Münster- Dezentrales Unterbringungs- und Betreuungskonzept für Geflüchtete

In Münster wurde ein dezentrales Unterbringungs- und Betreuungskonzept für Geflüchtete geschaffen, um für sie und die aufnehmende Bevölkerung ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen. Durch die Bündelung vielfältiger kommunaler Instanzen zu gemeinsamen Arbeitsnetzwerken gelingt die Integration von Flüchtlingen. Ein gutes Wohn- und Betreuungskonzept fördert die Chance der Geflüchteten auf gutes Einleben und gesellschaftliche Teilhabe.

Ausgangslage

  • Münster verfügt nicht über Leerstände im Wohnungsbestand und gehört zu den wachsenden Städten Deutschlands. Preisgünstiger Wohnraum ist kaum oder nur schwer zu erhalten.
  • Aufgrund eines starken Zuzugs von Spätaussiedler/innen erklärte die Verwaltung der Stadt im Jahr 1999 verstärkt die Integration von Flüchtlingen und Spätaussiedler/innen als Ziel ihrer Aktivitäten.
  • 2000/2001 wurde das dezentrale Unterbringungskonzept konkretisiert. Zugleich wurde eine Koordinierungsstelle für die Unterbringung von Aussiedlern, Asylbewerbern und Flüchtlingen eingerichtet, die im Jahr 2005 zur Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten erweitert wurde.

Ziele

  • Das Konzept ist auf eine dezentrale Unterbringung innerhalb Münsters ausgerichtet, um eine räumliche Isolation der Flüchtlinge zu vermeiden.
  • In verschiedenen Münsteraner Stadtteilen erfolgt die sozialräumliche Nähe zu Bewohner/innen der Stadt auf Grundlage standardisierter Raumprogramme in Anbindung an bestehende Wohnflächen. Ausgenommen sind Stadtteilen mit besonderem Integrationsbedarf. Hier werden keine neuen Flüchtlingswohnheime errichtet.
  • Die Belegungszahl soll 50 Plätze nicht übersteigen, sodass Konflikten zwischen den Flüchtlingen und den Stadtteilbewohner/innen aufgrund von Überfremdungsgefühlen seitens der Einheimischen entgegen gewirkt und dem Sicherheitsbedürfnis der Flüchtlinge entsprochen wird.
  • Durch die Vermeidung von Großküchen und großen Sanitäranlagen soll sich eine höhere Verantwortung der Flüchtlinge für ihren Wohnraum einstellen.
  • Flüchtlingsfamilien erhalten innerhalb der Einrichtungen Wohnraum, der so konzipiert ist, dass Konflikte verringert werden sollen.

Umsetzung

  • Die Konkretisierung des dezentralen Unterbringungskonzepts erfolgte zwischen unterschiedlichen kommunalen Instanzen. Beteiligt waren Vertreter/innen des Rates, der Bezirksvertretungen, des Ausländerbeirates, der Freien Wohlfahrtspflege, NGO‘s, der Kirchen, der Polizei, Unterstützerorganisationen, der Religionen und der Verwaltung.
  • Seit 2000 wurden 22 Einrichtungen mit einer Belegungskapazität von bis zu 50 Plätzen auf der Grundlage der Bedarfs- und erwarteten Nachfrageentwicklung geplant und bebaut, bzw. finden sich noch in der Bebauung.
  • Die Einrichtungen werden in Anbindung an bestehende Bebauungen in verschiedenen Münsteraner Stadtteilen platziert. Dabei werden die baulichen Standards so umgesetzt, dass eine Flüchtlingseinrichtung an Baukörper und Umfeld nicht erkennbar ist.
  • Das Wohnkonzept sieht für jeweils ca. acht Personen eine Wohneinheit mit eigener Wohnküche, eigenem Bad mit WC und einem zusätzlichen WC vor.
  • Jede Einrichtung wird mit einem Gemeinschaftsraum und einem Kinderbetreuungsraum ausgestattet. Dadurch reduzieren sich die Kosten für die externe Betreuung von Kindern und Familien, da die Betreuung durch ehrenamtliche Mitarbeiter/innen, teilweise in den vorgesehenen Gemeinschaftsräumen, erfolgt.
  • Aufgrund von rasant steigenden Flüchtlingszahlen (Stand: Februar 2016) wurde das Konzept ergänzt; u. a. wird temporär auf die Nutzung von Containern zurückgegriffen, die die bislang geltenden Rahmenbedingungen nicht mehr einhalten können. Soweit möglich wird versucht, die sozialräumliche Verteilung angemessen zu gestalten.
  • Zusätzlich werden im größeren Umfang Häuser der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW) für die Unterbringung von Flüchtlingen der Stadt Münster zur Verfügung gestellt.
  • Die Flüchtlingseinrichtungen werden auf einem Stadtplan online öffentlich gemacht.
  • Die Betreuung der Flüchtlinge wird durch die Stadt gesteuert. Im Rahmen des neuen Betreuungskonzeptes ist eine Mischung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen vorhanden.
  • Sprache, Arbeit und gegenseitiges Kulturverständnis sind Kernelemente des Betreuungskonzepts. Durch die starke Einbindung von Fachkräften können in den Gruppenräumen der Wohneinrichtungen Begleitangebote wie Hausaufgabenhilfe, Kleinkindbetreuung, Frauengruppentreffen etc. angeboten werden.
  • Die Stadt Münster legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Akquise und Begleitung der ehrenamtlichen Arbeit, sie fördert diese durch geringe Projektmittel und durch den Austausch der Beteiligten. Die Vernetzung und der Erhalt der Angebote kann dadurch gewährleistet werden.
  • Bewährt hatte sich für Entwicklung dieses Betreuungsangebotes die Arbeit des Koordinationskreises. Hier arbeiteten Vertreter/innen der Verwaltung, der Zivilgesellschaft, der Politik und Migrantenvertretungen regelmäßig zusammen. In einem stadtinternen Arbeitskreis mit Vertretern aus verschiedenen Ämtern von Finanz-, Sozial-, Schul- und Baudezernat wird die Arbeit aus der Perspektive der Verwaltung analog begleitet.

Erfolge

  • Zweiundzwanzig Flüchtlingseinrichtungen wurden seit 2001 beschlossen und sind errichtet oder in unmittelbarer Umsetzungsplanung.
  • Die Konzepte wurden im Rat einstimmig beschlossen.
  • Das dezentrale Unterbringungskonzept ist eines der wenigen gut funktionierenden Privat-Public-Partnership-Modelle. Voraussetzung dafür ist ein gutes Investitionsklima für langfristige Investments.
  • Kein Stadtbezirk fühlt sich auf der Basis des Konzeptes überfordert.
  • Das Unterbringungskonzept ist vermutlich deutschlandweit einmalig weil u. a. weder der Bund noch die Länder diese Maßnahme fördern.
  • Durch die Einbindung von ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen in die Sozialarbeit in den Einrichtungen, besuchen fast alle Flüchtlingskinder Kindergärten und Schulen.

Kontakt

Jochen Köhnke

Dezernent für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten
Stadt Münster
Ludgeriplatz 4
48127 Münster
Telefon: 0251 - 49 27 053

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Münster Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

302.178

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

11,3

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