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Erlangen - Die Begleiter

Ehrenamtliche Bildungspaten und Förderunterricht: Das Integrationsprogramm der Stadt Erlangen „die begleiter." richtet sich an alle Jugendlichen unabhängig von Herkunft und Art des Schulbesuches. Die Chancengleichheit von Jugendlichen in Schule und auf dem Ausbildungsmarkt soll damit deutlich erhöht werden.

Ausgangslage

  • In Deutschland verlassen jedes Schuljahr 80.000 Kinder die Schule ohne jeglichen Abschluss. Dabei ist der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund an Hauptschulen überdurchschnittlich hoch. Im Hinblick auf die demographische Entwicklung ist deshalb eine bessere Qualifizierung der Schulabgänger zwingend geboten, um einerseits dem bevorstehenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken und andererseits die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nachhaltig zu verbessern.
  • Des Weiteren haben viele Schüler mit Hauptschulabschluss enorme Probleme, eine Lehrstelle zu finden. Hierzu bedarf es gerade bei benachteiligten Jugendlichen oftmals Unterstützung in einem Maß, das seitens der Eltern sowie der Schule und der Berufsberatung nicht geleistet werden kann. Deshalb sind ergänzende Angebote bzw. Ansätze gefragt, die insbesondere eine individuelle Förderung der Jugendlichen ermöglichen.
  • Auch wenn die Situation in Erlangen weniger dramatisch ist als in vielen deutschen Großstädten, so sind die Grundzüge der aktuellen Lage vergleichbar mit der gesamtdeutschen Entwicklung. Schulstudien zeigen, dass auch in Erlangen gemessen am Bevölkerungsanteil Kinder mit Migrationshintergrund an Hauptschulen überdurchschnittlich stark vertreten sind und bei den Schulabschlüssen sowie beim Übergang in Ausbildung meist schlechter abschneiden als ihre „einheimischen" Mitschüler.
  • Initialzündend für den Start des kommunalen Integrationsprogramms war das Auslaufen des Integrationsprojektes SPUTNIK für deutsche Spätaussiedler aus Russland. Die bis dahin geleistete wertvolle Arbeit des Projektes sollte künftig interkulturell geöffnet und massiv ausgebaut werden. Deshalb beschloss der Erlanger Stadtrat im Februar 2010 das kommunale Integrationsprogramm „die begleiter.", dessen Angebote allen Jugendlichen unabhängig der Herkunft offenstehen.

Ziele

  • Die Chancengleichheit von Jugendlichen in Schule und auf dem Ausbildungsmarkt deutlich zu erhöhen.

Umsetzung

Das Integrationsprogramm orientiert sich in seiner Ausrichtung an den zentralen Zielen des Erlanger Leitbildes für Integration und gleichzeitig an den Zielen der Erlanger Bildungsoffensive.

Folgende konkrete Maßnahmen wurden umgesetzt um die gesetzten Ziele zu erreichen:  

1. Förderunterricht

  • An einer Realschule wird an jeweils zwei Nachmittagen kostenlos eine mehrsprachige Hausaufgabenbetreuung und Vertiefung des Lernstoffes im Sinne des ergänzenden Lernens und Übens angeboten. In jeder Förderunterrichtsgruppe kann der Schulstoff ergänzend auf Türkisch und Russisch erklärt werden. Dies kommt insbesondere den Schülern zugute, deren schwache schulische Leistungen auf Sprachschwierigkeiten zurückzuführen sind.
  • Die zweisprachigen Lehrkräfte nehmen in Zusammenarbeit mit der Teamleitung auch Kontakt zu den Eltern auf, um gezielte Förderpläne für die Jugendlichen zu erarbeiten.
  • In Kooperation mit der Volkshochschule wird das Modell der optimierten Lernförderung an Grund- und Mittelschulen angeboten.

2. Vermittlung ehrenamtlicher Bildungspaten

  • Der zweite Schwerpunkt des Programms liegt auf der Vermittlung ehrenamtlich tätiger Bildungspaten an Schüler, die sich in der Übergangsphase zwischen Schule und Ausbildung befinden.
  • Bildungspaten unterstützen Jugendliche auf ihrem Weg in Ausbildung auf vielfältige Art und Weise: Sie strukturieren den Bewerbungsprozess, helfen bei der Berufsorientierung sowie bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche, leisten Beistand in schulischen und persönlichen Problemlagen und motivieren zur aktiven Zukunftsplanung. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, betreuen die Paten die Jugendlichen auch während der Ausbildung weiter.
  • Durch den Eins-zu-eins-Betreuungsschlüssel der Bildungspaten sowie deren inhaltliche und zeitliche Flexibilität lässt sich eine individuelle, bedarfsgerechte Unterstützung ermöglichen. Bildungspaten sind intensive Wegbegleiter und Vertrauenspersonen und leisten sehr viel mehr als reine Wissensvermittlung.
  • Um einer Überforderung der Ehrenamtlichen entgegenzuwirken, sind diese in ein umfangreiches Rahmenprogramm eingebunden.
  • Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden von zurzeit 20 Paten in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und den Trägern der Wohngruppen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gefördert. 

Erfolge

  • Seit Beginn des Programmes konnten ca. 200 Schüler an einen Bildungspaten vermittelt werden. Aktuell sind rund 90 Schüler an Bildungspaten vermittelt
  • Am Förderunterricht haben seit Beginn des Programmes ca. 350 Schüler teilgenommen.
  • Die Bildungspatenschaften laufen sehr erfolgreich, fast immer gelingt der Übergang in Ausbildung bzw. weiterführende Schulen, die Abbruchquote bei den Bildungspatenschaften ist sehr gering.
  • Durch die zweisprachigen Honorarkräfte des Programms kann leicht Kontakt zu den Eltern aufgenommen werden und diese zur Mitarbeit gewonnen werden.
  • Seit Beginn des kommunalen Integrationsprogramms konnten viele neue Bildungspaten gewonnen werden.
  • Auszeichnung als best-practice-Beispiel beim Regionalranking 2016 von IW-Consult.

Kontakt

Tanja Stark-Kantar

die begleiter.
Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Stadt Erlangen
Rathausplatz 1
91052 Erlangen
Telefon: 09131 – 861780

Swetlana Villemsoo

die begleiter.
Büro für Chancengleichheit und Vielfalt der Stadt Erlangen
Rathausplatz 1
91052 Erlangen
Telefon: 09131 – 861421

Weitere Informationen

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