Ulm - digitale Zukunftsarbeit im Verschwörhaus

Spielerische und eigenmotivierte Digitalisierung: Im Verschwörhaus der Stadt Ulm wird digitale Mündigkeit vermittelt und ein Raum als "Experimentierfeld für die Welt von morgen" geboten. So gestalten Bürgerinnen und Bürger in Ulm ihre Zukunftsstadt.

 

Ausgangslage

  • In Ulm gab es bereits seit Anfang der 2010er Jahre eine aktive freiwillige Civic-Tech-Community, die auf eine offene Stadtverwaltung stieß. Sehr schnell wurde klar, dass es aktiver Nachwuchsarbeit und Breitenförderung bedarf, um dieses ehrenamtliche Engagement auch nachhaltig und langfristig aufrechtzuerhalten.
  • Parallel nahm die Stadt am Wettbewerb „Zukunftsstadt" teil und erkannte, dass die Einbindung der Bürgerschaft für den Weg zur Digitalen Stadt unerlässlich ist.
  • Bei der Jurysitzung von „Jugend hackt Süd" entstand 2015 der Gedanke, das bislang hauptsächlich an der Universität – in einem akademischen Gebäude, außerhalb der Innenstadt – angesiedelte Engagement auch sichtbar in die Stadt hineinzutragen. Anfang 2016 beschloss der Gemeinderat, das Projekt finanziell und mit einer 19,5h-Stelle zu fördern und die notwendigen Räume in fußläufiger Innenstadtlage anzumieten.

Ziele

  • In einem „Experimentierfeld für die Welt von morgen" spielerisch digitale Mündigkeit vermitteln. Das heißt für die Bürger*innen: Computer, Smartphones und Tablets nicht nur als bloße Konsument*innen nutzen zu können, sondern auch ihre technische Funktionsweise sowie die damit verbundenen sozialen und ethischen Dimensionen zu verstehen.
  • Soziale Fähigkeiten, Teamwork und interdisziplinären Austausch fördern. Ganz im Geiste der Hochschule für Gestaltung ist das kreative Spielfeld nicht allein auf vermeintlich „digitale" Themen beschränkt, sondern sucht aktiv die Verknüpfung mit gestalterischen und handwerklichen Betätigungsfeldern.
  • Impulse für die Vermittlung digitaler Kompetenzen im außerschulischen Bereich geben. Hierbei soll die gesamte Breite der Gesellschaft erreicht werden und insbesondere diejenigen Gruppen angesprochen und gefördert, die im Digitalisierungsdiskurs bislang unterrepräsentiert oder marginalisiert sind.
  • Auch denjenigen Stimmen Gehör verschaffen, denen der Zugang zur Digitalisierungsdebatte bislang erschwert wurde oder deren Probleme und Wünsche sich nicht als Produkt vermarkten lassen.

Umsetzung

  • „Spielerisch" heißt im Verschwörhaus vor allem eigenständiges Ausprobieren und kreatives Selbermachen.
  • Im wahrsten Sinne des Wortes werden Spiel-Trieb und die selbstbestimmte Lust zu Lernen geweckt. Weder akademische Belehrung noch die Überhöhung wirtschaftlicher Verwertbarkeit zum Ziel allen Handelns reichen an dieses freie Spiel heran.
  • Die Bürger*innen werden zu aktiven Mitgestalter*innen der Zukunftsstadt, die aus ihren höchstpersönlichen Bedürfnissen und Antrieben heraus aktiv werden. Sie haben somit ein persönliches Motiv und eigene Motivation, innovative Projekte nicht nur anzustoßen, sondern auch nachhaltig weiterzuentwickeln und zu erhalten.
  • Nach Beschluss des Gemeinderats mietete die Stadt erste Räume an und schuf eine 19,5-Stunden-Stelle, die das Projekt entwickelt.
  • Von den restlichen Finanzmitteln wurde eine Erstausstattung für ein Fablab bzw. einen Makerspace beschafft, beispielsweise 3D-Drucker und ein Lasercutter.
  • Bestehende Civic-Tech-Gruppen wurden von Anfang an mit einbezogen und tragen seither zum Ziel „jeden Tag ist etwas los" bei.
  • Mit Partnern wie dem Stadtjugendring oder aktiven Wikipedianer*innen wurden Förderanträge gestellt, die die Ausstattung und das Angebot ergänzen.
  • Die lokale Unternehmerinitiative initiative.ulm.digital förderte Workshops und errichtete eine Sensornetzwerkinfrastruktur (LoRaWAN/TTN) in der Stadt.
  • Seit dem Sommer 2017 finanziert die initiative.ulm.digital außerdem eine weitere 19,5h-Stelle für das Angebot im Haus.

Erfolge

  • Bereits wenige Monate nach Eröffnung gab es an beinahe jedem Wochentag ein Angebot für Interessierte im Haus.
  • Mittlerweile bringt sich ein „harter Kern" von rund 50 Aktiven inhaltlich ein, der durch eine weitaus größere Gruppe loser Interessierter ergänzt wird.
  • Die Grundfinanzierung (Miete, Reinigung) und die Projektstelle werden auch im zweiten Jahr von der Stadt Ulm bestritten.
  • Bis zum Juni 2017 konnten gemeinsam mit den Partnern rund 105.000 EUR an Drittmitteln eingeworben werden, mit denen das Angebot bespielt wurde.
  • Das Verschwörhaus war so beispielsweise Austragungsort für Workshops von Wikimedia Deutschland e.V. mit Teilnehmer*innen aus ganz Deutschland und Österreich.
  • Das Verschwörhaus ist deutschlandweites Leuchtturmprojekt für netzkulturelle Programme und Diskurse, um die „Zukunftsstadt 2030" fest und nachhaltig in der Bürgerschaft zu verankern.

Kontakt

Stefan Kaufmann

ZS/T
Stadt Ulm
Frauenstr. 19
89073 Ulm

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

UlmBaden-Württemberg

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2015

122.636

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

4,6

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