Samtgemeinde Neuenkirchen - Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität von älteren Menschen

Wie viele ländliche Gemeinden, so ist auch die Samtgemeinde Neuenkirchen stark vom demographischen Wandel betroffen. Es wurden mehrere Maßnahmen umgesetzt, die die Wohn- und Lebensqualität älterer und kranker Menschen verbessern soll. Dazu gehören z. B. Notfallmappen, Alltagshilfen, Wohnberatung und Anlaufstellen.

Ausgangslage

  • Im Jahr 2012 waren 15,1 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Neuenkirchen mindestens 65 Jahre alt. 2030 werden es voraussichtlich 25,6 Prozent sein.
  • In einer Gesellschaft, in der der Einzelne eine immer längere Lebenserwartung hat, ändern sich Lebensverläufe ebenso wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen und soziale Beziehungen.
  • Sowohl der Landkreis Osnabrück als auch örtliche Initiativgruppen haben sich in den vergangenen Jahren bereits intensiv mit diesem Themenkreis beschäftigt.
  • Stichworte sind:
    • steigende Lebenserwartung
    • Wunsch der Menschen nach langem, selbstbestimmten Leben in der eigenen Wohnung
    • weniger Kinder und Geschwister, Fortzug der jungen Generation
    • weniger Selbsthilfepotenzial in den Familien
    • wegbrechende Selbsthilfe- und Solidarstrukturen auch in ländlichen Bereichen
    • Anstieg von Hilfs- und Pflegebedürftigkeit sowie insbesondere der Demenzerkrankungen, Bedarf an neuen Dienstleistungsangeboten
    • Veränderungen auf dem Boden- und Immobilienmarkt
  • Ältere Menschen möchten häufig möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden leben und auch im Alter nicht in eine stationäre Wohnform wechseln. Über 70 Prozent der 65-Jährigen wollen in dem gewohnten Umfeld verbleiben. Es ist somit aus sozialen und ökonomischen Gründen notwendig, neue Angebote für selbstbestimmtes altersgerechtes Wohnen zu entwickeln.
  • Nicht erst seit „Inklusion" ein politisches Leitbild ist, gibt es wachsenden Bedarf, behinderten Menschen moderne Formen des gemeinschaftlichen und betreuten Wohnens in den Kommunen anzubieten.
  • Aufgrund kürzer werdender Klinikaufenthalte stellt zunehmend der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Situation ein Problem dar. Auch der medizinische Fortschritt bedingt, dass ältere Menschen in ihrer häuslichen Situation zunehmend mehr medizinisch-pflegerische Betreuung bekommen.
  • Ältere Menschen wünschen sich eine Wohnumgebung, in der sie auch bei Krankheit, beginnender Hilfebedürftigkeit, körperlicher Beeinträchtigung und Pflegebedürftigkeit im vertrauten Wohnumfeld bleiben können. Stationäre Versorgung soll vermieden oder hinausgezögert werden. Die Versorgung zu Hause soll verlässlich angeboten werden.

Ziele

  • Ziel ist die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität in den ländlichen Gemeinden im demographischen Wandel.
  • Der Landkreis Osnabrück will in einem gemeinsamen Projekt mit der Samtgemeinde Neuenkirchen als Modellkommune und ihren Mitgliedsgemeinden Neuenkirchen, Merzen und Voltlage modellhaft zeigen, mit welchen sozialen, organisatorischen, infrastrukturellen und wohnungswirtschaftlichen Lösungen die Vision „In unserem Ort kann man in allen Wechselfällen des Lebens sicher und betreut wohnen bleiben!" verwirklicht werden kann.

Umsetzung

  • Das Projekt wird vom Landkreis Osnabrück koordiniert und begleitet. Die Fäden für die Gesamtorganisation laufen in der Samtgemeindeverwaltung Neuenkirchen zusammen. Es sind drei Verwaltungsmitarbeiter der Samtgemeinde Neuenkirchen in einem zeitlichen Umfang von insgesamt einer Vollzeitstelle (39 Wochenstunden) mit dem Projekt befasst. Das Projekt ist zunächst bis zum 31.12.2015 befristet.
  • Anfangs fanden zur Ermittlung der örtlichen Bedarfe erste Bürgergespräche in den drei Mitgliedsgemeinden Merzen, Neuenkirchen und Voltlage statt. Das dörfliche Zusammenleben, die sozialen Dienste, die Infrastruktur und auch die Wohnungsangebote sollten in jeder Gemeinde auf den Prüfstand gestellt und weiterentwickelt werden. Die Struktur des Vorgehens in den drei Gemeinden innerhalb der Samtgemeinde Neuenkirchen ist zwar gleich und vergleichbar, die Art und Zahl der auf das Ziel „sicher und betreut wohnen bleiben" hinführenden Schritte kann aber ebenso variieren wie die sich daraus ergebenden gemeindespezifischen Entwicklungsstrategien.
  • Nach einer Bestands- und Bedarfsermittlung mit Bürgern, Gemeindeverwaltung, Bürgermeistern, Anbietern und Einrichtungen pflegerischer Dienste, Ärzten, Apotheken, Wohnberatung, Seniorenservicebüro, Pflegestützpunkt, Architekten, Handwerkern etc. wurde für jede Gemeinde ein Entwicklungskonzept erstellt.

Erfolge

  • Aus den verschiedenen Arbeitsgruppen sind einige Eckpfeiler entstanden, die dabei helfen sollen, das gesetzte Ziel „In unserem Ort kann man in allen Wechselfällen des Lebens sicher und betreut wohnen bleiben!" zu verwirklichen.

Notfallmappe

  • Niemand denkt gerne daran, dass er möglicherweise einmal ins Krankenhaus muss und nicht mehr in der Lage ist, sich zu äußern. Jeder von uns kann, sei es durch Krankheit, Unfall oder Alter, plötzlich auf Hilfe angewiesen sein. Im Rahmen des Projektes „Wohnen mit Zukunft" wurde daher eine persönliche Notfallmappe entwickelt, die dabei helfen kann, dass Ärzte im Notfall schnellstmöglich handeln können.
  • Die persönliche Notfallmappe ist in kritischen Lebenssituationen eine effektive und wertvolle Hilfe für Bürgerinnen und Bürger in der Samtgemeinde Neuenkirchen. Sie enthält Formulare für den Notfall. Die darin enthaltenen Informationen umfassen persönliche und medizinische Daten, Vorsorgevollmachten und Verfügungen sowie wichtige Telefonnummern. Auch Adressen von Ärzten, Apotheken und Versicherungen können verzeichnet werden. In einem medizinischen Notfall gibt die mit den individuellen Daten ausgefüllte Mappe Angehörigen auf einen Blick wichtige Informationen und Hilfe für klare Handlungsanweisungen.

 

Kleine Hilfen der Helferkreise Merzen, Neuenkirchen und Voltlage

  • Fenster putzen, Rasen mähen, den Einkauf in die Wohnung tragen – für ältere oder hilfsbedürftige Bürgerinnen und Bürger können diese „Alltäglichkeiten" eine große Herausforderung sein. In der Samtgemeinde Neuenkirchen wurden dafür Helferkreise gegründet, die seit dem 01.11.2013 ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger mit kleinen Alltagshilfen unterstützen. Es sind Bürgerinnen und Bürger aus Merzen, Neuenkirchen und Voltlage, die sich ehrenamtlich als Helferinnen und Helfer engagieren.
  • In folgenden Bereichen werden Hilfen angeboten:
    • Hilfen im Haushalt (Gardinen aufhängen, Fenster putzen, Bügeln, Hilfe bei Geburtstagsfeiern, Hilfen bei Abwesenheit)
    • kleine handwerkliche Hilfen (Wasserhahn reparieren, Glühbirne auswechseln, Steckdose befestigen, Bilder aufhängen, Möbel rücken)
    • Hilfen im Garten und rund ums Haus (Gartenarbeit, Rasen mähen, Schnee räumen)
    • Fahrdienste (zum Einkaufen, zum Arzt, zur Sparkasse, zu Veranstaltungen)
    • Unterstützung (bei Behördenangelegenheiten, bei Strom-/ Wasser-/ Gasrechnungen)
    • Besuchsdienst („offenes Ohr" für Sorgen/Probleme, Karten spielen, vorlesen, Begleitung bei Spaziergängen und zu Veranstaltungen)
    • Kurzzeitbetreuung zu Hause
  • Für die Hilfe ist eine geringe Aufwandsentschädigung zu entrichten. Für ½ Stunde 3,00 €, für 1 Stunde 6,00 € und bei Inanspruchnahme eines Fahrdienstes sind zusätzlich 0,30 € pro km fällig.

 

Wohnberatung

  • Viele von uns verbinden mit „Barrierefreiheit" ausschließlich Wohnraum für alte oder behinderte Menschen. Dabei wird oft übersehen, dass die Eigenschaften einer barrierefreien Wohnung auch für Jüngere und besonders für Familien mit Kindern vorteilhaft sind. In der Samtgemeinde Neuenkirchen wurden zwei ehrenamtliche Wohnberater ausgebildet. Sie informieren über barrierefreies und barrierearmes Wohnen, über alternative Wohnangebote und Finanzierungshilfen bei der Umgestaltung von Wohnungen und Häusern. Es erfolgen Einzelberatungsangebote zur Modernisierung im Zusammenwirken mit dem Landkreis Osnabrück.
  • Nach einem Besuch der ehrenamtlichen Wohnberater der Gemeinde Neuenkirchen erfolgt eine Zertifizierung des Wohnraumes. Dafür wird der Bewertungskatalog für „barrierefreie und altengerechte Wohnungen" der Gemeinde Neuenkirchen zugrunde gelegt.

 

Anlaufstellen

  • In den drei Mitgliedsgemeinden Merzen, Neuenkirchen und Voltlage wurden in zentraler Lage betreute Anlaufstellen für ältere Menschen, aber auch für Kranke und Menschen mit Behinderung eingerichtet. Diese Anlaufstellen sollen Kontakte und Begegnungen zwischen älteren Menschen, aber auch zu anderen Generationen ermöglichen und eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben bis in hohe Alter sicherstellen.
  • Mit festen Öffnungszeiten und ehrenamtlicher Betreuung bieten diese Anlaufstellen älteren Menschen, Kranken und auch Menschen mit Behinderung Gelegenheiten
    • zu sozialen Kontakten und Begegnungen (u. a. gemeinsames Kaffeetrinken),
    • zur Teilnahme an Vorträgen und Beratungsangeboten (z. B. Beratung zu altersgerechtem Wohnen, zu Vorsorgevollmachten und Patienten-verfügungen, zur Pflege im häuslichen Umfeld etc.)zum Abrufen von ehrenamtlichen Hilfeleistungen,
    • Angebote wie z. B. „Jung und Alt am PC"
    • und vieles mehr.
  • Zur Einrichtung dieser drei Anlaufstellen erhält der Landkreis Osnabrück vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Programm „Anlaufstellen für ältere Menschen" eine Förderung von insgesamt 30.000,00 Euro.

Kontakt

Uwe Hummert

pädagogische Leitung
Samtgemeinde Neuenkirchen
Alte Poststr. 5 – 7
49586 Neuenkirchen
Telefon: 05465 / 201-22

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Neuenkirchen (OS) Niedersachsen

Demographietyp

Wohlhabende Kommunen in ländlichen Räumen

Bevölkerung 2014

10.196

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

0,7

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