Altena - Freiwillige Aufnahme von 100 Geflüchteten

In Altena hat der Stadtrat auf den Vorstoß des Bürgermeisters hin beschlossen, freiwillig 100 Flüchtlinge mehr aufzunehmen als vom Land Nordrhein-Westfalen zugewiesen werden. Durch die Aufnahme der zusätzlichen Geflüchteten soll ein Zeichen gegen Rechts gesetzt, dem Bevölkerungsrückgang entgegen getreten und Arbeitsplätze in der Region nicht länger unbesetzt gelassen werden.

Ausgangslage

  • Altena ist die Stadt in Westdeutschland, die in den vergangenen Jahrzehnten am stärksten geschrumpft ist: Anfang der 1970er Jahre lebten noch 32.000 Menschen in Altena, aktuell sind es nur noch 17.870. Grund dafür sind Abwanderung und der demografische Wandel. Die Stadt sieht deshalb in dem starken Zustrom von Flüchtlingen eine Chance.
  • Nach einem verübten Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft will die Stadt ihr Ansehen verteidigen. Schließlich hatte nur wenige Tage vor dem Anschlag der Bürgermeister die Ankündigung gemacht, dass seine Stadt freiwillig 100 Geflüchtete zusätzlich aufnehmen wird.
  • Zurzeit leben 230 Asylbewerber incl. 6 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, davon 146 im laufenden Verfahren. (Stand März 2017)

Ziele

  • Durch die zusätzlichen 100 Flüchtlinge soll der Bevölkerungsrückgang in der Stadt gemindert und die Akzeptanz gegenüber Fremden unter den Bürgern erleichtert werden.
  • In Altena und Umkreis fehlen Facharbeiter im Handwerk und im produzierenden Gewerbe. Aufgrund der aktuellen Situation sollen jungen Geflüchteten Ausbildungsplätze u.a. in der Drahtindustrie ermöglicht werden.

Umsetzung

  • Ende Oktober 2015 kamen 100 Geflüchtete nach Altena.
  • Freien Wohnraum gibt es in der Stadt genug. Allein die Altenaer Baugesellschaft hat aktuell noch rund 250 leer stehende Wohnungen So wird gemeinsam mit einem Verein derzeit ein leerstehendes Haus renoviert, indem dann auch Flüchtlinge wohnen sollen. Gemeinsam mit Flüchtlingen sollen noch weitere Schrott-Immobilien und herrenlose Häuser saniert werden.
  • Weiterhin sucht die Stadt nach privatem Wohnraum, der kurzfristig bewohnbar zur Verfügung gestellt werden kann. Wohnungsbesitzer können sich beim Gebäudemanagement der Stadt melden.
  • Alle Flüchtlinge sind dezentral in 41 Wohnungen untergebracht. Familien und alleinstehende junge Männer wohnen getrennt voneinander.

Erfolge

  • Alle Fraktionen und Einzelpersonen im Rat stehen hinter dem Plan. Bei der Integration setzt die Stadt vor allem auf ehrenamtliche Helfer.
  • Seitens der Bürger hat sich eine Stabsstelle bürgerschaftliches Engagement gebildet. Ein Ehrenamtsnetzwerk wurde sukzessiv aufgebaut und Patenschaften initiiert, sodass jede Flüchtlingsfamilie einen Paten bekommen hat. Darüber hinaus wurden Kleiderspenden und insgesamt 14 Deutschkurse organisiert.
  • Das Kümmerersystem, d.h. die Zuordnung von Paten zu den Flüchtlingsfamilien, hat sich bewährt. Die fortschreitende Integration der Geflüchteten verlangt von den Paten, sich stets neuen Herausforderungen zu stellen. Ein Supervisionsangebot für Kümmerer wurde daher installiert.
  • Auch im Bereich der ehrenamtlichen Sprachkurse zeigt sich Veränderung: Viele Geflüchtete wechseln in institutionalisierte Kurse, so dass Unterrichtinhalte angepasst werden konnten. Es wird mehr Nachhilfe und Kleingruppenarbeit angeboten.
  • Mit Hilfe der Flüchtlinge wurden und werden 3 Gebäude/Gebäudeteile renoviert
  • Altena steht im Focus von verschiedenen Forschungsvorhaben:
    • OECD study on Migrant integration in Altena
    • Projekt der Nationalen Stadtentwicklungspolitik "Stadtentwicklung und Migration"
    • Humboldt-Universität zu Berlin, Angewandte Geographie / Raumplanung; Projekt: „Quartiersspezifische Potentiale der Integration"

Kontakt

Anette Wesemann

Stabsstelle Gleichstellung / Bürgerschaftl. Engagement derStadt Altena (Westf.)
Lüdenscheider Str. 22
58762 Altena
Telefon: 02352 / 209 218

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