Dortmund - Die neue Planungskultur: Stadtentwicklung, Beteiligung und strategische Planung

Durch die verbesserte Einbeziehung der Bürger, der lokalen Politik und der vielen anderen Partner ist es gelungen, gemeinsam Grundlagen für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung zu erarbeiten. Für die Etablierung und Umsetzung einer neuen Planungskultur in Dortmund sind in diesem Kontext neue Instrumente der räumlichen Planung sowie neue Formen der Bürgerbeteiligung erprobt und umgesetzt worden.

Ausgangslage

  • Die Stadt Dortmund wird seit rund 40 Jahren massiv durch den Strukturwandel geprägt. Dies findet seinen Ausdruck u. a. in einer vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit, zahlreichen brachgefallenen Flächen und der Ausbildung von benachteiligten Stadtteilen.
  • Mit dem Strukturwandel gehen starke soziale Veränderungen einher, die in Verknüpfung mit sich abzeichnenden demographischen Veränderungen stärkere Brüche in der Stadtgesellschaft befürchten lassen, das Gleichgewicht der Stadtteile untereinander hinterfragen und am Ende eine ausgewogene Stadtentwicklung kaum noch zulassen.
  • Vor diesem Hintergrund ist eine strategische Planung notwendig, um die Bürger und alle anderen am Standort Dortmund Interessierten bei der Gestaltung des „Neuen Dortmunds" aktiv einzubeziehen.
  • Anlässlich der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans wurde hierzu ein weit über die gesetzlichen Regelungen des BauGB hinausreichender systematischer Handlungsansatz entwickelt, der eine verbesserte Information voraussetzt, von einer aktiven Teilhabe der Bürger sowie gesellschaftlicher Gruppen ausgeht und das Angebot zur Mitbestimmung beinhaltet.
  • Um den Anforderungen einer strategischen Planung gerecht zu werden, wurden neue Planungselemente gefunden, um den umfassenden Einwicklungsprozess für alle Beteiligten (Politik, Verwaltung, Bürger, Vereine, Verbände, Initiativen etc.) verständlicher und handhabbarer zu machen.

Ziele

  • Erstellung einer breit abgestimmten und in der Folge in der Stadtgesellschaft verankerten strategischen Grundlage für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung. Hieraus leiten sich ergebnis- bzw. prozessbezogene Ziele ab.
  • Hohe Qualitätsanforderungen für das Endprodukt (den neuen Flächennutzungsplan) und den Verfahrensweg. Dies soll insbesondere erreicht werden über eine starke Beteiligung und Mitwirkung, einer weiteren Verbesserung der Identifikation der Bürger mit der Stadt und einer Steigerung des Engagements für die Stadt. Mit Blick auf die Ergebnisse ging es u. a. um:
    • die Sicherung und Definition einer zukunftsweisenden ökonomischen Entwicklung (Qualifizierung/Ausweisung von Wirtschaftsflächen).
    • die Ausgestaltung und Neuinterpretation des Wohnens (Wohnbauflächen, Bestandsentwicklung).
    • eine Stärkung und Aufwertung der Stadtbezirke und der Stadtteil-, Ortsteil- und Quartierszentren (Einzelhandel, Erreichbarkeit).
    • den Schutz und die Entwicklung von Landschaft, Natur und Umwelt (Rückgewinnung von Landschaft aus alten Industriebrachen, Ausweisung neuer Naturschutzgebiete).
    • die innovative Bewältigung aktueller Mobilitätsanforderungen.

Umsetzung

  • Der erste und grundlegende Schritt zum Aufbau und zur Etablierung einer neuen Dortmunder Planungskultur ist in der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans zu sehen. Auf Vorschlag der Verwaltung ist dies mit der Erstellung von Masterplänen für die Bereiche Umwelt, Einzelhandel, Wirtschaftsflächen, Mobilität und Wohnen sowie mit der Erstellung von integrierten Stadtbezirksentwicklungskonzepten (INSEKTs) für alle 12 Dortmunder Stadtbezirke verknüpft worden.
  • Die Integrierten Stadtbezirksentwicklungskonzepte widmen sich den einzelnen Stadtbezirken mit ihren Stadt- bzw. Ortsteilen und beinhalten u. a. eine flächengenaue Analyse räumlicher Entwicklungsbereiche (Potenziale) und die Definition von daraus abgeleiteten Entwicklungszielen.
  • Die Ergebnisse der Analyse und Planung wurden in allen Stadtbezirken über einen Zeitraum von ca. zwei Jahren mehrfach vor- und zur Diskussion gestellt.
  • Das Thema Qualität im Städtebau spielt in einer Stadt im Strukturwandel eine entscheidende Rolle. Daher wurde im Jahre 2001 der Gestaltungsbeirat gegründet. Ihm gehören Architekten, Planer und Hochschulprofessoren, aber auch Lokalpolitiker, Einzelhändler und bildende Künstler an. Der Gestaltungsbeirat berät den Rat der Stadt Dortmund in allen (relevanten) baulichen Fragen der Gestaltung und gibt Empfehlungen hierzu ab.
  • Um die öffentliche Diskussion zu den verschiedenen raumbezogenen Fragestellungen zu unterstützen, bildete sich im Jahre 2002 zusätzlich das FORUM Stadtbaukultur Dortmund, welches monatlich zusammentritt und die unterschiedlichsten Themen behandelt.
  • Damit die Menschen in der Dortmunder Nordstadt, einem Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf, noch mehr Verantwortung für ihre Quartiere übernehmen (können!), wurde Anfang 2005 mit den „Quartiersfonds" ein interessanter Modellversuch auf den Weg gebracht. Für die drei Quartiere Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz stehen für die Dauer von einem Jahr jeweils 15.000 € für stadtteilbezogene Projekte zur Verfügung, die aus den Quartieren heraus vorgeschlagen werden können. Eine Bewohnerjury entscheidet, wie das Geld verwendet werden soll. Der Modellversuch hat sich bewährt und wird fortgesetzt.

Erfolge

Erfolge

  • Die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans kann auf eine ungewöhnlich schnelle und qualifizierte Umsetzung zurückblicken. Das sehr hohe Maß an Bürgerbeteiligung ist Ausdruck intensiver Befassung und Diskussion. Insgesamt gab es ca. 120 Veranstaltungen mit etwa 20.000 Teilnehmer/innen. In der Folge sind fast 1.400 Anregungen vorgebracht worden, die zu mehr als 800 Veränderungen am Entwurf des Flächennutzungsplans geführt haben.
  • Insgesamt hat die Stadt erheblich an Lebensqualität gewonnen und Bürgerumfragen zeigen ein hohes Maß an Zufriedenheit der Bürger/innen mit ihrer Stadt (92 Prozent „gut" oder „sehr gut").
  • „Grau raus – Grün rein" war eine wichtige Leitidee bei der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans. Erfreulicherweise ist es tatsächlich gelungen, den Anteil an Grünflächen und Freiraum zu sichern und zu vermehren, wohingegen die Flächen für Gewerbe und Industrie in der Gesamtbilanz zurückgefahren werden bzw. auch auf Altstandorte umgelenkt werden konnten. Hiermit kommt es gleichzeitig zu einer Reaktivierung von Brachflächen.
  • Die verstärkte Betrachtung der Stadtteile im Rahmen der INSEKTs zeigt Wirkung. So sind heute z. B. in allen Stadtbezirken Seniorenbüros und Familienbüros anzutreffen, die sich ganzheitlich um die Anliegen der Menschen vor Ort kümmern.
  • Angestoßen durch das dortmund-project sind in Dortmund neue Führungsbranchen auf den Weg gebracht worden (Informationstechnologie, Mikrostrukturtechnik, Logistik). In der Folge ist es zu gezielten Neuansiedlungen gekommen, die Zahl der Erwerbstätigen steigt wieder an und die Zahl der Arbeitslosen sinkt gegenwärtig. In diesem Zusammenhang wurde Dortmund von EUROCITIES im Jahre 2006 auch zur innovativsten Stadt Europas gekürt.

Kontakt

Stefan Thabe

Stadt Dortmund
Burgwall 14
44122 Dortmund
Telefon: 0231 - 50 27 299

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen

Demographieprofil

Dortmund Nordrhein-Westfalen

Demographietyp

Wirtschaftszentren mit geringerer Wachstumsdynamik

Bevölkerung 2014

580.511

Relative Bevölkerungsentwicklung 2012 bis 2030 (%)

-3,9

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