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Münster - Dezentrales Unterbringungs- und Betreuungskonzept für Geflüchtete

In Münster wurde ein dezentrales Unterbringungs- und Betreuungskonzept für Geflüchtete geschaffen. Durch die Bündelung vielfältiger kommunaler Instanzen zu gemeinsamen Arbeitsnetzwerken gelingt die Integration von Flüchtlingen.

Ausgangslage

  • Münster verfügt nicht über Leerstände im Wohnungsbestand und gehört zu den wachsenden Städten Deutschlands. Preisgünstiger Wohnraum ist kaum oder nur schwer zu erhalten.
  • Aufgrund eines starken Zuzugs von Spätaussiedlern erklärte die Verwaltung der Stadt vor fast zwanzig Jahren verstärkt die Integration von Flüchtlingen und Spätaussiedler/innen als Ziel ihrer Aktivitäten.
  • Daraufhin wurde ein dezentrales Unterbringungskonzept konkretisiert.
  • Zugleich wurde eine Koordinierungsstelle für die Unterbringung von Aussiedlern, Asylbewerbern und Flüchtlingen eingerichtet, die im Jahr 2005 zur Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten erweitert wurde.

Ziele

  • Vermeidung einer räumlichen Isolation von Flüchtlingen
  • Die Belegungszahl soll 50 Plätze nicht übersteigen, sodass Konflikten zwischen den Flüchtlingen und den Stadtteilbewohnern aufgrund von Überfremdungsgefühlen seitens der Einheimischen entgegen gewirkt und dem Sicherheitsbedürfnis der Flüchtlinge entsprochen wird.
  • Durch die Vermeidung von Großküchen und großen Sanitäranlagen soll sich eine höhere Verantwortung der Flüchtlinge für ihren Wohnraum einstellen.
  • Flüchtlingsfamilien erhalten innerhalb der Einrichtungen Wohnraum, der so konzipiert ist, dass Konflikte verringert werden sollen.

Umsetzung

  • Die Konkretisierung des dezentralen Unterbringungskonzepts erfolgte zwischen unterschiedlichen kommunalen Instanzen. Beteiligt waren Vertreter/innen des Rates, der Bezirksvertretungen, des Ausländerbeirates, der Freien Wohlfahrtspflege, NGO‘s, der Kirchen, der Polizei, Unterstützerorganisationen, der Religionen und der Verwaltung.
  • In verschiedenen Münsteraner Stadtteilen erfolgt die sozialräumliche Nähe zu Bewohnern der Stadt auf Grundlage standardisierter Raumprogramme in Anbindung an bestehende Wohnflächen. Ausgenommen sind Stadtteilen mit besonderem Integrationsbedarf. Hier werden keine neuen Flüchtlingswohnheime errichtet.
  • Die Einrichtungen werden in Anbindung an bestehende Bebauungen platziert. Dabei werden die baulichen Standards so umgesetzt, dass eine Flüchtlingseinrichtung an Baukörper und Umfeld nicht erkennbar ist.
  • Das Wohnkonzept sieht für jeweils etwa acht Personen eine Wohneinheit mit eigener Wohnküche, eigenem Bad mit WC und einem zusätzlichen WC vor.
  • Jede Einrichtung wird mit einem Gemeinschaftsraum und einem Kinderbetreuungsraum ausgestattet. Dadurch reduzieren sich die Kosten für die externe Betreuung von Kindern und Familien, da die Betreuung durch ehrenamtliche Mitarbeiter, teilweise in den vorgesehenen Gemeinschaftsräumen erfolgt.
  • Aufgrund von rasant steigenden Flüchtlingszahlen in 2016 wurde das Konzept ergänzt; u.a. wird temporär auf die Nutzung von Containern zurückgegriffen, die die bislang geltenden Rahmenbedingungen nicht mehr einhalten können. Soweit möglich wird versucht, die sozialräumliche Verteilung angemessen zu gestalten.
  • Zusätzlich werden im größeren Umfang Häuser der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW) für die Unterbringung von Flüchtlingen der Stadt Münster zur Verfügung gestellt.
  • Die Flüchtlingseinrichtungen werden auf einem Stadtplan online öffentlich gemacht.
  • Die Betreuung der Flüchtlinge wird durch die Stadt gesteuert. Im Rahmen des neuen Betreuungskonzeptes ist eine Mischung von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter/innen vorhanden.
  • Sprache, Arbeit und gegenseitiges Kulturverständnis sind Kernelemente des Betreuungskonzepts. Durch die starke Einbindung von Fachkräften können in den Gruppenräumen der Wohneinrichtungen Begleitangebote wie Hausaufgabenhilfe, Kleinkindbetreuung, Frauengruppentreffen etc. angeboten werden.
  • Die Stadt Münster legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Akquise und Begleitung der ehrenamtlichen Arbeit, sie fördert diese durch geringe Projektmittel und durch den Austausch der Beteiligten.
  • Bewährt hatte sich für Entwicklung dieses Betreuungsangebotes die Arbeit des Koordinationskreises. Hier arbeiteten Vertreter/innen der Verwaltung, der Zivilgesellschaft, der Politik und Migrantenvertretungen regelmäßig zusammen.
  • In einem stadtinternen Arbeitskreis mit Vertretern aus verschiedenen Ämtern von Finanz-, Sozial-, Schul- und Baudezernat wird die Arbeit aus der Perspektive der Verwaltung analog begleitet.

Erfolge

  • Die Konzepte wurden im Rat einstimmig beschlossen.
  • 22 Flüchtlingseinrichtungen mit einer Belegungskapazität von bis zu 50 Plätzen wurden auf der Grundlage der Bedarfs- und erwarteten Nachfrageentwicklung geplant und bebaut, bzw. finden sich noch in der Bebauung.
  • Das dezentrale Unterbringungskonzept ist eines der wenigen gut funktionierenden Privat-Public-Partnership-Modelle. Voraussetzung dafür ist ein gutes Investitionsklima für langfristige Investments.
  • Kein Stadtbezirk fühlt sich auf der Basis des Konzeptes überfordert.
  • Das Unterbringungskonzept ist vermutlich deutschlandweit einmalig weil u.a. weder der Bund noch die Länder diese Maßnahme fördern.
  • Durch die Einbindung von ehrenamtlichen Mitarbeitern in die Sozialarbeit in den Einrichtungen, besuchen fast alle Flüchtlingskinder Kindergärten und Schulen.

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