Belm - Stadtteilarbeit im ländlichen Raum

Die Gemeinde Belm erfuhr in den Neunziger Jahren einen starken Zuzug von Spätaussiedlern in eine ehemalige Kaserne im Ort, die Bevölkerung wuchs in kurzer Zeit um 25 Prozent. Mit einer stadtteilorientierten Integrationsstrategie hat sie diese Herausforderung bewältigt.

Ausgangslage

  • Seit Anfang der 1990er Jahre haben in Belm Fragen zum Thema Zuwanderung und Integration einen Bedeutungszuwachs erfahren, der eng mit der ab den 1960er Jahren errichteten NATO-Siedlung in Powe verknüpft ist.
  • Während bis Ende der 1980er Jahre die Integration der Angehörigen der britischen Streitkräfte in das Leben der Gemeinde nicht zur Debatte stand, änderte sich dies für die Aussiedler aus Osteuropa, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ab 1990 verstärkt nach Belm kamen, grundlegend.
  • Ab Ende der 1990er verließen viele bereits relativ gut integrierte Aussiedlerfamilien das Gebiet und ließen sich in den angrenzenden Gemeindeteilen niederließen.
  • In die frei werdenden Wohnungen zogen sowohl ausländische als auch benachteiligte deutsche Familien.
  • Der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund beträgt in dem Wohngebiet rund 70 Prozent, in Belm beläuft sich der Anteil auf 22 Prozent.
  • Mit der Aufnahme in das Programm „Stadtteile mit Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt" endete die reaktive Phase integrativer Politik in Belm.
  • In Zusammenarbeit u. a. mit dem Fachgebiet Geographie der Universität Osnabrück stieß die Gemeinde einen aktiven Steuerungsprozess zur Stabilisierung der ehemaligen NATO-Siedlung an.

Ziele

  • Segregationsentwicklungen sollen in der Gemeinde verhindert und die Integration der betroffenen Bevölkerungsgruppen gefördert werden. Dadurch soll der soziale Frieden in der Gemeinde erhalten bleiben.
  • Die im Rahmen des Programms „Soziale Stadt" aufgestellten sozialen und städtebaulichen Rahmenpläne beinhalten verschiedene Oberziele:
    • Förderung von Beschäftigung und Qualifizierung
    • Aktivierung der Bürgerbeteiligung
    • Unterstützung und Ausbau von Nachbarschaften und sozialen Netzen
    • Verbesserung der Bildungs-, Betreuungs- und Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche
    • Verbesserung der Lebenssituation von Frauen
    • Imagebildung für den Stadtteil
    • Wohn- und Wohnumfeldverbesserungen
    • Neuordnung und Verbesserung der Verkehrsstruktur
    • Verknüpfung des Sanierungsgebietes mit den angrenzenden Gemeindeteilen.

Steuerung:

  • Die Integrationspolitik ist in Belm auf der Chefebene angesiedelt mit der damit verbundenen engen Einbindung von Politik und Verwaltung.
  • Das eingesetzte Quartiermanagement agiert moderierend und beratend zwischen Bewohnern, sozialen Akteuren sowie Verwaltung und Politik.
  • Nach dem Ende der aktiven Programmphase im Dezember 2014 sollen die Institutionen der Gemeinde, die lokalen Einrichtungen und Vereine nach Möglichkeit in der Lage sein, die bisher vom Quartiersmanagement übernommenen Aufgaben im Sinne einer durch soziale Integration geprägten Quartiersentwicklung weiterzuführen.

Konkrete Maßnahmen:

  • Die Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes innerhalb der benannten Ziele und Handlungsfelder erfolgt kontinuierlich seit 2001.
  • Jährliche Fortschreibungen berücksichtigen aktuelle Entwicklungen und veränderte Problemlagen.
  • Der Auf- und Ausbau eines sozialen Netzwerkes ist die wichtigste Säule der Integrationsarbeit zur Unterstützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen.
  • Die von der Gemeinde geförderte Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements trägt maßgeblich zum Erfolg des Netzwerkes bei.
  • Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der zweiten Zuwanderungsgeneration. So wurden z. B. zahlreiche Projekte zur Stärkung von Selbstbewusstsein, Schlüsselqualifikationen und zur Berufsvorbereitung durchgeführt.
  • Fördermaßnahmen für Frauen zielten u. a. auf die Integration in den Arbeitsmarkt und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ab.
  • Die Planung und Durchführung von städtebaulichen Projekten wurde mit verschiedenen Aktionen zur Bürgerbeteiligung verbunden.
  • Eine gezielte Imagearbeit (u. a. durch Stadtteilzeitung, Begegnungsfest etc.) setzt an den negativen Wahrnehmungen des Sanierungsgebietes an, die sich im Zuge der Abwärtsspirale, die das Wohngebiet ab Mitte der 1990er Jahre erfasste, manifestiert haben.

Umsetzung

Steuerung:

  • Die Integrationspolitik ist in Belm auf der Chefebene angesiedelt mit der damit verbundenen engen Einbindung von Politik und Verwaltung. Die daraus resultierenden kurzen Kommunikations- und schnellen Entscheidungswege bei der Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes befördern das Engagement und die Motivation der an der Integrationsarbeit beteiligten Akteure.
  • Das eingesetzte Quartiermanagement agiert moderierend und beratend zwischen Bewohnern, sozialen Akteuren sowie Verwaltung und Politik. Es soll zu einem systematischen Aufbau von selbsttragenden und nachhaltig wirksamen Strukturen des Quartiers beitragen.
  • Nach dem Ende der aktiven Programmphase im Dezember 2014 sollen die Institutionen der Gemeinde, die lokalen Einrichtungen und Vereine nach Möglichkeit in der Lage sein, die bisher vom QM übernommenen Aufgaben im Sinne einer durch soziale Integration geprägten Quartiersentwicklung weiterzuführen.

Konkrete Maßnahmen:

  • Die Umsetzung des integrierten Handlungskonzeptes innerhalb der benannten Ziele und Handlungsfelder erfolgt kontinuierlich seit 2001.
  • Jährliche Fortschreibungen berücksichtigen aktuelle Entwicklungen und veränderte Problemlagen.
  • Der Auf- und Ausbau eines sozialen Netzwerkes ist die wichtigste Säule der Integrationsarbeit zur Unterstützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen.
  • Die von der Gemeinde geförderte Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements trägt maßgeblich zum Erfolg des Netzwerkes bei.
  • Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Förderung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen der zweiten Zuwanderungsgeneration. So wurden z.B. zahlreiche Projekte zur Stärkung von Selbstbewusstsein, Schlüsselqualifikationen und zur Berufsvorbereitung durchgeführt.
  • Fördermaßnahmen für Frauen zielten u.a. ab auf die Integration in den Arbeitsmarkt und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Die Planung und Durchführung von städtebaulichen Projekten wurde mit verschiedenen Aktionen zur Bürgerbeteiligung verbunden.
  • Eine gezielte Imagearbeit (u.a. durch Stadtteilzeitung, Begegnungsfest, etc.) setzt an den negativen Wahrnehmungen des Sanierungsgebietes an, die sich im Zuge der Abwärtsspirale, die das Wohngebiet ab Mitte der 1990er Jahre erfasste, manifestiert haben.

Beteiligung:

  • An der Programmumsetzung „Soziale Stadt" sind in Belm in Kooperation mit der Gemeindeverwaltung alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen und Akteure beteiligt (u.a. Politik, Bewohner, soziale Einrichtungen, Vereine, Unternehmen, Hausverwaltungen, Quartiermanagement, Landkreis Osnabrück, Universität Osnabrück).
  • Bürgerschaftliches Engagement kann als eine der maßgeblichen Stützen der Integrationsarbeit in Belm bezeichnet werden.

Finanzierung:

  • Die Gemeinde Belm verwendet rund zwei Drittel ihrer freiwilligen Aufgaben für Integrationsmaßnahmen.
  • Zusätzlich konnten seit der Aufnahme in das Bund-Länderprogramm „Soziale Stadt" Fördergelder aus verschiedenen EU-, Bundes- und Landesprogrammen akquiriert werden.

Erfolge

  • Abbau von Bildungsbenachteiligung (Auswertung von Daten zur Schullaufbahnempfehlung)
  • positive Entwicklung von Faktoren, die als stabilisierend für soziale Netze und Nachbarschaften angenommen werden: Rückgang von Fluktuation und Wohnungsleerständen, Anstieg des Anteils selbstnutzender Eigentümer
  • Verbesserung des Wohnraumes und des Wohnumfeldes durch bauliche Maßnahmen
  • Verbesserung der Zahngesundheit von Kindern (Auswertung von Daten des Gesundheitsdienstes)
  • Etablierung neuer Steuerungsmodelle innerhalb der Verwaltung
  • Stärkung des sozialen Netzwerkes
  • Steigende Zahl von Existenzgründungen durch Personen mit Migrationshintergrund

Kontakt

Viktor Hermeler

Bürgermeister
Gemeinde Belm
Marktring 13
49191 Belm
Telefon: 05406 - 50 526

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Belm Niedersachsen

Demographietyp

Stabile ländliche Städte und Gemeinden

Bevölkerung 2014

13.519

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-3,3

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