Wipperfürth - Mehrgenerationenhaus „Miteinander leben und wohnen“

Neue Wohnformen zu finden, in denen sich Menschen in verschiedenen Lebenssituationen und Lebenslagen unterstützen können, ist eine der zentralen Herausforderungen im Zusammenhang mit dem demographischen Wandel. Im Mehrgenerationenhaus in Wipperfürth bei Köln leben Jung und Alt, Behinderte und nicht Behinderte, Singles und Familien in einem Miteinander, von dem alle profitieren.

Ausgangslage

  • Die Auflösung der ehemals vertrauten Familienstrukturen wird sich durch den demographischen Wandel noch beschleunigen. Auf Hilfe, Halt und Unterstützung durch die eigene Familie werden sich immer weniger Menschen verlassen können.
  • Die dadurch entstehenden Bedarfe professionell bzw. institutionell aufzufangen, ist weder realisierbar noch wünschenswert.
  • Das Mehrgenerationenwohnhaus „Miteinander leben und wohnen" in Wipperfürth bei Köln ermöglicht neue Formen des intergenerationellen Zusammenlebens.

Ziele

  • Stärkung der Wünsche nach Individualität, Selbstständigkeit und Geborgenheit im alltäglichen Wohnumfeld
  • Leben in der Balance von Nähe und Distanz in Gemeinschaft und Solidarität
  • Wohnen und Leben im Quartier

Umsetzung

  • Die Idee des Mehrgenerationenwohnens wurde der Bevölkerung in Wipperfürth erfolgreich vorgestellt. Auf Grund des großen Interesses und der gezielten Lebensplanung in Verbindung mit dem Vorhaben wurde eine Gruppe von Interessenten gegründet, die sich projektbegleitend alle drei Monate traf. Hier wurden konkrete Erwartungen an die Wohn- und Raumkonzepte formuliert, die in die Bauplanung einflossen. 
  • Im zweiten Schritt wurden in dieser Gruppe, die sich in den 5 Jahren mehrmals in der Zusammensetzung veränderte, an den zukünftigen Rahmenbedingungen gearbeitet. 
  • Das Projektdesign bestand aus vier Bestandteilen:
    • Einbeziehung der Vorstellungen und Wünsche in der Bevölkerung über individuelle Wohn- und Lebenspläne.
    • Schaffung eines adäquaten Wohn- und Raumkonzeptes
    • fachkompetente Begleitung und Moderation des Prozesses „Miteinander leben und wohnen"
    • Aufbau eines Netzwerkes im Quartier 
  • Nach Bewältigung aller baurechtlichen Hürden und Finanzierungsschwierigkeiten wurde ein Wohnkomplex, bestehend aus zwei Häusern mit insgesamt 35 Mietwohnungen sowie einem Gemeinschafts- und Begegnungsraum, geschaffen.
  • 28 Wohnungen wurden aus Mitteln des sozialen Wohnungsbaus gefördert, 7 Wohnungen frei finanziert. Insgesamt stehen 5 verschiedene Wohnungsgrundrisse zur vom 35-m²-Einzimmer-Appartement bis zur 96 m² großen Vierzimmer-Wohnung zur Verfügung.
  • Die Wohnungen und alle Zugänge (auch die Verbindungen zwischen den Häusern) sind barrierefrei. Die Wohnungen verfügen alle über einen Balkon bzw. eine Terrasse und Kellerraum, zusätzlich stehen Wirtschaftsräume zum Waschen und Trocknen der Wäsche zur Verfügung. Im Eingangsbereich wurden Stromanschlüsse und Stellflächen für Elektrorollstühle geschaffen.
  • Ein großzügiges Außengelände mit einem in Eigeninitiative erstellten Abenteuerspielplatz lädt zu Aktivitäten und zum Verweilen ein. Für gemeinsame Aktivitäten der Hausgemeinschaft bietet der Begegnungs- und Kommunikationsbereich mit Teeküche gute Voraussetzungen, in Absprache auch für private Anlässe.
  • Die Bewohnerstruktur setzt sich wie intendiert aus Menschen verschiedenen Alters, mit unterschiedlichem Familienstand und gesundheitlich und sozialer Lebenssituationen zusammen.
  • Einige Familien nutzten die Gelegenheit, als Großfamilie mit zwei bzw. drei Generationen einzuziehen, wobei jede „Kleinfamilie" eine eigene Wohnung bewohnt.
  • Es besteht ein reger Austausch an Hilfeleistungen untereinander und verschiedene Gemeinschaftsaktionen im und rund um das Haus zeugen von einer lebendigen Hausgemeinschaft.
  • Der Prozess des Miteinanderlebens und -wohnens wird durch eine pädagogische Fachkraft moderiert und unterstützt. Auf Wunsch erhalten die Bewohner in verschiedenen Lebenssituationen Beratung. Auf Kooperations- und Netzwerkpartner wird gezielt hingewiesen und konkrete Ansprechpartner vermittelt.
  • In Konfliktsituationen der Bewohner untereinander wird Gelegenheit gegeben, die Konfliktparteien miteinander in Kontakt treten zu lassen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
  • Durch die Moderation der mindestens zwei monatlich stattfindenden Hausversammlungen wird eine Struktur geschaffen, die es den Bewohnern ermöglicht, themenbezogen ihre Anliegen einzubringen, zu erörtern und Vereinbarungen zu treffen.

Erfolge

  • Die Forderung und Förderung von vorhandenen Ressourcen und des Einsatzes für die Gemeinschaft in Solidarität und Miteinander ist ein erfolgreicher, aber ungewohnter Weg. Aus diesem Grunde gibt es im CBT-Mehrgenerationenwohnhaus keinen von der Institution organisierten Mittagstisch, Tagesbetreuung oder Tagespflege bzw. häusliche Pflege als Prävention oder Intervention für verschiedene Lebenskrisen. Daraus sind einige Erfolge erwachsen:
    • Ein aus Mietern bestehendes Einzugsteam ist an der Beratung von Interessenten und der Auswahl von neuen Mietern beteiligt.
    • Die Gemeinschaft der Mieter entwickelt ein hohes Maß an Eigeninitiative zur Gestaltung des Miteinanderlebens und -wohnens.
    • Auch der weitere Ausbau der Netzwerkarbeit im Quartier Wipperfürth wird aktiv verfolgt und es zeichnen sich gute Kooperationen mit Diensten und Angeboten vor Ort ab, z. B. mit dem Familienzentrum, Beratungsstellen u. a.
  • Die Erfahrungen dieses Projektes in Wipperfürth hat die CBT motiviert, Wohnangebote im Bestand auf den Prüfstein zu stellen und Angebote des „Wohnens mit Service" für alte Menschen zu öffnen für Jung und Alt.

Kontakt

Ellen Wappenschmidt-Krommus

CBT – Mehrgenerationenhaus „miteinander leben und wohnen"
Alte Kölner Straße 36
51688 Wipperfürth

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Wipperfürth Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Stabile ländliche Städte und Gemeinden

Bevölkerung 2014

21.334

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-9,5

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