Landkreis Düren - Unternehmer mit Migrationshintergrund

Um Selbständige und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte im Landkreis Düren wirtschaftlich fördern zu können, war es wichtig, mehr über diese bisher nicht betrachtete Gruppe zu erfahren und mit ihnen in Kontakt zu kommen. Bei dem initiierten Projekt wurden Selbstständige und Unternehmer mit Migrationshintergrund angesprochen und eingebunden.

Ausgangslage

  • Der Kreis Düren hatte im Jahr 2006 9,7 Prozent ausländische Einwohner, die Erwerbslosenquote lag bei den Deutschen bei 10,1 Prozent und bei den Ausländern mit 28,0 Prozent um fast das Dreifache höher.
  • Im Jahr 2007 wurde ein Integrationskonzept für den Kreis Düren im Kreistag beschlossen, in dem ein Kapitel mögliche Potentiale von Migrantenunternehmen beschreibt und Handlungsbedarf aufzeigt.
  • Ein Projekt der Handwerkskammer in den Jahren 2005 und 2006, das Ausbildungsplätze in Migrantenunternehmen gewinnen wollte, machte im Projektverlauf deutlich, dass grundlegende Kenntnisse über Migrantenunternehmen im Kreis Düren fehlen und dass es einer Bestandsanalyse bedarf.
  • Migrationsbeauftragte des Kreises und der Gesellschaft für Wirtschafts- und Strukturförderung im Kreis Düren sahen daraufhin Handlungsbedarf, die Situation der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren zu analysieren und ihre Potentiale im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum zu erkennen. Mit Mitteln aus dem KOMM-IN Programm des Landes NRW war es möglich, eine Studie zur Situation von Unternehmerinnen und Unternehmern mit Zuwanderungsgeschichte zu erstellen.

Ziele

  • Förderung von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren
  • Erstellung eines aussagefähigen statistischen Datenbestandes über die Aktivitäten von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte.
  • Qualitative Erkenntnisse zur Situation von Wirtschaftsunternehmen mit Zuwanderungsgeschichte sollten wichtige Hinweise für gezielte Unterstützungs- und Aktivierungspotentiale liefern.
  • Besondere Formen der Ansprache und Unterstützung sollten ausprobiert und verschiedene Formen eines umfangreichen Beratungs-, Seminar- und Begleitangebotes für die Zielgruppe exemplarisch erprobt werden. Bewährte Ansätze sollten in die Regelangebote der Wirtschaftsförderung auf kommunaler und regionaler Ebene aufgenommen werden.
  • Durch den innovativen Ansatz des Projektes sollten Unternehmer und Unternehmerinnen mit Zuwanderungsgeschichte im Kreis Düren von Wirtschaftsverbänden und Kammern im Kontext einer zunehmenden Globalisierung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen als wichtige Ansprechpartner/innen und Brückenbauer/innen erkannt werden.

Umsetzung

Das Projekt setzte sich aus verschiedenen Elementen zusammen, die sich gegenseitig ergänzten:

  • Bildung eines Projektbeirates, bestehend aus Institutionen der Wirtschaftsförderung, wie z. B. der Handwerkskammer, der Gesellschaft für Wirtschafts- und Strukturentwicklung, der Verwaltung, einem Stadtteilprojekt aus Düren und Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte.
  • Zwei Impulsworkshops in zwei Teilregionen des Kreises sollten gezielt Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte ansprechen und ihre Bedarfslagen erfassen.
  • Eine qualitative Untersuchung durch 50 Interviews sollte helfen, die Erkenntnisse über Potenziale und Bedarfe zu liefern.
  • Eine quantitative empirische Untersuchung sollte Aufschluss geben über die vorhandene Unternehmerstruktur, ihren Umfang und ihre Potenziale im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft von Migrantenunternehmen im Kreis Düren.
  • Ein Impulsworkshop sollte erste Kontaktmöglichkeiten zwischen Migrantenunternehmen und Institutionen eröffnen. Ein Abschlussworkshop sollte die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentieren.

Grundhaltungen und Strategien haben sich bei den Projektbeteiligten nachhaltig verändert:

  • Vom Defizit zum Potential: Die Aufmerksamkeit sowohl der beteiligten Akteure als auch der Öffentlichkeit wurde auf die Potenziale und ein lösungsorientiertes Handeln gelenkt.
  • Beteiligung ist die Basis: Der Projektbeirat entwickelte sich zu einem aktiven Beteiligungsinstrument. Die beteiligten Unternehmer/innen wurden darin gestärkt, sich als Partner im Projekt zu verstehen und zu engagieren.
  • Offenheit bewahren für Kursänderungen: Der Projektverlauf musste einige Misserfolge und Rückschläge verkraften. Dies bot die Chance, das eigene Verhalten zu reflektieren, Fehler zu erkennen und neue Wege zu versuchen.
  • Konkrete Ziele formulieren und gemeinsam umsetzen: In einem aktiven und partizipativen Prozess konnten die Integrationsleistungen der Zugewanderten wahrgenommen und gleichzeitig eine Veränderung bei den Vertreterinnen und Vertretern der Mehrheitsgesellschaft festgestellt werden.
  • Hauptamt/Ehrenamt beachten: Es war wichtig, zu erkennen, dass die Mitwirkung der beteiligten Migranten außerhalb ihrer unternehmerischen Tätigkeit ehrenamtlich stattfand.
  • Interkulturelle Orientierung und heterogene Zusammensetzung der externen Begleitung: Durch das multikulturelle Team des Instituts für soziale Innovation wurden Migranten erreicht, die Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und eine große Skepsis und Distanz zu „offiziellen" Institutionen haben.

Erfolge

  • Die Strukturdatenanalyse machte die vielfältigen Potentiale der Unternehmerinnen und Unternehmer mit Zuwanderungsgeschichte sichtbar. Dies führte sowohl bei den Zugewanderten selbst als auch bei den politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträgern dazu, diese Zielgruppe zukünftig in Planungen, Prozessen und Leitbildern zu berücksichtigen. Aktuell fließen die Ergebnisse der Studie in den Prozess der Entwicklung eines wirtschaftlichen Leitbildes für den Kreis Düren mit ein.
  • Die qualitativen Interviews machten Bedarfe transparent und deckten Missverständnisse auf. Wirtschaftsförderung und Kammern haben nun die Chance, auf diese Erkenntnisse einzugehen. In einigen Bereichen, z. B. bei der muttersprachlichen Beratung für türkische Unternehmer/innen und Existenzgründer/innen im Stadtteil Düren-Nord, ist es bereits exemplarisch gelungen.
  • Es ist gelungen, Unternehmerinnen und Unternehmern mit Zuwanderungsgeschichte die Beratungs- und Serviceangebote im Kreis Düren nahezubringen und sie für die Teilnahme an Workshops und Abendveranstaltungen zu gewinnen. Der vormalige Projektbeirat besteht weiterhin, inzwischen als Arbeitskreis der Unternehmer/innen mit Zuwanderungsgeschichte; weitere gemeinsame Aktivitäten werden folgen.

Kontakt

Sybille Haußmann

Migrationsbeauftragte
Kreis Düren
Bismarckstr. 16
52351 Düren
Telefon: 02421 - 22 20 75

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Düren, LK Nordrhein-Westfalen

Bevölkerung 2014

259.073

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-2,5

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