Erfurt - Teilhabe und Integration durch Bürgerbeteiligung

Zuwanderer engagieren sich gesellschaftlich: In Erfurt sind Zuwanderer nicht ausschließlich Adressaten bürgerschaftlichen Engagements, sondern setzen sich selbst aktiv für ein gesellschaftliches Anliegen ein. Dabei unterstützt sie das ZIM – Zentrum für Integration und Migration der Stadt Erfurt.

Ausgangslage

  • Mit dem Begriff „Zuwanderer" sind viele Assoziationen und auch Vorurteile verbunden. Aus der Soziologie weiß man, dass Einzelne oder Personengruppen sich häufig mit der ihnen zugeschriebenen Rolle identifizieren und es dann erst recht schwer haben, sich daraus zu befreien.
  • „Benachteiligt" und „Empfänger von Hilfeleistungen" zu sein, gehört zu diesen Etikettierungen.
  • Wer sich engagiert und Verantwortung für sich und andere übernimmt, erfährt Wertschätzung und macht die gute Erfahrung, etwas bewirken zu können.

Ziele

  • Das Konzept besteht darin, dass die Stadt die Bürgerbeteiligung von Zuwanderern unterstützt.
  • Zuwanderer sollen nicht ausschließlich Adressaten bürgerschaftlichen Engagements sein, sondern sich selbst aktiv für ein gesellschaftliches Anliegen einsetzen, das über die reine Selbsthilfe hinausgeht.
  • Auch sollen Migranten unterschiedlicher Herkunft gemeinsam und gleichberechtigt mit Einheimischen zusammenarbeiten.

Umsetzung

  • Für die Finanzierung des Zentrum für Integration und Migration der Stadt Erfurt (ZIM) fand die Stadt einen ungewöhnlichen Weg: Die Kommune finanziert das 1000 Quadratmeter große Gebäude, ihre Arbeit müssen die dort tätigen Vereine jedoch quasi als Gegenleistung selbst finanzieren. Damit dies gelingt, werden sie bei der Einwerbung von Mitteln vom Bund, dem Land, der Kommune oder Stiftungen von zwei Mitarbeitern fachkundig beraten und unterstützt.
  • Das ZIM versteht sich als Kompetenzzentrum für Vernetzung, Verzahnung und Transparenz der verschiedenen Angebote. Hier befinden sich die Geschäftsstelle des Netzwerkes für Integration für Spätaussiedler und Migranten, ebenso Sprechzeiten der Migrationserstberatungsstelle und der Fachdienst für Flüchtlingsarbeit Thüringen.
  • Die zwei hauptamtlichen Mitarbeiter besitzen soziale, interkulturelle und sprachliche Kompetenzen und bilden sich regelmäßig weiter.
  • Die ca. 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter erhalten Fortbildungsangebote in Form von Schulungen, Seminaren und Tagungen.
  • Die sechs ansässigen Vereine – vier davon sind Migrantenvereine – haben sich per Unterschrift dazu verpflichtet, sich über ihre eigenen Anliegen hinaus einzubringen und mit den anderen Vereinen zusammenzuarbeiten.
  • Das Ergebnis ist ein gemeinsames Programm quer durch die Kulturen. Dies reicht von der gesamten denkbaren Beratungspalette über Sprach- und Integrationskurse und ein vielfältiges Kulturprogramm bis hin zu Hausaufgabenhilfe und Kinderbetreuung. Auch eine Theatergruppe, Aerobic, Musikunterricht und ein Frauenclub gibt es im ZIM.

Erfolge

  • Pro Woche nutzen rund 400 Menschen die lebendige Angebotslandschaft.
  • 2017 – Preis für ideenreiches und wirkungsvolles Beispiel zivilen Engagements im Wettbewerb für Demokratie und Toleranz 
  • 2014 – Preis im Wettbewerb „Geschichten der Vielfalt", Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
  • Die Stadt Erfurt hat im Jahr 2008 beim bundesweiten Praxis- und Ideenwettbewerb „Teilhabe und Integration von Migrantinnen und Migranten durch bürgerschaftliches Engagement" der Stiftung „Bürger für Bürger" den zweiten Platz belegt.

Kontakt

Beate Tröster

Geschäftsleiterin
Zentrum für Integration und Migration der Landeshauptstadt Erfurt
Rosa-Luxemburg-Straße 50
99086 Erfurt

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

ErfurtThüringen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2015

210.118

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

3,9

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