Schwerte - Gemeinsames Wohnen im Beginenhof

Familiäre und nachbarschaftliche Bindungen sind heute nicht mehr selbstverständlich. Dadurch fallen viele alltägliche Begegnungen und gegenseitige Hilfeleistungen weg. Insbesondere ältere und alleinerziehende Frauen wünschen sich Wohnformen, in denen sie Selbständigkeit, Geselligkeit und füreinander sorgen verbinden können. Beginenhöfe wie in Schwerte bieten hierfür ideale Bedingungen.

Ausgangslage

  • Die durchschnittliche Haushaltsgröße in Deutschland nimmt seit Jahren ab. Immer mehr Menschen leben allein. In Schwerte sind von den 10.194 Personen über 65 Jahren 31,5 Prozent alleinlebende Frauen (3.210) und nur 8,2 Prozent Männer (838). Eine weitere große Gruppe (1.052 Personen) sind die Alleinerziehenden, die den Spagat zwischen Kindererziehung und Beruf bewältigen müssen.
  • Eine Alternative ist ein Unterstützungsnetzwerk in einer selbstgewählten Nachbarschaft, das aber auch ein eigenständiges, unabhängiges Leben ermöglicht.

Ziele

  • Die Potenziale, das Wissen und die Erfahrung der älteren Generation für die Bürgergesellschaft nutzbar machen
  • Wohnortnahe Netzwerkstrukturen und Wohnformen unter Stärkung der Selbsthilfe und Selbstorganisation gestalten und fachlich unterstützen

Umsetzung

  • Eine Gruppe von Frauen schließt sich 2001 zum Förderverein Schwerter Beginenhof e.V. zusammen. Ziel ist ein generationsübergreifendes, gemeinschaftsorientiertes Zusammenleben von alleinerziehenden und alleinwohnenden Frauen. In der Öko-Siedlung „Am Elsebad", entstanden dreizehn geförderte Mietwohnungen, davon vier für Alleinerziehende mit Kindern. Ein weiterer Beginenhof wurde stadtnah mit zwei Wohnungen für Alleinerziehende und zehn Wohnungen für alleinlebende Frauen gebaut.
  • Die Idee geht auf die historischen Beginenhöfe zurück, ursprünglich wirtschaftlich autonome Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaften von alleinstehenden Frauen und Witwen. Inzwischen gibt es deutschlandweit mehrere Beginen-Initiativen, die diese Tradition wieder aufleben lassen.
  • In Schwerte soll das Frauenwohnprojekt z. B. zu einer Verbesserung der Vereinbarkeit von Kindern und Beruf beitragen sowie die Möglichkeit eines selbstständigen Lebens im Alter schaffen. Neben der gegenseitigen Unterstützung im Alltag innerhalb der Wohngemeinschaft sind für die Frauen auch nach außen gerichtete gemeinnützige und karitative Aufgaben für die soziale Gemeinschaft selbstverständlich.
  • Anfangs wurde eine Immobilie in Form eines alten, denkmalgeschützten Bauernhauses gesucht, später wurden die Wohnungen des Beginenhofs nach den Vorstellungen der Frauen neu gebaut. Für die fachliche Begleitung konnte eine Architektin und Bau-Ingenieurin gewonnen werden, die bereits ähnliche Projekte betreut. Die Kosten dafür wurden zu 80 Prozent vom Land NRW gefördert.
  • Der Beginenhof in Ergste nimmt ein Viertel des Dorfplatzes in der Ökosiedlung ein. Jede Frau hat eine abgeschlossene Wohnung (ca. 50 – 90 qm) mit Balkon/Terrasse. Ein Gemeinschaftsraum ist für vielfältige Nutzungen gedacht: etwa für Treffen, Kindergeburtstage, Ausstellungen, Vorträge usw. Er soll nicht nur für die Bewohnerinnen sondern für das gesamte Quartier eine Begegnungsstätte sein. Auch die sich künftig eventuell gründende Nachbarschaftsschicht, eine spezielle Form Nachbarschaftshilfe bzw. Selbstverwaltung in Schwerte, könnte hier einen Platz finden. Eine noch weitergehende Idee ist, mit einem Erdgas-Auto Carsharing für die ganze Siedlung anzubieten.
  • Dieser erste neuzeitliche Beginenhof in Schwerte-Ergste wurde seit dem Bezug im Juli 2005 bis Ende 2009 von ca. 2000 Interessierten besucht.

Meilensteine

  • November 2001: Gründung des Fördervereins Schwerter Beginenhof e. V.
  • September 2004 – Juli 2005: Bau des ersten Beginenhofes in der Ökosiedlung Schwerte-Ergste
  • Januar 2005 – Mai 2006: Bau des zweiten Beginenhofes an der Schützenstraße in Schwerte

Erfolge

  • Der Beginenhof in Schwerte ist der erste neuzeitliche Beginenhof in NRW. Er ist der dritte bundes- und europaweit (nach Bremen und Tännich bei Erfurt in Thüringen).
  • Der Beginenhof ist gesellschaftlich anerkannt, gilt als Leuchtturmprojekt und wird von Politik und Verwaltung begleitet und unterstützt.
  • Zeitgemäße Wohnform für Frauen in und nach der Berufsphase, aber auch für alleinerziehende Frauen mit Kindern sind inzwischen in achtzehn deutschen Städten umgesetzt worden.
  • Die Eigenständigkeit in der Gemeinschaft soll sowohl genügend Raum für Individualität als auch die Geborgenheit in der Gemeinschaft bieten.

Kontakt

Irmtraud Ruder

Förderverein Schwerter Beginenhöfe e. V.
Kiebitzweg 2
58239 Schwerte
Telefon: 02304 - 25 29 34

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Schwerte Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Stabile Mittelstädte

Bevölkerung 2014

46.270

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-8,6

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