Landkreis Ludwigslust - Flächendeckendes Dienstleistungsangebot im ländlichen Raum

In ländlichen Regionen müssen die Bürger lange Wege zurücklegen um kommunale Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Zur Entlastung der Bürger geht man im Landkreis Ludwigslust neue Wege. Durch interkommunale Kooperationen zwischen Landkreis und kreisangehörigen Gemeinden können die Dienstleistungen der Kreisverwaltung flächendeckend angeboten werden.

Ausgangslage

  • Als Sitz der Kreisverwaltung ist Ludwigslust die größte Stadt des Landkreises, die übrigen 85 Gemeinden werden wiederum in 9 Ämtern zusammengefasst.
  • In den 1990ern wurde in der Kreisverwaltung im Zuge des Projekts „Landratsamt 2000" das „Neue Steuerungsmodell" mit allen Komponenten eingeführt und dementsprechend Verwaltungsaufbau und -abläufe angepasst. Seit dem Jahr 2001 strebt die Kreisverwaltung durch das Projekt „Verwaltung 21 online" den Ausbau der eGovernment-Aktivitäten an.

Ziele

  • Aus den beiden Programmen „Landrat 2000" und „Verwaltung 21 online" entwickelten sich drei Leitzeile:
    • flächendeckende Erweiterung der kommunalen Dienstleistungen
    • Reduzierung der Verwaltungsgänge für den Bürger
    • Ausbau der politischen Partizipation durch eGovernment
  • Als strategische Maßnahme wurde eine umfassende Kooperation des Landkreises mit den kreisangehörigen Gemeinden/Ämtern vereinbart. Diese Kooperation umfasst sowohl den Front-Office- als auch den Back-Office-Bereich.

Umsetzung

  • Das Grundgerüst der Kooperation zwischen Landkreis und kreisangehörigen Gemeinden basiert auf drei Säulen: Kreisnetz, Kommunalportal und kooperative Bürgerbüros. Durch das Kreisnetz fungiert die Kreisverwaltung als Brückenkopf zu den Landesnetzen und -diensten und dient damit als Kompetenzcenter und Anlaufstelle der kleineren Gemeinden.
  • Zentraler Bestandteil der eGovernment-Lösung ist das Kommunalportal, unter dessen Dach alle Gemeinden des Landkreises vertreten sind. Während alle gemeinsamen Dienst- und Verwaltungsleistungen durch die gleiche Administration bereitgestellt werden, können die Gemeinden die eigene Webseite gestalten und sich so individuell präsentieren. Gleichzeitig sind alle Mitarbeiter an ein gemeinsames Intranet, z. B. für zentrale Buchungen, angeschlossen.
  • Kernprojekt der Zusammenarbeit im Front-Office-Bereich bilden die kooperativen Bürgerbüros. In den derzeit 5 Außenstellen werden die Aufgaben und Dienstleistungen von Landkreis und Gemeinden gemeinsam wahrgenommen. Dabei existieren zwei Arten von kooperativen Bürgerbüros, die sich hinsichtlich Personalzugehörigkeit und Leistungsangebot unterscheiden:
    • Typ A: Im Bürgerbüro Boizenburg arbeiten die Mitarbeiter der Gemeinde gemeinsam mit Landkreismitarbeitern zusammen.
    • Typ B: In den Bürgerbüros Stralendorf, Zarrentin und Wittenburg, Dömitz arbeiten die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung unter Begleitung des Landkreises.
  • In allen Bürgerbüros werden die typischen Leistungen angeboten, die von dem Großteil der Bürger in den meisten Lebenslagen benötigt werden. In Boizenburg können die Bürger auch KFZ-Zulassungen beantragen. Zusätzlich erfüllen die Angestellten auch verschiedene Funktionen als Verwaltungslotsen, in dem sie Bürger und Unternehmen über verschiedene weiterführende Leistungen informieren, beraten und Vorprüfungen durchführen.
  • In Boizenburg erfolgt die Finanzierung der Personalkosten für die jeweils eigenen Mitarbeiter. Die Sachkosten werden geteilt. Die übrigen Bürgerbüros werden über Kostenpauschalen finanziert. Einnahmen fließen in allen Fällen dem Aufgabenträger zu.
  • Wichtig ist vor allem die Auswahl und Ausbildung der Mitarbeiter. Dem Selbstverständnis nach handelt es sich um Bürgerberater, die aufgrund des breiten Spektrums an Beratungsleistungen neben der fachlichen Qualifikation auch emotional geschult werden. Zentrales Auswahlkriterium sind vor allem fundierte Kenntnisse über Verwaltungsabläufe, um so optimale Beratungsleistungen gewähren zu können. Die Schulungen erfolgen durch Training on the Job in bereits bestehenden Einrichtungen und werden ständig optimiert.

Erfolge

  • Durch die kooperativen Bürgerbüros konnte das Ziel der Kundenorientierung erfolgreich umgesetzt werden. Das kommunale Dienstleistungsangebot wurde an die Fläche des Landkreises angepasst, so dass sich vor allem die Anreisezeit für den einzelnen Bürger merklich verkürzt hat. Darüber hinaus profitiert der einzelne Bürger von der zentralen Beratungsleistung durch einen „persönlichen" Bürgerberater.
  • Der Ausbau des Kreisnetzes und des Kommunalportals ermöglicht den Bürgern, eine Vielzahl von Verwaltungsleistungen per Internet abwickeln zu können. Dadurch können Zeit und Ressourcen eingespart werden.
  • Die Verlagerung gewisser Leistungen in den Front-Office-Bereich hat, aufgrund der Entlastung der Mitarbeiter, im Back-Office-Bereich zu Performanceverbesserungen geführt. Vor allem die Vorprüfung von Anträgen wirkt sich dabei positiv auf Qualität und Bearbeitungszeiten aus, was wiederum die Kundenzufriedenheit erhöht.
  • Aufgrund der Standortvielfalt und dem dadurch bedingten höheren Personalbestand entstanden Mehrkosten für alle beteiligten Kommunen. Diese Kosten werden aber durch die beteiligten Kommunen akzeptiert, da die Bürger entlastet und die kommunalen Dienstleistungen verbessert werden konnten.
  • Das Kooperationsmodell der Kreisverwaltung fand bundesweit Beachtung, unter anderem durch einen Best-Practice-Award des Projekts „Media@Komm-Transfer" der Bunderegierung.

Kontakt

Günter Kremer

Fachdienstleiter
Landkreis Ludwigslust
Otto-Hahn-Str. 3
19061 Ludwigslust
Telefon: 0385 - 64 03 101

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Ludwigslust-Parchim, LK Mecklenburg-Vorpommern

Bevölkerung 2014

212.631

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-9,5

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