Bielefeld - Selbstbestimmtes Wohnen im Alter

In der schrumpfenden Stadt Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) ermöglicht die kommunale Wohnungsgesellschaft selbstbestimmtes Wohnen im Alter mit hoher Versorgungssicherheit. Ein weiteres Ziel ist, den steigenden Ansprüchen der (zukünftigen) Senioren in Hinblick auf Service und Betreuung gerecht zu werden.

Ausgangslage

  • Bereits heute sind mehr als 25 Prozent der Stadtbevölkerung über 60 Jahre alt. In den kommenden Jahren wird dieser Anteil noch steigen.
  • Daher stellten sich verschiedene Akteure schon in den 1990er-Jahren die folgende Frage: Wie können Dienstleistungen, wie z. B. Betreuung oder Pflege vorgehalten werden, ohne dass die Bewohner auch bei einem Nichtnutzen dafür bezahlen müssen?

Ziele

  • Selbstbestimmtes Wohnen im Alter verbunden mit einer hohen Versorgungssicherheit zu ermöglichen.
  • Den steigenden Ansprüchen der (zukünftigen) Senioren in Hinblick auf Service und Betreuung wohnortnah gerecht zu werden.

Umsetzung

  • Für pflegebedürftige und (noch) nicht pflegebedürftige Menschen werden in einer Anlage Wohnungen bereitgehalten.
  • Die Versorgungssicherheit wird durch Kooperation zwischen Wohnungsgesellschaft und ambulantem Pflegedienst sichergestellt. Für die (noch) Nicht-Pflegebedürftigen bedeutet dies Unabhängigkeit und gleichzeitig die Garantie einer Betreuung im Bedarfsfall.
  • In den Quartieren wird ein Servicestützpunkt für einen freien Träger errichtet. Für alle Mieter ist so Tag und Nacht Versorgungssicherheit gegeben und im Bedarfsfall können sie auf Hilfe zugreifen. Der Einzelne zahlt nur für die Leistungen, die er auch in Anspruch nimmt.
  • Daneben gilt das Prinzip der freien Wahl: Jeder Mieter kann entscheiden, welchen Anbieter er wählt, wenn er zum Beispiel pflegebedürftig wird – dies muss nicht der Dienstleister seiner Wohnanlage sein.
  • Weitere Leistungen des Dienstleisters sind zum Beispiel das Vorhalten von Gästezimmern für Kurzzeit- oder Verhinderungspflege, regelmäßige Beratungen (Unterstützung bei Kostenanträgen, Vermittlung von Hauswirtschafts- und Pflegediensten, Gesundheitsvorsorge, Beratung von Angehörigen etc.), Gemeinschaftsaktivitäten, Begegnung der Generationen (Gemeinschaftsraum als Begegnungsstätte) oder der Hausnotrufdienst.
  • Darüber hinaus können auch die Bewohner des Wohnquartiers die Dienstleistungen des Servicestützpunkts in Anspruch nehmen und sich an den Gemeinschaftsaktivitäten beteiligen. Mit dem Ausbau dieses Angebots wird eine wohnortnahe Versorgungssicherheit realisiert und der Quartiersbezug gestärkt.

Meilensteine

  • 1994: Die Förderbestimmungen des Landes Nordrhein-Westfalen, die eine verbindliche Koppelung von altersgerechten Wohnungen und Dienstleistungen mit den sogenannten Betreuungsnachweisen vorsehen (für den Mieter kostenpflichtig), entsprechen nicht der Überzeugung der BGW.
  • 1995: Ein gemeinsames Konzept der BGW und dem Verein „Alt und Jung e. V." ermöglicht eine kostenneutrale 24-stündige Vorhaltung von Dienstleistungen.
  • 1996: Erstbezug der Seniorenwohnanlage Dahlemer Straße (weitere Anlagen folgen)
  • 2006: Umbau eines Bestandsgebäudes in der Vennhofallee zu 10 barrierefreien Wohnungen im Rahmen des Bielefelder Modells.
  • 2010: Im Kammermühlenweg wurde die erste Anlage bezogen, deren Neubau erst durch den Abriss von Bestandsgebäuden ermöglicht wurde. Ein barrierefreier Umbau wäre wirtschaftlich nicht zu vertreten gewesen. Dadurch ist eine Versorgung des Quartiers zustande gekommen.

Erfolge

  • Bisher sind zwölf Objekte realisiert worden und drei weitere sind in Planung. In den nächsten Jahren soll dieses Modell zur flächendeckenden Versorgung in weiteren BGW-Wohnquartieren ausgebaut werden, von dem auch Nicht-BGW-Mieter in der Nachbarschaft profitieren.
  • Auch das Wohnumfeld profitiert von Beratung und Angeboten der Versorgungssicherheit.

Kontakt

Gabriela Gruel

Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH (BGW)
Carlmeyerstr. 1
33613 Bielefeld

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Bielefeld Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

329.782

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-1,2

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