Leipziger Kinderbüro – Kinder planen ihre Stadt

Die Orte, wo Kinder spielen und Jugendliche sich treffen, werden oft von Erwachsenen geplant. Dabei werden die Bedürfnisse junger Menschen häufig nicht erkannt oder ignoriert. Deshalb bietet das Leipziger Kinderbüro e. V. Kindern und Jugendlichen aus dem Stadtviertel die Möglichkeit, sich selbst aktiv in die Gestaltung ihres Wohnumfeldes einzubringen.

Ausgangslage

  • Die Lebensbereiche für Kinder werden in den meisten Fällen von Erwachsenen geplant. Dabei werden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen häufig nicht erkannt bzw. bewusst ignoriert. Zum Aufwachsen in einer demokratischen Gesellschaft gehört jedoch die frühe Beteiligung an der Gestaltung der für Kinder und Jugendlichen wichtigen Lebensbereiche (vgl. KJHG § 8, Abs. 1). Das betrifft z. B. Mitentscheiden bei der Stadt- und Verkehrsplanung, bei der Wohn- und Spielraumgestaltung, im Freizeit- und Umweltbereich und im weiteren Sinne in der Kinder- und Jugendpolitik.
  • Die Ausgangsbedingungen in Leipzig sind günstig: Es gibt eine Dienstanweisung des Oberbürgermeisters, in der die Kinderbeteiligung als Regelaufgabe festgelegt ist. Außerdem wurde ein zweijähriger städtischer Modellversuch durch das Leipziger Kinderbüro durchgeführt, in dem Jugendbeiräte in zwei Stadtbezirksbeiräte der Stadt implementiert wurden. Die Stadtverwaltung unterstützt außerdem Partizipationsprojekte in Gebieten der Sozialen Stadt.
  • Das Leipziger Kinderbüro besteht seit 1997. Es ist aus einem Bund-Länder-Modellversuch (1994 – 1996) mit dem Titel „Kinder planen ihren Stadtteil" hervorgegangen. Aufgrund der Ergebnisse des Modellversuchs wurde ein eingetragener Verein gegründet, der den kinderzentrierten Partizipationsansatz übergreifend und nachhaltig fortführt. Es arbeitet als anerkannter Träger der Freien Jugendhilfe mit Kindern und Jugendlichen von 6 – 18 Jahren in Stadtvierteln mit erhöhtem Erneuerungsbedarf (Innerer Süden, Grünau, Gebiete des Leipziger Westens).

Ziele

  • Die Erhöhung der fachlichen Kompetenz von Kinder und Jugendlichen durch unmittelbare Beteiligung an der Stadterneuerung in Richtung kinderfreundliche Stadt.
  • Die Erhöhung der sozialen Kompetenz durch projektbezogene kommunikative Strukturen.
  • Förderung von Engagementbereitschaft und des Vertrauens in demokratische Institutionen (z. B. Kinderversammlung, Jugendbeirat).
  • Alle durchgeführten Projekte sind nachhaltig und bereiten Kinder und Jugendliche auf das politische Erwachsenenleben vor.
  • Die Identifikation der jüngeren Bewohner mit ihrem Stadtteil durch unmittelbare Beteiligung wirkt der Segregation entgegen.
  • Die Belebung des Gemeinwesens durch Möglichkeiten des generationsübergreifenden Dialogs mit Stadtteilbewohnern.
  • Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der sozialen Situation der Stadtteilbewohner durch gezielte Projektarbeit.
  • Die Beratung und umsetzungsorientierte Hilfe für Verwaltung und Stadtteilinitiativen bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die Organisation eines generationsübergreifenden Dialogs.

Umsetzung

  • Vorgehensweisen sind die Kontaktaufnahme mit Kindereinrichtungen und Schulen, Informationsarbeit für Eltern, die Vermittlung zwischen verschiedenen Ämtern der Stadt Leipzig, kommunalen Einrichtungen, Organisationen und Initiativen, die für Kinder und Jugendbelange tätig sind.
  • Die Vernetzung des Kinderbüros mit anderen Initiativgruppen und mit Bürgerbüros, die Organisation von Kinderratssitzungen und Kinderanhörungen sowie breite Öffentlichkeitsarbeit sind ebenso wichtige Bausteine.
  • Bearbeiterteams, die aus interessierten Kindern und Jugendlichen sowie Mitarbeitern des Kinderbüros bestehen, ermitteln gemeinsam relevante Themen, die in die Projektarbeit einfließen. Dabei handelt es sich vor allem um umsetzungsorientierte und kurzfristig realisierbare Projekte, an denen nicht nur Kinder und Jugendliche im Alter von 6 –18 Jahren und deren Eltern, sondern auch andere Bewohner des Stadtteils teilnehmen und profitieren können.
  • Alle Projekte gehen konsequent vom Kinderwillen aus. Das Leipziger Kinderbüro übernimmt hauptsächlich eine Moderatorenfunktion. Es vermittelt, verstärkt und stellt Kontakte zwischen den Kindern und den Entscheidungsträgern her. Weitere wichtige Beteiligte sind die Partner im kommunalen Netzwerk.
  • Das Leipziger Kinderbüro realisiert folgende Projekte (vgl. Konzeption 2010 des Leipziger Kinderbüros)
    • Stadterkundungen
    • Spielplatzplanungen und Schulhofumgestaltungen
    • Spielraumkonzept Innenstadt Leipzig
    • Aufspüren von Verkehrsproblemen für Kinder
    • Analyse von  Stadtplätzen und Hinterhöfen
    • Auswerten von Umfragen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
    • Drehen von Videofilmen/Schreibprojekte über das Leben von Kindern in den Stadtvierteln
    • Analyse des Stadtgrüns
    • Gestaltung von Hausfassaden (Graffiti, Begrünung)
    • Modellbau
    • kinderfreundliche Hausordnungen
    • kinderfreundliche Verwaltungen
    • meine, deine unsere Kinderrechte (Projekt zur UN-Kinderrechtskonvention)
    • Beratungsleistungen zur Partizipation

Erfolge

  • Die Projekte des Leipziger Kinderbüros fördern grundsätzlich das Verständnis zwischen Alt und Jung durch vom Leipziger Kinderbüro systematisch durchgeführte generationsübergreifende Dialoge.
  • Kinder und Jugendliche erfahren eine positive Wahrnehmung auf ihr Engagement im Stadtteil und werden dadurch motiviert, sich weiter für ihr Lebensumfeld einzusetzen.
  • Bei Stadtangestellten erhöht sich das Verantwortlichkeitsgefühl bei kinderrelevanten Projekten.
  • Bei den Eltern beteiligter Kinder und Jugendlicher entwickeln sich Zuversicht in die Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz ihrer Kinder.
  • Die Lehrpersonen setzen bei Schulprojekte stärker auf Partizipation.

Kontakt

Samira Winkler/Susann Pruchnik

Leipziger Kinderbüro e. V.
Rietschelstraße 2
04177 Leipzig

Weitere Informationen

Literatur des Leipziger Kinderbüros (herausgegeben von Gerhard Lehwald):

  • (2007) Wohnumfeldgestaltung mit Kinder - Lust oder Frust? in R. Thomsen (Hrsg.), Kinder bauen Ihre Stadt. Dokumentation zur Fachtagung. Hamburg: Thomsen-Stiftung.
  • (2005) Der Leipziger Kinder- und Familienfreundlichkeitscheck Stadt Leipzig: Jugendamt und Leipziger Kinderbüro.
  • (2004) Das Leipziger Kinderbüro - wichtiger Akteur im URBAN-Erneuerungsgebiet. In Leipziger Sanierungratgeber, VSR Verlag, S. 48-50.
  • (2002) Eine Stadt als Spielraum - Leitfragen der Kinderbeteiligung. In Reihe Stadterneuerung. Stadt Leipzig: Der Oberbürgermeister.
  • (2001) Partizipation und Demokratielernen in einem Stadtteilbüro für Kinder: Das Leipziger Kinderbüro. In Pädagogisches Handeln. Wissenschaft und Praxis im Dialog (Heft 5). Rostock: Universität, S. 71-80.
  • (2001) Beteiligung schafft Motivation und Identifikation. Wohnumfeldgestaltung mit Kindern. Corax - Magazin für Kinder und Jugendarbeit. Heft 9, S.8-13.
  • (1999) Kinder gestalten ihre Stadt. Reihe Sanierungsgebiete. Stadt Leipzig Der Oberbürgermeister.
  • (1998) Kinder bauen mit. Stadterneuerung in Leipzig - ein neues Beteiligungsfeld für Kinder und Jugendliche, Bundesbaublatt, 9, S. 59 – 63.
  • (1997) Planen mit Kindern und Jugendlichen. Kommentierter Tagungsbericht. Leipzig: Leipziger Kinderbüro.
  • (1997) Beteiligungsmodelle: Kinder- und Jugendbeiräte, -foren und -parlamente. In Palentin, C. & Hurrelmann, K.(Hrg.), Jugend und Politik. Berlin: Luchterhand.
  • (1996) Können Kinder ihren Stadtteil planen? In: Mansel (Hrsg.), Glückliche Kindheit - Schwierige Zeit?. Opladen: Leske + Budrich.
 

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Leipzig Sachsen

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

544.479

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

13,9

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