Dinslaken - Lohberg: Haushaltsnahe Dienstleistungen

Seit dem Jahr 2008 wird in Dinslaken Lohberg das Modellprojekt „Seniorenwirtschaft“ umgesetzt. Im Rahmen dieses Projektes werden haushaltsnahe Dienstleistungen für Senioren in der ehemaligen Zechensiedlung angeboten. Eine besondere Stärke dieses Projektes bildet der interkulturelle und bedarfsorientierte Arbeitsansatz.

Ausgangslage

  • Ältere Migrantinnen und Migranten in Dinslaken-Lohberg leben häufig in Mehrgenerationenhaushalten und sehr selten in Ein-Personen-Haushalten. Für die meisten kommt es aus kulturellen, finanziellen und migrationsbedingten Umständen nicht in Frage, in ein Seniorenheim zu ziehen. Somit leben sie häufig unter schlechten Wohnbedingungen und zahlen relativ hohe Mieten.
  • Außerdem ist der Gesundheitszustand älterer Migrantinnen und Migranten im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt erheblich schlechter.
  • Sie sind oft in ihrer Mobilität und ihrem Aktionsradius eingeschränkt, was wiederum Auswirkungen auf die Lebens- und Wohnsituation hat

Ziele

  • Einen bedarfsgerechten und bedürfnisorientierten Maßnahmenkatalog entwickeln
  • Dafür eine stadtteilorientierte Analyse des Versorgungsbedarfs und der Angebote für ältere Menschen unter Berücksichtigung der Besonderheit der Migrantinnen und Migranten erstellen
  • Ein Netzwerk aus Akteuren des Gesundheitssektors aufbauen
  • Dem Informationsbedarf der Senioreninnen und Senioren nachgehen

Umsetzung

  • Seit 2008 wird das Modellprojekt „Seniorenwirtschaft" umgesetzt. Zielgruppe des Projektes sind Lohberger Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahren. Der besondere Fokus ist dabei auf ältere Menschen mit Migrationshintergrund gerichtet.
  • Zunächst wurde eine Befragung bei deutschen und zugewanderten Seniorinnen und Seniorinnen durchgeführt: Ziel der Befragung war eine verbesserte statistische Erfassung der Lebensbedingungen älterer Menschen sowie eine gleichzeitige Betrachtung ihrer Partizipation an Anpassungsmaßnahmen.
  • Die Befragung sollte außerdem Informationen über die Wohnsituation, das Wohnumfeld, die Haushaltsstruktur, die Freizeitaktivitäten, die sozialen Netzwerke, die geschlechterspezifischen Probleme bzw. Ansprüche, die Nutzung des vorhandenen Versorgungssystems und die möglichen Zugangsbarrieren, „Pendelsituation" (pendeln zwischen Herkunftsland und Deutschland) und Probleme bei der Pflege erbringen.
  • Die Ergebnisse der Befragung wurden den Akteuren in der Stadtteilentwicklung sowie vorhandenen Dienstleistern für die Entwicklung von zielgruppengerechten Maßnahmen und Angeboten im Stadtteil zur Verfügung gestellt.
  • Netzwerk Gesundheit: Es wurde ein Arbeitskreis ins Leben gerufen, der aus Vertretern des Gesundheitsbereiches und der Seniorenarbeit besteht, wie z.B. Krankenkassen, Ärzte usw. In diesem Arbeitskreis wird zum einen ein Informationsaustausch über die Zielgruppe gewährleistet, zum anderen werden neue Angebote initiiert und teilweise gemeinsam umgesetzt.
  • Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen: Um das Bedürfnis nach Informationen im Gesundheitsbereich bei den Senioren, insbesondere der Migranten, zu decken, wurden zahlreiche Informationsveranstaltungen organisiert. Dabei hat das Forum mit mehreren Kooperationspartnern (Kath. Krankenhaus St. Vinzenz, Gesundheitshaus Lohberg, Gesundheitsamt Wesel, Kreuz Apotheke u.a.) zusammen gearbeitet. Diese Veranstaltungen wurden zu folgenden Themen durchgeführt:
    • Gesunde Ernährung,
    • Wechseljahre (Erfahrungsaustausch),
    • Diabetes „Die süße Gefahr",
    • Diabetes Infomobil,
    • Herz- und Kreislauferkrankungen,
    • Verschleißerscheinungen im Alter sowie
    • Bildung von Gesprächsgruppen zu verschiedenen Themen.
  • Augenmerk war im Jahre 2010 die Veranstaltungsreihe „Altersgerechtes Wohnen". Zum Thema "Altengerechtes und barrierefreies Wohnen" besuchte das Forum Lohberg e.V. mit interessierten Seniorinnen und Senioren das internationale Wohnprojekt ProWohnen in Oberhausen Tackenberg. Dort wurden die Besucher über das Wohnprojekt informiert und schauten sich beispielhaft Musterwohnungen an. Im Anschluss informierte Dipl. Ing. Frau Antje Eickhoff die Seniorinnen und Senioren über alternative Hilfen im Alltag. Am 12. April 2011 besuchte das Forum Lohberg e.V. im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe die Dauerausstellung "Praktische Lösungen für Wohnraumanpassungen" im Handwerkszentrum "Wohnen im Alter" in Oberhausen. Unter Fachkundiger Anleitung konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund um das Thema Altersgerechtes Wohnen informieren und sich die Dauerausstellung anschauen.
  • Sportangebote: Für Seniorinnen wurden zwei Sportangebote ins Leben gerufen, die auf die individuellen Bedürfnisse dieser Altersgruppe ausgerichtet sind Kooperationspartner waren die Familienbildungsstätte der Diakonie und das Gesundheitshaus Lohberg. Angeboten wurden unter anderem ein Gesundheitskurs für Männer und Frauen sowie Frauengymnastik und Saunabesuche mit Frauen.
  • Freizeitaktivitäten: Mit ca. 60 Seniorinnen unternahm das Forum Lohberg einen Ausflug in den Burgerzoo nach Arnheim. Zusätzlich wurden regelmäßig Kinonachmittage mit türkischen Filmen angeboten. Zudem bot das Forum einen Spielnachmittag sowie ein Seniorenpicknick auf der Freizeitanlage mit 65 Seniorinnen und Senioren an.
  • Haushaltsnahe Dienstleistung für Senioren: Ziel des (Unter)Projektes war der langfristige Aufbau von „Haushaltsnahen Dienstleistungen" in Form einer Abteilung bzw. eines rentablen Geschäftszweiges.
  • Dabei sollte in Zusammenarbeit und aufbauend auf die Vorarbeit, welche das Forum Lohberg mit seinem Seniorenprojekt u.a. mit Kontakt- und Infogesprächen geleistet hat, ein lokales Projekt mit gesamtstädtischer Ausstrahlung durch die Diakonie installiert werden. Unter Einbeziehung adäquater Arbeitsmarktinstrumente sollte die lokale Beschäftigung mit Eingliederungschancen am ersten Arbeitsmarkt geschaffen werden.
Umsetzung des Projektes Haushaltsnahe Dienstleistung
  • In der Einstiegsphase wurde ein Projektbüro zur Konzeptionierung von Haushaltsnahen Dienstleistungen zunächst für das Jahr 2010 eingerichtet. Aufgaben in dieser Vorphase zu einer angestrebten Betriebsgründung waren:
    1. Konkrete Bedarfsermittlung unter Zuhilfenahme des bereits entworfenen Fragebogens;
    2. Erstellung eines Konzeptes mit Businessplan, Organisationsstruktur, Ziel- und Qualitätsdefinitionen und Marketingstrategie;
    3. Personalmatching mittels Erstellung von Anforderungsprofilen und Analyse von Marktpotentialen und Fördermöglichkeiten;
    4. Exemplarische Auftragsabwicklung mit ersten, ggf. über Qualifizierungsmaßnahmen zu gewinnenden, Arbeitskräften.
  • Anschließend wurde die eigentliche Gründungsphase mit entsprechenden juristischen Schritten und Fördermaßnahmen eingeleitet.

Erfolge

  • Das Projekt wurde mit der Einstellung einer Hauptkraft und, aufgrund des hohen Bedarfs, bis zu zehn Arbeitskräften aus einer Qualifizierungsmaßnahme fest in das Arbeitsprogramm der Diakonie bzw. des Diakonievereins installiert.
  • Die Zusammenarbeit vom Forum Lohberg und der Diakonie hat es ermöglicht, dass Kontakte insbesondere zu Senioren mit Migrationshintergrund sehr schnell hergestellt werden konnten und dass das Angebot sehr gut angenommen wurde.
  • Das Diakonische Werk bildet mit seinen zahlreichen Beratungsstellen und Diensten begleitende, fachliche Unterstützung bei besonderen Problemlagen oder Beratungsbedarf.
  • Der Diakonieverein fungiert als Arbeitsmarktdienstleister als Schlüssel für eine entsprechende Betriebs- und Einzelförderung und stellt die Anlaufstelle zur Verfügung.

Kontakt

Lale Arslanbenzer

Forum Lohberg e.V.
Johannesplatz 4/6
46537 Dinslaken
Telefon: 02064 - 47 78 83

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Dinslaken Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Stabile Mittelstädte

Bevölkerung 2014

67.065

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-5,6

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!