Lehwald):

  • (2007) Wohnumfeldgestaltung mit Kindern - Lust oder Frust? in R. Thomsen (Hrsg.), Kinder bauen Ihre Stadt. Dokumentation zur Fachtagung. Hamburg: Thomsen-Stiftung.
  • (2005) Der Leipziger Kinder- und Familienfreundlichkeitscheck Stadt Leipzig: Jugendamt und Leipziger Kinderbüro.
  • (2004) Das Leipziger Kinderbüro - wichtiger Akteur im URBAN-Erneuerungsgebiet. In Leipziger Sanierungratgeber, VSR Verlag, S. 48-50.
  • (2002) Eine Stadt als Spielraum - Leitfragen der Kinderbeteiligung. In Reihe Stadterneuerung. Stadt Leipzig: Der Oberbürgermeister.
  • (2001) Partizipation und Demokratielernen in einem Stadtteilbüro für Kinder: Das Leipziger Kinderbüro. In Pädagogisches Handeln. Wissenschaft und Praxis im Dialog (Heft 5). Rostock: Universität, S. 71-80.
  • (2001) Beteiligung schafft Motivation und Identifikation. Wohnumfeldgestaltung mit Kindern. Corax - Magazin für Kinder und Jugendarbeit. Heft 9, S.8-13.
  • (1999) Kinder gestalten ihre Stadt. Reihe Sanierungsgebiete. Stadt Leipzig Der Oberbürgermeister.
  • (1998) Kinder bauen mit. Stadterneuerung in Leipzig - ein neues Beteiligungsfeld für Kinder und Jugendliche, Bundesbaublatt, 9, S. 59 – 63.
  • (1997) Planen mit Kindern und Jugendlichen. Kommentierter Tagungsbericht. Leipzig: Leipziger Kinderbüro.
  • (1997) Beteiligungsmodelle: Kinder- und Jugendbeiräte, -foren und -parlamente. In Palentin, C. & Hurrelmann, K.(Hrg.), Jugend und Politik. Berlin: Luchterhand.
  • (1996) Können Kinder ihren Stadtteil planen? In: Mansel (Hrsg.), Glückliche Kindheit - Schwierige Zeit?. Opladen: Leske + Budrich.
 

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Demographieprofil

LeipzigSachsen

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2016

571.088

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

13,9

Dokument

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!