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Wuppertal - Die Wuppertalbewegung

Radfahren, laufen, spazierengehen, skaten: Dutzende Brücken und Viadukte sowie sechs Tunnel ermöglichen auf über 22 Kilometern eine kreuzungsfreie und ebene Fahrt durch Wuppertal. Die Initialzündung und Umsetzung der Idee stammte von der Wuppertalbewegung e.V., einer Bürgerinitiative mit über 3.000 Unterstützern.

Ausgangslage

  • Die Ausgangslage war geprägt von jahrelangem Niedergang, Rückschnitt von Freizeitangeboten (Bäderschließungen, verfallenden Spielplätzen), Verfall von historisch bedeutsamen Bauwerken, schlechten Straßen usw.
  • Wuppertal ist in den vergangenen Jahrzehnten durch einen starken Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet, der verbunden mit wirtschaftlichen Problemen zu einer sehr angespannten Finanzlage führte. „Leuchtturmprojekte" zur Erhöhung der Lebensqualität in der Stadt fehlten.
  • Der Verfall der Rheinischen Eisenbahnstrecke führte dazu, dass erste Teile verkauft und überbaut wurden.
  • Die ebene Trasse verläuft durch die am dichtesten besiedelten Wuppertaler Stadtgebiete und hatte damit hohes Potential, einen hervorragenden Freizeitweg auch für viele sozial benachteiligte Mitbürger und für Behinderte darzustellen.
  • Eine 21-köpfige Gruppe von Wuppertaler Bürgern setzte es sich zum Ziel, ein Projekt zu initiieren, welches ganz konkret die Lebensqualität in der Stadt erhöhen kann und darüber hinaus Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus besitzt.

Ziele

Die Umwandlung der Nordbahntrasse sollte:

  • Stadtbezirke mit verschiedenstem kulturellen Hintergrund integrieren,
  • durch unmittelbaren Zugang zu einem 22 Kilometer langen steigungsfreien Fuß- und Radweg die Lebensqualität für etwa 100.000 Anwohner erhöhen
  • eine Alternative zum motorisierten Verkehr in Wuppertal bieten,
  • stadtbildbestimmende Viadukte und Tunnel erhalten,
  • Wachstumspotentiale entlang der Strecke erzeugen, insbesondere im Bereich innovativer kleiner und mittelständischer Unternehmen und
  • über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft entwickeln.
  • Übergeordnetes Ziel war es, zu zeigen, welches immense kreative Potenzial in der „Bürgerschaft" schlummert, das – wenn aktiviert – mit Leichtigkeit viele Aufgaben übernehmen kann, die die Stadtverwaltung  infolge ihrer Struktur und ihrer finanziellen Situation nicht bewältigen kann.

Umsetzung

  • Mit öffentlichen Mitmachaktionen, Festen, Trassenbegehungen und intensiver Ansprache in Vereinen und politischen Gremien gewann das Projekt in kurzer Zeit eine riesige öffentliche Unterstützung.
  • Unternehmen, Privatleute und Stiftungen spendeten über 2,5 Mio. Euro zur Finanzierung.
  • Mehrere hundert Bürgerinnen und Bürger arbeiteten mit: bei der Beseitigung des überwuchernden Grüns, der Herstellung eines frühen Testabschnittes und der Pflasterung mehrerer Zugänge u.v.m.
  • In ehrenamtlicher Arbeit entstanden eine Machbarkeitsstudie, die Entwurfsplanung und die Förderanträge.
  • Der Verein übernahm die Verpflichtung zum Bau des Weges und für 20 Jahre zu seiner Unterhaltung. Er baute den ersten innerstädtischen Förderbereich aus, bevor dann doch die Stadt den weiteren Bau und die Unterhaltung der inzwischen als öffentlicher Weg gewidmeten Trasse übernahm.
  • Der Umbau und die folgende Unterhaltung wurden mit über 1 Million freiwilliger Arbeitsstunden realisiert.
  • Die Mittel für die Beleuchtung der Trasse von 2 Mio. € mit modernem LED-Licht konnten im Bundeswettbewerb »Kommunen in neuem Licht« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung akquiriert werden.  
  • Nicht vergessen wurde die Erinnerung an die Eisenbahngeschichte der Trasse: u.a. zwei Bahnhöfe hat die Wuppertalbewegung erhalten; an einem betreibt sie regelmäßig eine kostenlose Draisinenstrecke von 1,6 Kilometern.
  • Möglich gemacht haben das alles insbesondere: die Wuppertalbewegung e. V. und ihre vielen Unterstützer mit ehrenamtlichen Fachleuten mit Groß- und Kleinspendern, die den kompletten Eigenanteil für das 30-Millionen-Projekt aufbrachten, und den vielen freiwilligen Arbeitseinsätzen.

Erfolge

  • Die Nordbahntrasse wird sehr gut angenommen und hat insbesondere das Fahrradfahren in Wuppertal gefördert.
  • Rund 20 Auszeichnungen hat die Wuppertalbewegung bereits für ihr Engagement erhalten. Darunter: der Deutsche Fahrradpreis in der Kategorie "Infrastruktur", der polis Award in der Kategorie "Öffentliches Engagement" und  der European Greenways Award in der Kategorie "Excellence".
  • Die Trasse ist ein weit über Wuppertal  hinaus anerkanntes Leuchtturmprojekt für erfolgreiches Bürgerengagement.
  • Die Trasse entwickelt sich auch zunehmend zu einem Standortfaktor für die Ansiedlung von Sport- und Kultureinrichtungen wie die Skaterhalle Wicked Woods und eine große Parcoursanlage.
  • Wohnraum wird mit der Trassennähe beworben.
  • Kulturelle, kreative und alternative Projekte wie die Utopiastadt im früheren Bahnhof Mirke gedeihen im Umfeld der Trasse.
  • Die Entwicklung geht weiter: Der Ausbau der abzweigenden Schwarzbachtrasse durch die Wuppertalbewegung im Jahre 2018 wird weitere 50.000 Einwohner anschließen.

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