München – Schulanaloger Unterricht für junge Flüchtlinge

Schulanaloger Unterricht und individuelle Betreuung: Die in München ansässige SchlaU-Schule unterrichtet derzeit rund 320 junge Geflüchtete. Die SchülerInnen werden analog zum bayerischen Schulsystem unterrichtet und durchschnittlich innerhalb von 3 Jahren zu einem qualifizierenden Mittelschulabschluss geführt.

Ausgangslage

  • In München leben derzeit ca. 2.000 jugendliche Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren (Mai 2017).
  • Mittlerweile unterliegen auch Flüchtlinge zwischen 16 und 18 Jahren der Berufsschulpflicht. Die SchlaU-Schule wurde vor der eingeführten Berufsschulpflicht speziell für diese „verlorene Zielgruppe", der 16-21-Jährigen gegründet.
  • Viele der SchülerInnen sind traumatisiert und leiden unter Zukunftsängsten.
  • Sie befinden sich in einem Alter, in dem wichtige Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Ziele

  • Der Besuch der SchlaU-Schule soll jungen Flüchtlingen im Alter von 16 bis 21 Jahren (in Ausnahmefällen bis 25 Jahren) ermöglichen, den raschen Einstieg ins deutsche Regelschul- oder Ausbildungssystem zu schaffen.
  • Den SchülerInnen wird das Menschenrecht auf Bildung zugesichert und somit die Teilhabe an der Gesellschaft gewährleistet.

Umsetzung

  • Bei der SchlaU-Schule handelt es sich um eine staatlich anerkannte Schule, die vom Trägerkreis Junge Flüchtlinge e. V. getragen wird.
  • Sie richtet sich an junge Menschen, die sich gerade im Asylverfahren befinden oder bereits als Flüchtling anerkannt oder ohne Aufenthaltsstatus geduldet sind.
  • Finanziert wird die Schule aus öffentlichen Mitteln, Stiftungsmitteln und Spenden.
  • Die Schule ist vom Bayrischen Kultusministerium anerkannt.
  • Inzwischen werden ca. 220 junge Flüchtlinge in bis zu 15 Klassen unterrichtet.
  • Der Unterricht erfolgt gemäß dem Kernfächerkanon der bayrischen Haupt- und Mittelschulen und orientiert sich an der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler. Außerdem wird Wissen über die deutsche Gesellschaft vermittelt.
  • Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen der deutschen Sprache. Alphabetisierungskurse, die sich an Flüchtlinge richten, die auch in ihrer Muttersprache noch nicht alphabetisiert sind, werden ebenfalls angeboten.
  • Zusätzlich zum Schulunterricht bekommen die jungen Menschen eine intensive individuelle Förderung in einem geschützten Rahmen.
  • Im Gegensatz zur Regelschule gibt es in der SchlaU-Schule ein durchlässiges Klassenstufensystem und kleine Klassen mit durchschnittlich 16 Schülern und Schülerinnen pro Klasse, da die Flüchtlinge über sehr unterschiedliche Lernbiografien verfügen.
  • Die Klasseneinteilung erfolgt aufgrund eines Einstufungstests.
  • Der Mathematikunterricht wurde inzwischen aus dem Klassenverband ausgegliedert, da sich die Kenntnisse hier oft stark von den sprachlichen Fähigkeiten unterscheiden.
  • Durch den flexiblen Wechsel in andere Klassenstufen werden Unter- und Überforderung vermieden und die Motivation erhöht.
  • Wie in einer Regelschule gibt es zweimal im Jahr Zeugnisse. Ein Sitzenbleiben ist jedoch nicht möglich, da es individuelle Schuljahreslernziele gibt.
  • Die Schulabschlüsse werden an einer Kooperationsschule abgelegt.
  • Durchschnittlich bleiben die Schüler und Schülerinnen zwei bis drei Jahre an der SchlaU-Schule.
  • Es gibt zahlreiche Maßnahmen, die den Übergang ins Berufsleben erleichtern sollen, wie z. B. Bewerbungstraining, Betriebsbesichtigungen und Praktika.   
  • Seit 2011 gibt es das berufsbegleitende Programm „SchlaUzubi". Es umfasst zwei halbe Stellen aus dem Lehrendenteam und eine halbe Stelle aus dem Team der Sozialpädagogik sowie Ehrenamtliche. In den Räumen der SchlaU-Schule wird Nachbetreuung in den einzelnen Berufssparten angeboten.
  • Außerdem steht weiterhin sozialpädagogische Betreuung zur Verfügung, z. B. bei Mobbing oder rassistischen Übergriffen. Auch bei ausländerrechtlichen Fragen, familiären Belastungssituationen und anderen Problemen bekommen die jungen Flüchtlinge weiterhin Unterstützung.
  • Die Abteilung „Schulentwicklung und Qualitätsmanagement" sorgt für eine stetige Verbesserung der Schule.
  • Die 2016 gegründete Tochtergesellschaft „SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik" arbeitet an der Multiplikation des SchlaU-Konzepts und dessen 16-Jähriger Schulerfahrung mit jungen Geflüchteten.
  • Im November 2016 veröffentlichte die SchlaU-Werkstatt den ersten Lernordner der SchlaU-Lehrmaterialreihe. Der Ordner bietet ein ganzheitliches Alphabetisierungslehrmaterial speziell für junge Geflüchtete. Zusätzlich bietet die SchlaU-Werkstatt Fortbildungen nach dem SchlaU-Konzept für Pädagogen, Schulsozialarbeiter und Ehrenamtliche an.
  • 2018 wird die Schule in das „Junge Quartier Obersendling" umziehen, indem ein Bildungs-, Begegnungs- und Kulturzentrum entstehen wird.

Erfolge

  • Jedes Jahr erwerben ca. 70 Schüler und Schülerinnen einen Schulabschluss.
  • In den Schuljahren 2011 bis 2015 konnten durchschnittlich 88% aller Schülerinnen und Schüler an weiterführende Schulen oder in eine Ausbildung vermittelt werden.
  • Insgesamt wurden bereits über 2.000 Flüchtlinge betreut.
  • Für ihr erfolgreiches Schulkonzept erhielt die Schule den Münchner Schulpreis für das Jahr 2016.
  • Der Deutsche Engagementpreis 2016 in der Kategorie "Chancen schaffen" ging an die SchlaU-Schule.
  • Die SchlaU-Schule erhielt 2016 das Spendensiegel (Wirkt-Siegel) des unabhängigen Analysehauses PHINEO für seine besonders wirkungsvolle Arbeit. 
  • Michael Stenger erhielt für die Gründung der SchlaU-Schule am 04.10.2016 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
  • Am 05.12.2016 veröffentlichte die SchlaU-Werkstatt für Migrationspädagogik den ersten „SchlaUen Lernordner" aus der Materialreihe „Deutsch als Zweitsprache".

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

MünchenBayern

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2015

1.450.381

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

14,1

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