Landkreis Holzminden - Modellregion für die aktive Gestaltung des demographischen Wandels

Der Landkreis Holzminden (Niedersachsen) kümmert sich um die Gestaltung des demographischen Wandels als Schwerpunktthema seines Verwaltungshandels. In den kommenden Jahren soll unter Beweis gestellt werden, dass auch ein kleiner, schrumpfender Landkreis wirtschaftlich arbeitet, überlebensfähig ist und im Vergleich mit anderen Kreisen einen der vorderen Plätze einnehmen kann.

Ausgangslage

  • Seit 1970 hat der Landkreis rund 17 % seiner Einwohnerinnen und Einwohner verloren. Bis 2025 werden es weitere 20 % sein. Dann wird der Landkreis, der in seinen Hochzeiten Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts 89.000 Menschen zählte, voraussichtlich nur noch 60.000 Einwohnende zu verzeichnen haben.
  • Es werden zu wenige Kinder geboren, zu viele Menschen, insbesondere Junge, verlassen den Landkreis, der Anteil an älteren Menschen der Gesamtbevölkerung steigt weiter an. Fazit: Der Landkreis schrumpft und altert.
  • Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche kommunalen Handelns, angefangen vom sich weiter einschränkenden finanziellen Handlungsspielraum, über einen dem Bevölkerungsrückgang entsprechenden sinkenden Bedarf an den Dienstleistungen der Kreisverwaltung bis hin zu sich verändernden Bedürfnissen hinsichtlich Kinderbetreuung und Schulraum, sozialer Infrastruktur, öffentlichem Personennahverkehr oder altengerechten Wohnformen und Pflegeeinrichtungen.

Ziele

  • Vor diesem Hintergrund hat sich der LK Holzminden entschlossen, die gesamte Kreispolitik auf den demographischen Wandel auszurichten. Dabei werden folgende Ziele verfolgt:
    • Erhalt der Bevölkerungsstrukturen und der Arbeitsplätze
    • Sicherung der finanziellen Handlungsfähigkeit des Landkreises

Umsetzung

  • Folgende Bausteine gehören zur Gesamtstrategie:
    • Entwicklung eines strategischen Grundsatzprogramms, dass den Wirtschafts- und Lebensstandort Landkreis Holzminden stärken und den finanziellen Handlungsspielraum des Landkreises auch für die Zukunft sichern soll.
    • Sensibilisierung unterschiedlicher Akteure aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft für die Thematik.
    • Initiierung von Demographieprozessen in den Mitgliedsgemeinden.
    • Positionierung des Landkreises als Modelregion für die aktive Gestaltung des demographischen Wandels.
    • Durchführung von zwei Pilotprojekten und einem Handlungsschwerpunkt unter Beteiligung der Politik, der Mitgliedsgemeinden und der Wirtschaft:
      • Pilotprojekt A: Erhalt/Schaffung von Arbeitsplätzen
      • Pilotprojekt B: Intensivierung kommunaler Kooperationen
      • Handlungsschwerpunkt: Familienfreundlichkeit
  • Weserberglandplan 2009 - 2013: Kooperationsprojekt des Landkreises mit den kreisangehörigen Kommunen zur Verbesserung der Bildungschancen sowie der verkehrlichen Erreichbarkeit und des ÖPNV, zur Nutzung erneuerbarer Energien und nachwachsender Rohstoffe sowie zur Verbesserung der Energieeinsparung und des Klimaschutzes.
Meileinsteine des internen Prozesses
  • 01-05/05: Sensibilisierungsphase
  • 03-06/05: Erstellung eines Strategischen Grundsatzprogramms zur Ausrichtung der Kreispolitik auf den demographischen Wandel
  • 11.07.05: Verabschiedung des Strategischen Grundsatzprogramms im Kreisausschuss
  • 07-09/05: Bildung von Handlungszielen 2006 in den Ämtern
  • 13.09.05: Abstimmung der Handlungsziele 2006 in der Ämterkonferenz/Klärung von Zuständigkeiten
  • 10.10.05: Verabschiedung des Strategischen Grundsatzprogramms im Kreistag
  • Kontraktmanagement zur Haushaltsaufstellung 2007
Meilensteine des externen Prozesses
  • 07-08/05: Erstellung eines Demografieberichts
  • 12.09.05: Start des Pilotprojektes „Intensivierung kommunaler Kooperationen"
  • 27.09.05: Start des Pilotprojektes „Erhalt/Schaffung von Arbeitsplätzen"
  • Sept./Okt. 05: Informationsveranstaltungen zur demographischen Entwicklung und daraus resultierenden Handlungserfordernissen in den Mitgliedsgemeinden
  • 21.11.05: Auftaktveranstaltung für regionale Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Soziales
  • Bis 05/06: Festlegen von Handlungsfeldern und Handlungsstrategien, Erarbeitung eines Projektkatalogs in Arbeitsgruppen
  • 06/06 – 12/11: Umsetzung von Handlungsstrategien und Projekten
  • 01/2008 Expertise zur Weiterentwicklung der Kindertagesstätten im Landkreis Holzminden
  • 2009: Teilnahme am Modellprojekt Planungskooperation der Regionalen Entwicklungskooperation Weserberglandplus, Gestaltung der Daseinsvorsorge im demographischen Wandel
  • 2010 – 2012 Teilnahme am Modellprojekt „Umbau statt Zuwachs" zur regional abgestimmten Siedlungsentwicklung von Kommunen im Bereich der Regionalen Entwicklungskooperation Weserberglandplus
  • Zur Umsetzung des Weserberglandplans werden nachstehende Arbeitsstrukturen genutzt:

Erfolge

  • Aufnahme des Landkreises Holzminden als Modellkommune zur aktiven Gestaltung des demographischen Wandels durch die Bertelsmann Stiftung
  • Anerkennung als Pilotkommune des Landes Niedersachsen zur Förderung kommunaler Zusammenarbeit
Projekte im Pilotprojekt A „Stärkung der regionalen Wirtschaft":
  • Unterstützung regionaler Unternehmen beim Umgang mit den Herausforderungen des demographischen Wandels durch
    • Qualifizierung der Arbeitnehmer in der Altersgruppe 50 +
    • Sicherung des Wissenstransfers zwischen Alt und Jung
    • Sicherung und Begleitung des Prozesses der Unternehmensnachfolge
    • Praktikumsbörse, um Jugendliche aus der Region, die regionsextern studieren, im Weserbergland zu halten
    • Unterstützung regionaler Unternehmen bei Ansätzen, den demographischen Wandel als Marktchance zu nutzen durch
    • Ausbau von Dienstleistungen im Pflegebereich
Projekte im Pilotprojekt B „Intensivierung kommunaler Kooperationen":
  • Durchführung einer Abwanderungsbefragung
  • Gemeinsames Beschaffungswesen von Landkreis und kreisangehörigen Gemeinden
  • Mitarbeiterfortbildung
  • Reinigungsmanagement
  • EDV-Vernetzung
  • Abstimmung der Siedlungsentwicklung
  • Einrichtung einer gemeinsamen Rettungsfeuerwehreinsatzleitstelle mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont
  • Einrichtung von Bürogemeinschaften in den Bereichen Heimaufsicht und Pflegesatzverhandlungen mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont
  • Übernahme von Statikprüfungen für den Landkreis Hameln-Pyrmont
Projekte im Handlungsschwerpunkt Familienfreundlichkeit:
  • Entwicklung und Umsetzung von Ansätzen zur Verbesserung der Familienfreundlichkeit und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Zukunftswerkstätten auf Ebene der Samtgemeinden
  • Ausbau der Elterngeldstelle Servicestelle für Familien
  • Einführung von Starterpaketen für junge Familien
  • Weiterentwicklung der Kinderbetreuungsvermittlungsagentur des Vereins „Kinderbetreuung Holzminden e.V." zum ersten Familienservicebüro in Niedersachsen
  • Einrichtung von fünf Tagespflegestützpunkte an Kindertagesstätten
  • Förderung von zwei modellhaften Familienzentren
  • Fusion der beiden Samtgemeinden Bodenwerder und Polle in 2009
  • Fusion der beiden Samtgemeinden Stadtoldendorf und Eschershausen in 2010

Kontakt

Ruth Happel

Kommunikation und Projektmanagement
Landkreis Holzminden
Bgm.-Schrader-Str. 24
37603 Holzminden
Telefon: 05531 - 70 72 14

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Holzminden, LK Niedersachsen

Bevölkerung 2014

71.438

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-13,5

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