Rheine - Offene Moscheen gegen Vorurteile

Die Stadt ermunterte und unterstützte die muslimischen Gemeinden Rheines, die beiden Moscheen für alle Bürger zu öffnen und in direkten Dialog mit der Bevölkerung und den anderen Glaubensgemeinschaften zu treten. Ängste und Vorurteile auf beiden Seiten sollen mit Hilfe des Projektes abgebaut werden.

Ausgangslage

  • Als nahe zu den Niederlanden gelegene Stadt und als ehemaliger Standort der Textilindustrie ist Rheine schon seit der Industrialisierung Ziel von Zuwanderern.
  • Seit 1990 hat die Stadt ca. 5500 Aussiedler aufgenommen, zusätzlich zogen viele Russlanddeutsche aus anderen Kommunen in die Stadt. Die größten ausländischen Gruppen sind Türken, Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Portugiesen.
  • Die Stadt hat sich in den letzten Jahren aktiv um die Integrationspolitik gekümmert. So wurde 2003 (Fortschreibung 2007) ein Migrations- und Integrationskonzept mit klaren Zielen, Handlungsfeldern und Prioritäten durch den Stadtrat verabschiedet.

Ziele

  • Etablierung eines interkulturellen Dialogs und demzufolge eines Abbaus von Vorurteilen und Ängsten auf beiden Seiten.

Umsetzung

  • In der Stadt existieren zwei Moscheen, die Heimat besonders für Muslime türkischer, arabischer und jugoslawischer Herkunft sind. Die Stadt trat mit beiden Gemeinden in einen direkten Dialog, stellte den gegenseitigen Kontakt her und ermunterte sie, ihre Gotteshäuser für alle Bürger der Stadt zu öffnen.
  • In der Folge haben Gruppen aus allen gesellschaftlichen Bereichen die Moscheen besucht und konnten auch deren religiösen Zeremonien kennenlernen.
  • Im Gegenzug haben die evangelischen und katholischen Gemeinden islamische Gruppen zu ihren Gemeindefesten eingeladen. Zu bestimmten Anlässen werden auch gemeinsam interreligiöse Gottesdienste durchgeführt.
  • In zahlreichen weiteren Schritten wird auf verschiedenen Ebenen gegenseitiges Vertrauen aufgebaut:
    • Herstellen von Kontakten zur Polizeiinspektion, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Moschee liegt, Einführen von jährlichen „Neujahrsempfängen"
    • Begehen islamischer Feiertage in Projektkindergärten
    • gemeinsame Organisation und Durchführung eines christlich-islamischen Friedensgebets
    • Imame werden bei Amtsantritt durch die Bürgermeisterin empfangen. Dadurch soll das Amt des Imams in seiner gesellschaftlichen Relevanz gewürdigt werden.
    • Ein Imam ist an besonderen Schulgottesdiensten (Entlassfeiern, Jubiläen) beteiligt.
    • Ein Imam und der Dechant sind Mitglied im Netzwerk Migration.
    • „Freitagspredigt" liegt in deutscher Sprache aus.
  • Durch die Öffnung der Moscheen konnten zahlreiche Vorurteile abgebaut werden. Vor allem konnten Ängste beseitigt werden, die Moscheen könnten etwa als Orte für Hasspredigten und extremistisches Gedankengut dienen.
  • Es wurde ein „Interkulturelles Aktionsforum für Beheimatung" von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit gebildet. Es besucht Moscheen, Kirchen und Tempel sowie Museums-Ausstellungen zur Religionsgeschichte.

Erfolge

  • Inzwischen gibt es zahlreiche Zeichen der Annäherung: Eltern aller Religionen kommen zum Ramadanfest in den Kindergarten, muslimische Kinder nehmen am Nikolausfest teil und alle gemeinsam feiern das Lichterfest der Hindus.
  • Bei religiösen schulischen Veranstaltungen (Entlassfeiern usw.) werden auch muslimische Geistliche eingeladen.
  • Eine katholische Kirchengemeinde stellt einen Teil ihres Friedhofs für muslimische Begräbnisse zur Verfügung.
  • In den Rheiner Schulen stellen unterschiedliche Religionen keinen Anlass für Auseinandersetzungen unter Schülern dar.
  • In der Stadt konnte sich keine ausländerfeindliche Szene etablieren.

Kontakt

Helmut Hermes

Geschäftsführer Integrationsrat
Stadt Rheine
Klosterstraße 14
48431 Rheine
Telefon: 05971 - 93 93 90

Weitere Informationen

  • Stadt Rheine
  • Bertelsmann Stiftung, Bundesministerium des Innern: Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik. Gütersloh 2005, S. 64

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Rheine Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Stabile Mittelstädte

Bevölkerung 2014

73.944

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

1,3

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