Hochsauerlandkreis - Projekt "ambulant" vor "stationär"

Da der Hochsauerlandkreis einen deutlich unterdurchschnittlichen Anteil von ambulant betreuten „Hilfe zur Pflege"-Empfängern aufwies, erhöhte der Kreis diesen Anteil durch eine gezieltere Hilfe- und Leistungssteuerung. Unter Berücksichtigung dafür notwendiger Aufwendungen wurde ein Einsparpotential von 660.000 € p.a. errechnet.

Ausgangslage

  • Der Hochsauerlandkreis (HSK) ist in NRW mit einer Fläche von knapp 2.000 qkm der flächenmäßig größte Landkreis und derjenige mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Prognosen rechnen bis 2030 mit einem deutlichen Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitigem Anstieg der >80-Jährigen um 50%.

Ziele

  • Ziele des vor diesem Hintergrund 2012 gestarteten Angebots „ambulant vor stationär" im HSK sind die Umsetzung des im SGB festgelegten Auftrags, die Verbesserung des Verhältnisses ambulanter zu stationärer Pflegekosten im HzP-Bereich sowie die Schaffung bedarfsorientierter Angebote im Landkreis. Im Ergebnis soll hiermit eine Verbesserung der Lebenssituation und -qualität der Betroffenen und ihrer pflegenden Angehörigen erreicht werden.

Umsetzung

  • Der HSK setzte von Frühjahr 2012 bis März 2015 das Pilotprojekt „ambulant vor stationär" um, für das für 3 Personalstellen sowie Sach- und Fördermittel bis zu 390.000 € p.a. zur Verfügung gestellt wurden.
  • Bestandteile des Projektes waren:
    • Kostenlose, trägerunabhängige und unverbindliche Beratung von pflegebedürftigen Einwohnern und deren Angehörigen, die bei zusätzlich auftretenden Hilfebedarfen oder nach einem Krankenhausaufenthalt eine Alternative zu einer stationären Heimunterbringung suchen.
    • Entwicklung von Handlungsempfehlungen hinsichtlich ambulanter Unterstützungsmöglichkeiten
    • Inaugenscheinnahme / Überprüfung der Wohnsituation vor Ort
    • Case-Management bei Bedarf
    • Vernetzung mit anderen Beratungsstellen und den Krankenhaus-Sozialdiensten im HSK
    • Bereitstellung eines Fördertopfs für innovative Ideen von Pflegeanbietern i.H.v. 120.000 € p.a.
    • Bereitstellung eines unbürokratischen „Notfalltopfs", aus dem finanzielle Mittel eingesetzt werden können, um akute ambulante Unterstützungsleistungen zwischenzufinanzieren.
  • Innerhalb des Projektzeitraums wurden über 770 Kunden beraten. Das Beratungsangebot ist für alle Kreisbewohner zugänglich, vorrangige Zielgruppen sind Menschen mit Pflegestufe 0 und I.

Erfolge

  • Durch die Beratung konnte in vielen Fällen eine Lösung für den Verbleib in der Wohnung und eine ambulante Versorgung gefunden werden. Insbesondere der Anteil der ambulant versorgten Leistungsbezieher der Pflegestufe 0 konnte deutlich um knapp 11% gesteigert werden.
  • Laut Befragungsergebnissen sind 93% der Beratenen mit der Beratung sehr zufrieden. Ein Großteil gab zudem an, dass sich ihre Lebenssituation durch die erfolgte Beratung verbessert habe. Auch die professionellen Pflegeanbieter im HSK bewerteten die Zusammenarbeit positiv und plädierten für eine Fortführung des Angebots.
  • Eine externe Evaluation des Projektes errechnete für den HSK Netto-Einsparungen von rund 1 Mio € durch die Umsetzung des 3-jährigen Projektes und empfahl die Fortführung des Angebots.
  • Nach Ablauf der Pilotphase beschloss der Kreistag auf dieser Basis im Dezember 2014 das Angebot in die Regelfinanzierung zu überführen und alle Projektstellen zu entfristen.

Kontakt

Regine Clement

Sozialplanung
Hochsauerlandkreis
Am Rothaarsteig 1
59929 Brilon
Telefon: 02961 - 94 34 42

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Hochsauerlandkreis, LK Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung 2014

261.561

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-11,6

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