Wuppertal - Partizipation – Wuppertaler Netzwerk zur Förderung der arbeitsmarktrechtlichen Integration von Bleibeberechtigten und Flüchtlingen

Die Stadt Wuppertal hat ein Projekt entwickelt, das Personen mit Migrationshintergrund möglichst innerhalb von 12 Monaten in eine Arbeit oder Ausbildung vermitteln soll. Diese Personen haben alle einen nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt.

Ausgangslage

  • Die Zielgruppe des Projektes umfasst in Wuppertal um die 700 erwerbslose Personen, bei der die Personen mit einem humanitären Aufenthaltsstatus die weitaus größte Gruppe darstellen.
  • Durchschnittlich befinden sie sich seit 13 Jahren in Deutschland, manche sind über 20 Jahre hier, darunter Jugendliche, die hier aufgewachsen sind.
  • Alle haben bis vor kurzem nur eine Duldung besessen. Über die meiste Zeit ihres Aufenthaltes war ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt gesetzlich verwehrt oder zumindest erheblich erschwert.
  • In Wuppertal umfasst die Gruppe in erster Linie Menschen aus den ehemaligen Republiken Jugoslawiens, die in früheren Jahren von anderen Bleiberechtsregelungen ausgeschlossen wurden. Darunter sind viele Roma.
  • Nur wenige haben in der Vergangenheit eine Berufstätigkeit ausgeübt. Viele haben überhaupt keinen Berufsabschluss und sind gering gebildet. Die vielen Jahre oder Jahrzehnte des Arbeitsverbotes bzw. eines äußerst eingeschränkten Arbeitsmarktzugangs haben die Aufnahme einer Ausbildung oder Arbeit unmöglich gemacht und so zur Arbeitsentwöhnung geführt. Da sie Flüchtlinge waren, haben sie die deutsche Sprache nur im alltäglichen Umgang und nicht in der Schule oder in Sprachkursen gelernt.
  • Durch die ebenfalls jahrelange Zeit des beengten Wohnens in Übergangsheimen und des Unvermögens in die Zukunft zu planen, leiden sie an gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen. Viele der Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben unter den Lebensumständen der Vergangenheit, wenn überhaupt, nur geringe Schulabschlüsse erreicht.

Ziele

  • Erstes Ziel der Projektförderung ist es, Bleibeberechtigte, Personen mit einem humanitären Aufenthalt, Asylbewerber und Geduldete (Personen, die zumindest einen nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt haben) möglichst innerhalb von 12 Monaten in eine Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln.
  • Hierbei wird die Arbeitsaufnahme aller erwerbsfähigen Familienmitglieder angestrebt, damit der Arbeitslohn ausreicht, um unabhängig von sozialen Leistungen zu werden. Dies ist zwingende Voraussetzung für die Verlängerung des Bleiberechts bzw. der dauerhaften Sicherung des Aufenthaltes in Deutschland.

Umsetzung

  • „Partizipation Plus" ist ein aus EU- und Bundesmitteln gefördertes Projektnetzwerk bestehend aus der Diakonie Wuppertal, dem Ressort „Zuwanderung und Integration", der gemeinnützigen Gesellschaft für Entsorgung, Sanierung und Ausbildung (Gesa gGmbH) und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF).
  • Das Ressort „Zuwanderung und Integration" der Stadt Wuppertal ist unter anderem Leistungsbehörde für das Asylbewerberleistungsgesetz und betreut die Flüchtlinge seit Beginn ihres Aufenthaltes in Deutschland bzw. Wuppertal sozialarbeiterisch. Die Betreuung fand und findet im Einzelfall in Kooperation mit den Migrationsdiensten der Wohlfahrtsverbände statt, die ebenfalls Beratung und weitergehende Angebote für Flüchtlinge zur Verfügung stellen.
  • Jeder Sozialarbeiter des Ressorts arbeitet in einem festgelegten Bezirk, der aus mehreren Wohnquartieren Wuppertals besteht. Aus einer Liste von Personen, die zur Zielgruppe gehören, werden nach und nach alle eingeladen. Bei Vorsprache werden Informationen über schulische und berufliche Qualifikationen, bisherige Arbeitstätigkeiten, Deutschkenntnisse, Motivation, Teilnahmefähigkeit und Erwerbsfähigkeit erhoben. Bei Zweifel an der Erwerbsfähigkeit wird eine medizinische Prüfung eingeleitet.
  • Ist die Erwerbsfähigkeit grundsätzlich gegeben, findet eine Aufnahme ins Projekt statt. In einem schriftlich gefassten Förderplan wird festgehalten, was die Person unternehmen soll, um die Voraussetzungen für eine möglichst erfolgreiche Arbeitssuche zu beginnen. Die Ergebnisse bzw. Verabredungen werden in einem Förderplan festgehalten und von beiden Seiten unterschrieben.
  • Ist die Person aktiv, spricht gut Deutsch, kennt sich gut aus und kann vieles selbst erledigen, bleibt die Gesamtbetreuung bei dem Sozialarbeiter des Ressorts. Alle 4 –6 Wochen finden Folgegespräche und die Fortschreibung des Förderplans statt. Braucht die Person intensivere, weitergehende Unterstützung, wird sie je nach Art der benötigten Hilfe zu einem der Partner im Projektnetzwerk vermittelt.
  • Neben vielen Überschneidungen an Aktivitäten, die alle Partner ausüben, liegt der Schwerpunkt der Unterstützung des SKF bei der Aktivierung und Motivierung arbeitsentwöhnter, passiver, resignierter, sehr unsicherer Teilnehmer und bei ihrer vorrangigen Zielgruppe: Frauen und Jugendliche.
  • Die Diakonie Wuppertal hat hierbei den Schwerpunkt Jobcoaching für Teilnehmer mit Bildungs- und Berufsabschluss und guten persönlichen Kompetenzen. Die Diakonie ist parallel spezialisiert auf die Ausbildung/Qualifizierung von Flüchtlingen als Quereinsteiger in Gesundheitsberufen oder als Sprach- und Kulturmittler. Sie kümmern sich vor allem um Möglichkeiten beruflicher Weiter- oder Anpassungsqualifizierungen, um in möglichst qualifizierte Jobs vermitteln zu können.
  • Die Gesa gGmbH als Arbeitsmarktakteur für Menschen mit erheblichen Vermittlungshemmnissen bietet psychologische Settings, lebenspraktische Unterstützung, Kurzzeittrainings in Kernkompetenzen, Qualifizierungen in unterschiedlichen Gewerken, Praktika in Betrieben zur Herstellung von Arbeits- und Ausbildungsfähigkeiten.

Erfolge

  • Viele Arbeitsvermittlungen waren zu Beginn geringfügige Beschäftigungen, die schnell verlorengingen, weil die Arbeitsentwöhnung zu groß war. Die zweite Arbeitsvermittlung war schon nachhaltiger, mündete nicht selten in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, dann in Vollzeit, die schließlich entfristet wurde.
  • Die ersten Erfolge sprachen sich herum und motivierten andere, auch am Projekt teilzunehmen.
  • Die Zielgruppe entwickelte sich persönlich sehr stark weiter; dies hatte zudem einen positiven Einfluss auf die Kinder der Projektbeteiligten.
  • Folgende Ergebnisse lassen sich zahlenmäßig messen:
    • In den zwei Jahren des Projektes gelang es aus der mehrheitlich arbeitsmarktfernen Gruppe heraus 157 Personen in Arbeit, davon 78 in Vollzeit, 38 in sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung und 14 in eine Ausbildung zu vermitteln. Die Vermittlungsquote lag bei gut 50 Prozent.
    • Die jungen Leute, die in Ausbildung vermittelt werden konnten, erhielten eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Am Ende der Frist behielten die Bleibeberechtigten bis auf wenige Ausnahmen ihren Aufenthaltstitel.

Kontakt

Christine Roddewig-Oudnia

Fachbereichsleiterin
Stadt Wuppertal
An der Bergbahn 33
42289 Wuppertal
Telefon: 0202 - 56 32 750

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Wuppertal Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

345.425

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-4,4

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