Hamburg - Interkulturelles Kompetenztraining/Anti-Bias-Training: „Train-the-Trainer-Kurs" für Lehrkräfte für die Durchführung von Trainings an Schulen

Im Zuge des Projektes wird Lehrkräften in Hamburg ein „interkulturelles Kompetenztraining" angeboten, um sich im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft zu trainieren. Das Wissen kann anschließend in selbst durchgeführten Trainings an die Schüler weitergeben werden, um die Atmosphäre im Unterricht zu verbessern.

Ausgangslage

  • Hamburg ist im Bundesvergleich das Bundesland mit dem anteilig höchsten Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund.
  • Viele Lehrkräfte fühlen sich im Umgang mit Schülern mit Migrationshintergrund unsicher, insbesondere wenn sie aus einem sozial-ökonomisch benachteiligten Milieu stammen. Dies rührt u. a. daher, dass der überwiegende Teil der Lehrkräfte (95 Prozent) der Mehrheitsgesellschaft angehört, i. d. R. aus der Mittelschicht stammt und selbst nicht in einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen ist.
  • Konkret äußert sich das u. a. darin, dass pädagogische Probleme oft auf kulturelle Prägungen zurückgeführt werden.
  • Für die Teilnahme am interkulturellen Kompetenztraining liegen bei Lehrkräften daher zwei unterschiedliche Motivationen vor:
    1. Vorbereitung der Schülerschaft auf eine globalisierte Welt/Ausbau der interkulturellen Kompetenzen als persönliche und berufliche Schlüsselqualifikation.
    2. Wunsch als Lehrkräfte nach einer Fortbildung zum „Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund".

Ziele

  • Das Projekt soll die teilnehmenden Lehrkräfte zur Selbstreflexion anregen und ihnen bewusst machen, dass die ethnische Herkunft nur einen Teil der Identität ausmacht. Dies soll zu mehr Sicherheit im Umgang mit Heterogenität in der Schülerschaft und mit lebensweltlich fremden Kulturen führen. Zudem soll sich die neue Sichtweise auf kollegiale Diskussionen und konkrete Maßnahmen im Hinblick auf eine heterogene Schülerschaft auswirken.
  • Für die Schüler, die an interkulturellen Kompetenztrainings durch ihre Lehrkräfte teilnehmen, soll es eine Chance sein, sich durch ganzheitlich angelegte Übungen in die Situation anderer einzufühlen und darüber in den Dialog zu treten.
  • Für den Unterricht und für die Schule soll es zu einer besseren Atmosphäre in der Klasse und im Unterricht führen, da Themen, die für Konflikte sorgen, thematisiert werden und die Schüler- und Lehrerschaft für mögliche Verletzungen und Diskriminierungen sensibilisiert werden.

Umsetzung

  • Das interkulturelle Kompetenztraining wurde fast zeitgleich im Jahr 2007 von zwei verschiedenen Institutionen, unabhängig voneinander, für Lehrkräfte zweier unterschiedlicher Hamburger Schulen entwickelt und erfolgreich durchgeführt.
  • Als die Nachfrage zunahm, schlossen sich die Nicht-Regierungsorganisationen „Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation" (ikm) und die „Beratungsstelle Interkulturelle Erziehung" am Hamburger „Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung" zusammen, um ihre Expertise für ein gemeinsames Angebot zu nutzen.
  • Die Unfallkasse Nord und das Landesinstitut übernahmen die Kofinanzierung des Projektes.
  • Lehrkräfte der Sekundarstufe werden im Projekt in einem interkulturellen Kompetenztraining/Anti-Bias-Training befähigt, Trainings zum Umgang mit Vorurteilen und Diskriminierung mit Schülern durchzuführen.
  • Gleichzeitig lernen sie auf Teilnehmerebene Übungen aus bewährten Diversity-Trainings und Grundlagen interkultureller Bildung kennen.
  • Im Austausch mit bisherigen Teilnehmern am interkulturellen Kompetenztraining erhalten sie gute Praxisbeispiele der schulischen Umsetzung und können darüber hinaus ein umfangreiches Unterstützungssystem nutzen (Methodenordner, Coaching, Refresherkurse).
  • Ein Coaching, nutzbar für die Vor- und Nachbereitung des Trainings an der Schule oder auch zur Hospitation im Kurs durch Experten sowie regelmäßige „Refresherkurse" komplettieren diese „Train-the-Trainer"-Ausbildung.

Erfolge

  • Seit 2009 wird die Qualifizierungsmaßnahme einmal jährlich mit einer Gruppe von ca. 20 Lehrkräften durchgeführt.
  • Seit 2009 wurden 20 Schulen ausgebildet, die das Interkulturelle Kompetenztraining in unterschiedlichen Formen an ihrer Schule umsetzen.
  • Das Margaretha-Rothe-Gymnasium gewann 2010 mit ihrem interkulturellen Kompetenztraining in der Oberstufe den Wettbewerb „Alle Kids sind VIPs" der Bertelsmann Stiftung.
  • Das Projekt ist eine der Maßnahmen des Hamburger Aktionsplanes zur Integration junger Menschen in Ausbildung des 1. Bürgermeisters der Stadt Hamburg.
  • Bei der Konferenz der International Association of Intercultural Educators in Athen im Jahr 2010 wurde das Projekt von den ca. 40 internationalen Workshop-Mitgliedern mit großem Interesse aufgenommen.

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Hamburg

Demographietyp

Zentren der Wissensgesellschaft

Bevölkerung 2014

1.762.791

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

7,5

image

Kennen Sie innovative Projekte aus Ihrer Kommune?

Wir freuen uns, auch Ihr Beispiel auf dieser Seite vorzustellen.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf!