Dormagen - NeFF – Netzwerk frühe Förderung – Netzwerk für Familien

Um von Armut betroffenen Kinder eine möglichst frühe Unterstützung und Hilfe anbieten zu können, schlossen sich verschiedenen Anbieter aus dem Kinder- und Familienbereich zu einem Netzwerk zusammen. Mit dem niedrigschwelligen Angebot sollen Familien gefördert und den Kindern bessere Bildungschancen ermöglicht werden.

Ausgangslage

  • Bereits 1996 wurden Jugend- und Sozialhilfe in einer Organisationseinheit zusammengefasst, um von staatlichen Leistungstransfers abhängigen Menschen ganzheitliche Hilfe anzubieten.
  • Bis zur Umsetzung von Hartz IV waren nahezu alle armen Kinder den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendamtes bekannt. Durch Hartz IV wurde im Regelfall die ARGE zuständig und so konnte eine große Zahl der armen Kinder bis zum eventuellen Besuch des Kindergartens oder der Einschulung den städtischen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern unbekannt bleiben. Vorhandene frühe Hilfen drohten damit ins Leere zu gehen. Der Ausgangsgedanke war die Gefahr, dass Hilfen oft zu spät kommen und dann umso aufwendiger sind.
  • Um die Armutsfolgen zu mildern, sollten niedrigschwellige Zugänge zu den betroffen Familien gefunden werden. Einen Ansatz hierzu bot das mehrsystemische „Netzwerk Frühe Förderung" (NeFF), das vom Landschaftsverband Rheinland 2006 bis 2009 mit sechs Kommunen entwickelt wurde. Das Netzwerk besteht jeweils aus verschiedenen Anbietern und Diensten aus dem Bereich der Kindertagesstätten, des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), der Familienberatung, der Familienbildung und des Gesundheitswesens in den beteiligten Kommunen.

Ziele

  • Die Ziele des Netzwerks „Frühe Förderung in Dormagen" orientieren sich unmittelbar am Kinder- und Jugendhilfegesetz (§1 SGB IIIV, Satz 3 Abs. 1-4). So soll das Netzwerk
    • junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen,
    • Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen,
    • Kinder und Jugendliche vor Gefahren schützen,
    • dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien und eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu schaffen.
  • Das Leitziel des Dormagener Netzwerkes besteht entsprechend darin, Benachteiligungen abzubauen. Ermöglicht werden soll dieser Vorsatz durch einen modernen Kinderschutz in der Jugend- und Familienhilfe, eine möglichst frühe Förderung von Kindern, die Initiierung einer Vielzahl von Präventionsprojekten und die Unterstützung von Familien in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Moderner Kinderschutz bedeutet hier vor allem, Lebensbedingungen dadurch zu verändern, dass die Eigenkräfte der Familien gestärkt, soziale Konflikte und Notlagen erkannt und konkret Hilfe geleistet wird. So versteht sich das Präventionsnetzwerk auch als kommunales Bildungsnetzwerk. Das bedeutet:
  • Begonnen wird zum jeweils frühestmöglichen Zeitpunkt (Präventionskette).
  • Existenzieller Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten des Kindes sollen sichergestellt werden (Schulmittelfreiheit, Familienpass, Betreuungsplatz, Elternschule etc.).
  • Gefördert werden Teilhabe, Integration, Bildung und Gesundheit.
  • Eltern und Familien sind erste Adressaten.
  • Die Lebenswelt der Kinder (KiTas, Schule, Stadtteil etc.) nimmt Einfluss. 

Umsetzung

Bedarfe erkennen

  • Zur optimalen Angebotsabstimmung werden regelmäßige Befragungen zu Bedarfen und zur Qualität der eigenen Arbeit durchgeführt.
  • Zur Bedarfsanalyse gehören:
    • Interviews mit allen Fachkräften im Stadtgebiet zu Themen wie Armut, Prävention, frühe Hilfen
    • Befragung von Kindern zum Thema Kinderarmut
    • Befragung von Eltern zum Betreuungsbedarf
    • jährliche Bürgerversammlungen in allen Stadtteilen zu Themen wie Kinderbetreuungsbedarf, Schulsituation, Verkehr
    • Kinderbetreuungsbedarf, Schulsituation, Verkehr
    • Sozialraumkonferenzen/Stadtteilarbeitskreise
    • Analysen kinder- und jugendärztlicher Dienste
    • detaillierte Auswertung der gewährten Erziehungshilfe

Steuern und Koordinieren

Erfolge

  • Die Ergebnisse der Selbst- und Fremdevaluation haben gezeigt, dass sich eine fortlaufende Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und deren Familien eingestellt hat.
  • Bisherige Erfolge des Netzwerkes sind insbesondere:
    • eine regelmäßige Bedarfsermittlung
    • der Aufbau eines Präventionsnetzwerks mit den Schwerpunkten Gesundheit, Erziehung, Bildung, Integration, Fortbildungen von päd. Fachkräften in Kindertagesstätten und Grundschulen
    • die systematische Einführung einer Präventionskette im Leben des Kindes von der Schwangerschaft über die Geburt, den Besuch des Kindergartens bis zur Grundschulzeit
    • die Entwicklung von „Willkommen im Leben", einem Babybegrüßungspaket mit umfassenden Informationen und einem Willkommensbesuch, die einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen neuen Eltern in der Stadt ermöglichen.
    • der Ausbau der Zusammenarbeit von Gesundheitsamt, Schulen, Kindergärten, Ärzten und Jugendhilfe z. B. durch institutionalisierte Gesundheitsprojekte und im Dialog erarbeitete Standards zur Prävention
    • die Umsetzung des neuen Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung in verbindlichen Vereinbarungen mit allen Trägern der Freien Jugendhilfe und der Schulen
    • der Aufbau von Elternschulen in der Stadtmitte und den verschiedenen Sozialräumen, inklusive an den Entwicklungsphasen orientierten zusätzlichen Angeboten (Babyclubs, Krabbelclubs etc.)
    • die systematische Entwicklung von Kindertageseinrichtungen zu Familienzentren und ihre kontinuierliche Unterstützung beim weiteren Ausbau der Angebote
    • der Aufbau einer koordinierten Öffentlichkeitsarbeit (u. a. Internetseite für Familien, Aufbau eines elektronischen Newsletters über aktuelle Ereignisse)
    • die Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern zu Themen der frühen Förderung

Kontakt

Uwe Sandvoss

Stadt Dormagen
Paul-Wierich-Platz 2
41538 Dormagen
Telefon: 02133 - 25 72 45

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Dormagen Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Stabile Mittelstädte

Bevölkerung 2014

62.773

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-2,5

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