Duisburg - Kultursensible Pflege im „Haus am Sandberg“

In Duisburg leben viele Zuwanderer, viele davon aus der Türkei. Viele der ehemaligen „Gastarbeiter" sind inzwischen pflegebedürftig. Das multikulturelle Duisburger Seniorenzentrum „Haus am Sandberg" ist auf die Bedürfnisse älterer Migrantinnen und Migranten bestens eingestellt und ermöglicht ihnen zusammen mit deutschen Bewohnerinnen und Bewohnern einen Lebensabend, bei dem ihre Sprache, Kultur und Religion berücksichtigt werden.

Ausgangslage

  • Der Ausländeranteil in Duisburg liegt über 20% (Stand: 2016) und etwa 30% der Duisburger haben einen Migrationshintergrund (Stand: 2015).
  • Früher ging man davon aus, dass viele sogenannte "Gastarbeiter" im Rentenalter in ihre Heimat zurückkehren werden. Deshalb wurden keine Konzepte für die Pflege von Senioren mit Migrationshintergrund entworfen.  
  • Viele Menschen, die jedoch einst als „Gastarbeiter" gekommen sind, werden ihren Lebensabend in Deutschland verbringen.
  • Durch die Anforderungen der Arbeitswelt und sich wandelnde Familienverhältnisse können viele pflegebedürftig gewordene ältere Menschen mit Migrationshintergrund nicht von ihrer Familie versorgt werden.
  • Dies bedeutet, dass ein vermehrter Bedarf an kultursensiblen Pflegeangeboten besteht, die auf die Bedürfnisse von Migrantinnen und Migranten zugeschnitten sind.

Ziele

  • Das „Haus am Sandberg" in Duisburg-Homberg ist ein vom DRK geführtes multikulturelles Pflegeheim, das sich auf die Pflege von Menschen unterschiedlichster kultureller Hintergründe spezialisiert hat. Zur Zielgruppe gehören neben Deutschen vor allem Migrantinnen und Migranten mit türkischen Wurzeln. 
  • Menschen mit und ohne Migrationshintergrund sollen dort einen angenehmen Lebensabend erleben.

Umsetzung

Die Entstehung des multikulturellen Pflegeheims „Haus am Sandberg":

  • Bereits 1994 startete im „Haus Rheinkamp" das Projekt „Ethnischer Schwerpunkt Altenhilfe"(ESA) – initiiert durch den DRK LV Nordrhein in Kooperation mit dem Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg. Ziel des dreijährigen Projektes war die Vorbereitung der Einrichtung auf die Betreuung von Einwanderern.
  • 1997 erfolgte der Umzug in das „Haus am Sandberg". Im gleichen Jahr zogen die ersten Migrantinnen und Migranten ein. Damit ist dieses Pflegeheim das erste multikulturelle Pflegeheim Deutschlands.

Das multikulturelle Konzept:

  • Es wird berücksichtigt, dass auch Migranten keine homogene Gruppe darstellen – auch dann nicht, wenn ihre Wurzeln im gleichen Land liegen.
  • Es gibt interne und externe Fort- und Weiterbildungen für das Personal aller Tätigkeitsbereiche zur „kultursensiblen Altenpflege", (Akzeptanz der Lebenssituation, Sprache, Religion und Essgewohnheiten der MigrantInnen).
  • Es wurde bevorzugt qualifiziertes bilinguales/bikulturelles Personal eingestellt, besonders in der medizinisch-pflegerischen und psychosozialen Betreuung (möglichst ganztags). So gibt es z. B. Pflegemitarbeiterinnen und -mitarbeiter mit türkischer, kurdischer, russischer und polnischer Zuwanderungsgeschichte.
  • Sehr wichtig ist auch das Engagement von Ehrenamtlichen. Es gibt ca. 40 Ehrenamtliche mit türkischen, assyrischen, arabischen oder italienischen Wurzeln.
  • Neben deutschem Essen gibt es täglich ein türkisches Menü und es ist überall türkischer Tee erhältlich. Ehrenamtliche organisieren türkisches Frühstück.
  • Auch die Religion der Bewohner wird berücksichtigt. Neben einem deutschen Gebetsraum gibt es eine hauseigene Moschee und zweimal in der Woche islamische Seelsorge.
  • Nicht nur christliche, sondern auch muslimische Feste werden gefeiert, wie z. B. Zuckerfest, Opferfest und das Fastenbrechen. 
  • Außerdem gibt es zahlreiche Freizeitbeschäftigen, die Rücksicht auf den kulturellen und sprachlichen Hintergrund der Bewohner nehmen. So werden z. B. Gedächtnistraining, Gymnastik, Vorlesestunden und Kino auch auf Türkisch angeboten.

Erfolge

  • Seit 1997 konnten über 130 Migrantinnen und Migranten, unter anderem aus der Türkei, Griechenland, den Niederlanden, Russland, Italien, Tunesien, Azerbaidschan und dem Kongo, vollstationär oder als Kurzzeitpflegegäste betreut werden.
  • Durchschnittlich leben etwa 20 türkische Migrantinnen und Migranten und 10 Menschen anderer Herkunftsländer in der Einrichtung. Insgesamt verfügt das Haus über 96 Plätze.
  • Bislang waren mehr als 500 Besuchergruppen aus aller Welt zu Besuch im Multikulturellen Seniorenzentrum in Duisburg.
  • Das gehobene Interesse an Individualität und verschiedenen Kulturen kommt allen Bewohner/-innen und dem gesamten sozialen Umfeld zu Gute.

Kontakt

Ralf Krause

Heimleiter
„Haus am Sandberg"
Kirchstraße 28 g
47198 Duisburg
Telefon: 02066 - 99 70 0

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

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