Schwalm-Eder-West - Interkommunaler Schulterschluss gegen den Bevölkerungsschwund

Im Bereich der interkommunalen Kooperation kommt es häufig zu Schwierigkeiten, wenn es um gemeinsame Gewerbegebiete oder das Eindampfen von Infrastruktur geht. Anders beim kommunalen Zweckverband Schwalm-Eder-West: Anpassung der Infrastruktur und gemeinsames Boden- und Immobilienmanagement sind hier genauso selbstverständlich wie eine gemeinsame Personalverwaltung.

Ausgangslage

  • Seit 1997 geht die Einwohnerzahl in den nordhessischen Kommunen Borken (Hessen), Jesberg, Neuental, Wabern und Bad Zwesten zurück.
  • Ursache ist neben dem Rückgang der Geburtenzahlen der Wegzug der jungen Bevölkerungsgruppen mit Beginn des Erwerbslebens. Ein intensiver Strukturwandel ist seit den 1990er-Jahren mit dem Ende des Braunkohlebergbaus und der Schließung des Kraftwerks in Borken zu verzeichnen. Der dadurch entstandene Verlust von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen führte zur Veränderung des Arbeitsplatzangebotes in der Region bis hin zu den Sektoren Logistik und Recyclingwirtschaft.
  • Nach der Prognose der Hessen Agentur wird die Bevölkerung im Schwalm-Eder-Kreis zwischen 2010 und 2030 um 13,7 Prozent abnehmen. Für die einzelnen Kommunen des Zweckverbands wird für diesen Zeitraum ein Bevölkerungsrückgang zwischen 9,7 Prozent und 23,4 Prozent prognostiziert.

Ziele

  • Die Region Schwalm-Eder-West will sich als ein attraktiver Standort profilieren, um weitere Abwanderung zu verhindern und Arbeitsplätze zu erhalten bzw. neu zu schaffen. Dazu wird an einer qualitativen Aufwertung vor allem der Ortskerne gearbeitet. Die Infrastruktur soll gesichert und an die aus dem demografischen Wandel resultierenden Erfordernisse angepasst werden.

Umsetzung

  • Die gemeinsame Teilnahme am Projekt „Stadt 2030" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ist der Startschuss der interkommunalen Zusammenarbeit. In einem dialogorientierten Prozess, in dem auch die Bürger eine tragende Rolle spielen, werden zunächst Stärken und Schwächen von Schwalm-Eder-West analysiert, Szenarien entwickelt und darauf aufbauend die „Vision 2030" entwickelt.
  • Durch das mit der „Vision 2030" entstandene Leitbild wird die Gründung des Zweckverbands auf die Realisierungsebene gebracht. Die Organe des Zweckverbandes sind Verbandsvorstand und Verbandsversammlung. Die Geschäftsstelle ist im Rathaus der Stadt Borken (Hessen) angesiedelt.
  • Erklärte Hauptziele der Kooperation sind die Bindung der Bevölkerung an die Region, der Erhalt und die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und der Ausbau bzw. die Stärkung der Bereiche Freizeit, Tourismus und Gesundheit.
  • Derzeit arbeitet der Zweckverband an folgenden Projekten:
    • Umsetzung verschiedener baulicher Maßnahmen im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau in Hessen", mit denen überwiegend eine Sicherung und Stärkung der Funktionen der Hauptorte der Kommunen erreicht werden soll.
    • Umsetzung erster Bausteine des im Jahr 2013 vorgelegten integrierten Klimaschutz­konzeptes mit dem Angebot einer regionalen Energieberatung.
  • Standortdiskussion für Windkraftanlagen mit Vertretern der zuständigen Behörden und potentiellen Betreibern.
  • Intensivierung der Zusammenarbeit der kommunalen Verwaltungen im Kassen-, Finanz- und Steuerwesen, in der Personalverwaltung, Beschaffung, Arbeit der Bauhöfe, Kindertages­stätten, Feuerwehren etc.

Erfolge

  • In der über zehnjährigen Zusammenarbeit hat sich die Arbeit innerhalb der geschaffenen Verbandsstrukturen gefestigt und bewährt. Der Zweckverband lebt von Gleichberechtigung. Dabei ist die überschaubare Größe der Mitgliedsgemeinden ein klarer Vorteil: Hier sind Angelegenheiten des Zweckverbands „Chefsache", der Ansprechpartner vor Ort ist der jeweilige Bürgermeister.
  • Durch die interkommunale Zusammenarbeit der Verwaltungen konnte der Service für die Bürger verbessert und die Verwaltungsarbeit effektiver gestaltet werden.
  • Durch den Zusammenschluss der Kommunen in dem Zweckverband wurde die Teilnahme an verschiedenen Förderprogrammen ermöglicht, die für einzelne Kommunen nicht zugänglich sind.
  • Durch den Auftritt über den Zweckverband erhalten vorgebrachte Anliegen der Kommunen gegenüber Kreis-, Landes- und Bundesbehörden oder Dritten mehr Gewicht.

Kontakt

Jürgen Meyer

Zweckverband Schwalm-Eder-West
Am Rathaus 7
34582 Borken (Hessen)
Telefon: 05682 - 80 81 02

Weitere Informationen

  • Schwalm-Eder-West
  • Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Demographie konkret – Handlungsansätze für die kommunale Praxis, Gütersloh 2004, S. 44-49
  • Hahne, Ulf, Lorenz Blume, Holger Brörkens: Vision 2030 Schwalm-Eder-West - Zwischenbericht I, Kassel: 2002
  • Hahne, Ulf, Holger Brörkens, Lorenz Blume: Vision Schwalm-Eder-West - Zwischenbericht II, Kassel: 2003
  • Zweckverband Schwalm-Eder-WestVision 2030 Schwalm-Eder-West, Band 2: Grundlagen der Zukunftsentwicklung, (FEH Report Nr. 662)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-West Vision 2030 Schwalm-Eder-West, Band 1: Entwicklungskonzept Schwalm-Eder-West, Handlungsleitfaden (FEH Report. Nr. 661)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-West: Masterplan, Borken (Hessen 2006)
  • Zweckverband Schwalm-Eder-Wes: Stadtumbau West Abschlussbericht, unveröffentlicht, Borken (Hessen) 2007
  • Schwalm-Eder-West bei „Stadtumbau in Hessen"

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Schwalm-Eder-Kreis, LK Hessen

Bevölkerung 2014

179.466

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-8,3

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