Bielefeld - Das Oberstufenkolleg

Einer der Leitsätze des Oberstufen-Kollegs lautet: „Vielfalt nutzen, Kompetenzen entwickeln, andere Wege zum Abitur gehen, auf Studium und Beruf vorbereiten." Nicht nur das Konzept, sondern auch die Räumlichkeiten sind dabei innovativ.

Ausgangslage

  • Das Oberstufen-Kolleg wurde 1974 als Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet und 2001 vom College, das Sekundarstufe II und Grundstudium vereinte, auf eine Reformoberstufe umgestellt.
  • Das Einzugsgebiet des Kollegs geht weit über Bielefeld hinaus. Zwar stammt die Mehrzahl der Kollegiat/innen aus der Stadt Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe, doch jedes Jahr bewerben sich zahlreiche Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet.
  • Eine Besonderheit des Oberstufen-Kollegs ist, dass es bis zu 50 Prozent seiner Lernenden ohne Qualifikationsvermerk für den Besuch der gymnasialen Oberstufe aufnimmt und zu einem überwiegenden Anteil erfolgreich zum Abitur führt. Zusätzlich bietet es sich als Zweiter Bildungsweg für junge Menschen unter 25 Jahren an.
  • Das Oberstufen-Kolleg bemüht sich außerdem um Lerngruppen, die in ihrer kulturellen Vielfalt die Entwicklung unserer Gesellschaft spiegeln und interkulturelles Lernen fördern. Studierende aus Migrantenfamilien sind deshalb ausdrücklich willkommen und machen auch etwa ein Drittel der Kollegiatenschaft aus.
  • Das Schulgebäude ist in seiner architektonischen Gestaltung auf die Bedürfnisse der Versuchsschule abgestimmt. Offene Lernbereiche im Großraum und Arbeitsplätze im ganzen Haus für Kollegiat/innen und Lehrende prägen das Gebäude.
  • Schulnahe Wohnmöglichkeiten stehen in den Wohnheimen des Bielefelder Studentenwerkes zur Verfügung. Auch die Infrastruktur der Universität mit Mensa, Bibliothek und Sporteinrichtungen kann von den Kollegiat/innen genutzt werden.

Ziele

  • Das Oberstufen-Kolleg Bielefeld ist zugleich Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und Zentrale Wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bielefeld. Es hat den Auftrag, Kollegiat/innen unterschiedlicher Vorbildung zur allgemeinen Hochschulreife zu führen. Als Versuchsschule entwickelt und erprobt das Oberstufen-Kolleg neue Unterrichtsinhalte, Lehrverfahren, Verfahren der Evaluation von Unterricht, Verfahren der Lernstandserhebung und Leistungsbeurteilung und der Unterrichtsorganisation. Im Lehrer-Forscher-Modell verbinden sich pädagogische Praxis und Wissenschaft: Lehrer/innen der Versuchsschule sind gleichzeitig Forscher/innen, die ihren eigenen Unterricht reflektieren und zum Gegenstand von Forschung, Evaluation und Entwicklung machen.
  • Die Vielfalt der Schülerschaft in sozialer, kultureller, weltanschaulicher, religiöser, alters-, geschlechts- und interessensbezogener Hinsicht ist zunehmend Realität in der gymnasialen Oberstufe und gehört am Oberstufen-Kolleg seit Langem zum Alltag.

Umsetzung

  • Die Neuausrichtung des Oberstufen-Kollegs im Jahre 2001 bot Anlass, Bildungskonzept und Institutionsziele neu zu überdenken.
  • Den vielfältigen (Lern-)Ausgangslagen der Kollegiat/innen begegnet das Oberstufen-Kolleg mit einem breitgefächerten Angebot an Unterrichtsarten und Lerngelegenheiten, an Förder- und Beratungsangeboten.
  • Das Kursangebot integriert fachbezogene Spezialisierung und wissenschaftspropädeutische Allgemeinbildung. Bei entsprechender Eignung und Leistung können Kollegiat/innen im fünften Ausbildungssemester in einigen Fächern bereits Universitätskurse besuchen.
  • Neben besonderen Lernformen erprobt das Oberstufen-Kolleg alternative Formen der Leistungsbewertung. Die Eingangsphase ist notenfrei, in der Qualifikationsphase werden Kursnoten durch die Benotung einzelner Leistungsnachweise ersetzt.
  • Das Ausbildungssystem wird ergänzt durch ein breites, auf pädagogischer Diagnose basierendes Angebot individueller Förderung. Bereits vor Beginn ihrer Ausbildung durchlaufen die Bewerber/innen ein mehrstufiges Aufnahmeverfahren. Sofern ein besonderer Förderbedarf festgestellt wird, erfolgt die Zuordnung zu Brückenkursen in der Einführungsphase. Eine Verkürzung der Ausbildung (Quereinstieg) ist im Rahmen von Feststellungsprüfungen möglich.
  • Ein wesentlicher Teil der individuellen Förderung am Oberstufen-Kolleg ist das differenzierte Beratungsangebot mit Tutorensystem, Laufbahnberatung, Schulsozialarbeit und schulpsychologischer Beratung.

Erfolge

  • Der größte Teil der so heterogen zusammengesetzten Schülerschaft schließt seine Ausbildung mit dem Abitur erfolgreich ab. Seit 2008 nimmt das Oberstufen-Kolleg am Zentralabitur des Landes Nordrhein-Westfalen im Bereich der Leistungskurse teil. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kollegiat/innen gut mit den Leistungen der Schüler/innen der gymnasialen Oberstufen mithalten können und in einigen Fächern sogar deutlich besser abschneiden. Indem das Oberstufen-Kolleg auch Leistungsschwächeren und Schüler/innen aus bildungsfernen Familien den Weg zu höherwertigen Bildungsabschlüssen eröffnet, trägt es nachhaltig zu einer größeren Bildungsgerechtigkeit bei.
  • In einem zweiten Peer-Review-Verfahren, das im Oktober 2010 stattfand, bestätigten die Gutachter/innen, dass der Weg des Oberstufen-Kollegs vom College zu einer Versuchsschule mit gymnasialer Oberstufe gelungen sei und dass die Aspekte Heterogenität und Migration als Arbeitsschwerpunkte weiter im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit stehen sollen.
  • Im Juni 2010 wurde dem Oberstufen-Kolleg der Deutsche Schulpreis in der Kategorie „Leistung" verliehen.

Kontakt

Dr. Michaele Geweke

Öffentlichkeitsreferentin
Oberstufen-Kolleg
Universitätsstr. 23
33615 Bielefeld

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Bielefeld Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

329.782

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-1,2

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