Moers – Screeningverfahren für Neugeborene

Die Geburt eines Kindes ist oft mit vielen Unsicherheiten und Problemen verbunden. In Moers gibt es in den beiden Geburtskliniken ein Screeningverfahren, das versucht, mögliche Risikofaktoren für eine gesunde Entwicklung schon bald nach der Geburt zu identifizieren und den Familien passgenaue Hilfen anzubieten.

Ausgangslage

  • In der Zeit nach der Geburt werden viele Weichen für das spätere Leben gestellt.
  • Gerade in dieser Phase ist es wichtig, mögliche Risikofaktoren zu erkennen und Familien umfassend zu beraten und zu unterstützen.
  • Die Stadt Moers ist eine der 18 teilnehmenden Kommunen im Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" der Landesregierung NRW und der Bertelsmann Stiftung. Durch den Aufbau kommunaler Präventionsketten sollen Weichen für gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen gestellt werden. Regionale und kommunale Unterschiede spielen hierbei eine große Rolle: Jede Kommune findet ihren eigenen Weg und definiert individuelle Ziele.

Ziele

  • Ein Screeningverfahren für Neugeborene soll helfen, mögliche Belastungen frühzeitig zu erkennen.
  • Durch die Erkennung von Unterstützungsbedarf sollen schnell und passgenau individuelle Hilfen angeboten werden können.

Umsetzung

  • Das Screeningverfahren gibt es in beiden Geburtskliniken in Moers: im Bethanien-Krankenhaus und im Krankenhaus St. Josef.
  • Das Projekt wird im Rahmen von „KinderZUKUNFT NRW" durchgeführt. Initiiert wurde es vom IMO Institut und der Stiftung „Deutsches Forum Kinderzukunft". Es wird mit Mitteln der Bundesinitiative „Frühe Hilfen" gefördert. Für die Familien entstehen keine Kosten.
  • Mit Hilfe eines Fragebogens soll im Rahmen von aufsuchender Elternarbeit herausgefunden werden, ob es in den Familien Belastungsfaktoren gibt, die ein gesundes Aufwachsen verhindern könnten.
  • Zu diesen Belastungsfaktoren zählen z. B. Geldsorgen, Beziehungsprobleme, übermäßiger Stress, sonstige persönliche Probleme oder eine Behinderung/Krankheit des Neugeborenen.
  • Von den Eltern wird das Screeningverfahren als Bestandteil des normalen Klinikalltags wahrgenommen. Dadurch wird die Akzeptanz erhöht.
  • Um den Datenschutz zu gewährleisten, werden die Namen der teilnehmenden Familien in Fallnummern umgewandelt, sodass eine Rückverfolgung unmöglich wird.
  • Jeder Fall wird von zwei Personen geprüft, darunter immer der Chefarzt oder eine Vertretung.
  • Bei Unterstützungsbedarf können passgenaue Hilfen angeboten werden.
  • Viele verschiedene Einrichtungen arbeiten zusammen, z. B. Jugend- und Gesundheitsamt, freie Träger der Jugendhilfe, verschiedene Ärzte und Kliniken.
  • Vier bis zwölf Wochen nach der Geburt findet eine zweite Befragung statt, bei dem die Entwicklung sowohl der Familie als auch des Kindes festgehalten wird.
  • Die Nutzung des Angebotes ist freiwillig. Es geht nicht darum, die Familien zu kontrollieren. Sie können auch nachträglich noch ihre Einverständniserklärung zurückziehen und bestimmen selbst, mit welchen Personen und Institutionen ihre Situation gesprochen werden darf.
  • Auch nach dem Verlassen des Krankenhauses besteht für die Familien die Möglichkeit, sich Hilfe zu holen.
  • Das Angebot gilt für alle Babys, die in den beiden Krankenhäusern geboren wurden, auch wenn die Eltern nicht aus Moers, sondern einer umliegenden Stadt kommen.

Erfolge

  • Im Bethanienkrankenhaus nehmen über 95 % der Familien an dem Screening teil und bei 5 – 7 % der Familien wird ein Unterstützungsbedarf festgestellt.
  • Auch die Familien, bei denen aktuell kein besonderer Beratungsbedarf festgestellt wurde, profitieren von dem Angebot, denn falls später doch noch Probleme auftauchen sollten, haben sie bereits einen Ansprechpartner.
  • Dadurch, dass nur eine Person Kontakt zur Familie hat, werden Parallelstrukturen und unnötige Kosten vermieden.

Kontakt

Stephan Caniels

Koordinator frühe Hilfen
Jugendamt der Stadt Moers
Rathausplatz 1
47441 Moers
Telefon: 02841 / 201-814

Weitere Informationen

  • Landeskoordinierungsstelle „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" beim Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (2014): „Fachmagazin 2014 zum Landesmodellvorhaben „Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor". Düsseldorf.

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Moers Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

102.923

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-7,2

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