Hoyerswerda - Fit für´s Leben

„Fit fürs Leben" heißt für Hoyerswerda: Ein junger Mensch soll erfahren, dass der Lernstoff lebenswichtig ist, er seine Eigenverantwortung erproben darf, sich praxisorientiert mit der (Arbeits-)Welt auseinandersetzen darf, schwierige Probleme zu bewältigen lernt, den sozialen Zusammenhalt schätzen und schützen lernt.

Ausgangslage

  • Aufgrund der demographischen Entwicklung und der schlechten Arbeitsmarktlage (Abbau der Braunkohleindustrie) verlassen immer mehr junge Menschen Hoyerswerda. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung kletterte 2012 auf 51,4 Jahre.
  • Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 21,1 Prozent. Von den unter 25-Jährigen sind 17 Prozent arbeitslos (2012).
  • Die mit der Arbeitslosigkeit eng verknüpften sozialen Probleme nehmen zu. Neben steigender Motivationslosigkeit und Frustration werden Geldsorgen und Alkoholprobleme immer massiver. Fehlende Erziehungspotentiale in Familien haben direkte Auswirkungen auf die heranwachsenden Kinder und Jugendlichen. Diese werden vor allem in den Schulen und Freizeiteinrichtungen spürbar.
  • Die Freudenberg Stiftung, seit Jahren Partner der lokalen RAA (Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Demokratie und Lebensperspektiven) stellte 2006 in einer Recherche fest, dass in Hoyerswerda eine Vielzahl von Angeboten für Jugendliche existieren, diese aber nicht miteinander vernetzt und koordiniert sind. Dies war der Ausgangspunkt für eine Neukonzeptionierung des Übergangsmanagements der Stadt.

Ziele

  • Jugendliche im Übergang Schule/Beruf stärken und fördern
  • Die Kompetenzen von Jugendlichen entdecken und fördern, sie „fit fürs Leben" machen, auch angesichts immer häufig werdender Brüche in Bildungs- und Lebensbiographien.
  • Die Vielfalt der Angebote für Jugendliche in der Stadt vernetzen und kommunizieren.
  • Kinder und Jugendliche in krisenhaften und schwierigen Lebenssituationen begleiten.

Umsetzung

  • Bildung einer Steuerungsgruppe mit den Aufgaben
    • Erarbeitung einer Bestandsaufnahme der Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene im Übergansprozess in Hoyerswerda.
    • Formulierung von notwendigen Kompetenzen/Kompetenzfeldern, um „fit fürs Leben" zu werden, und zwar unter Berücksichtigung aller beteiligten Institutionen.
    • Entwicklung eines Qualitätsmodells für die Gestaltung des Übergangsmanagements.
    • Entwurf eines Steuerungsmodells für den Umsetzungsprozess in kommunaler Verantwortung.
    • Eingeladen und einberufen wurde die Steuerungsgruppe vom Bürgermeister, der diese Frage zur Chefsache erklärte. Beteiligt wurden alle Institutionen vom Kindergarten bis zur weiterführenden Schule sowie Vertreter/innen der Träger von Schul-und Jugendarbeit und der Wirtschaft.
  • Die Koordinationsstelle des Oberbürgermeisters, die fachlich bei der RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V. angesiedelt wurde, hat die Aufgabe, die benannten Ziele im Auftrag der Kommune umzusetzen. Das heißt konkret:
    • Betreuung und Vernetzung von Projektträgern: Kitas, Schulen, Wirtschaft, Behörden, freie Träger.
    • Begleitung von Schulen bei der Schulentwicklung, u. a. durch den Einsatz von Projekt- bzw. Sozialmanagerinnen.
    • Sie betreibt übergeordnete Presse- und Öffentlichkeitsarbeit um breit zu informieren.
    • Sie organisiert und leitet Veranstaltungen und Fortbildungen, um die Anbieter auch immer wieder auf die konkreten Bedarfe der Heranwachsenden hinzuweisen.
    • Sie sucht nach Fördermitteln und Sponsoren, um neue Angebote für Kinder und Jugendliche zu finanzieren.
    • Sie entwickelt für die Ausbildungen von Jugendlichen Qualitätsstandards und holt sich das Feedback der Jugendlichen ein, um deren Ideen und Anregungen mit einzubeziehen.
  • Die Projektmanager wurden durch die Stadt Hoyerswerda an Projektschulen eingesetzt (Mittelschulen, Förderschulen) mit den Aufgaben:
    • aktive Helfer und Unterstützer für Schulen zu sein
    • neue Konzepte mitzuentwickeln
    • Kooperationspartner für die Aufgaben der Schulen zu gewinnen
    • Netzwerke in und um Schulen zu knüpfen
    • zu koordinieren und zu moderieren, um so zum Nutzen der Heranwachsenden das enge Zusammenwirken von Schule/Jugendhilfe/Eltern und auch der Wirtschaft zu verbessern.

Die Bildungskonferenz

  • In der jährlich stattfindenden Bildungskonferenz werden fachliche Diskussionen über die Weiterentwicklung der lokalen Bildungslandschaft initiiert.
  • Grundlage für die Umsetzung war die Abstimmung der Neufassung der Richtlinien zur Förderung der Seniorenbegegnungsstätten gemeinsam mit allen Trägern.
  • Eröffnung von Beteiligungsmöglichkeiten in den Stadtteilen, wodurch jeder zur Gestaltung seines Lebensumfeldes selbst beitragen kann.
  • integratives Herangehen: Aufbau von integrierenden Angeboten für Behinderte, Öffnung der Einrichtungen für Migranten, Einbindung des Integrationsbeirates, intergenerationelle Projekte im Rahmen der offenen Ganztagsschule und in den Nachbarschaftszentren.

Erfolge

  • Im Jahr 2012 ist Hoyerswerda über die Landesgrenzen hinaus ein Beispiel für gelungenes Übergangsmanagement. Trotz negativer Entwicklungsprognosen (Einwohnerzahl, Arbeitsplatzentwicklung) hat das lokale Handlungs- und Entwicklungskonzept einer negativen Entwicklung entgegen gewirkt.
  • Fit für´s Leben hat sich zur Marke entwickelt. Der Landkreis Bautzen hat sie zum Konzept der lokalen Verantwortungsübernahme im Bereich Schule-Beruf übernommen und befindet sich gegenwärtig in der Umsetzungsphase.

Kontakt

Evelyn Scholz

Koordinierungsstelle
RAA Hoyerswerda/Ostsachsen e.V.
Straße am Lessinghaus 7
02977 Hoyerswerda

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Hoyerswerda Sachsen

Demographietyp

Stark schrumpfende Kommunen mit Anpassungsdruck

Bevölkerung 2014

33.825

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-31,2

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